08. Innerhalb des Vorhangs

„Herr, entwöhne mich von allem irdischen. Herr, nimm mich hinein hinter den Vorhang.“

Wenn ich erwache, so bin ich immer noch bei dir!

Ps 139,18

Ich träumte letzte Nacht, dass ich sterbe, und in dem Moment, als ich abzuscheiden schien, sah ich irgendwo Worte, die an mich gerichtet wurden und von der vollständigen Erlösung Christi sprachen. Potentissimus, so erinnere ich mich, war eines dieser Worte, und es bewog mich, an ihn zu denken, der in der Lage ist, bis zum Äußersten zu retten. Es gab ein anderes, das von seinem Werk für Sünder sprach, aber ich habe dieses Wort vergessen. Es war ein angenehmer Traum. Möge es mir so ergehen und noch realer sein, wenn der Tod dann kommt. Ich versuche Tag für Tag daraufhin zu leben.

6. Juli 1857

In letzter Zeit hatte ich immer wieder das Gefühl, fast auf der Stufe zum Jenseits zu stehen, dem Haus meines Vaters, mit meinem Gesicht jedoch noch auf diese Welt gerichtet, und dass ich jeden Moment sanft angerührt und hinter den Vorhang gezogen werde könnte. 

28. April 1866

Heute Nacht und seit einigen Tagen schon habe ich mich irgendwie mit denen vertraut gefühlt, die hinter den Vorhang gegangen sind, als ob ich mich mit ihnen treffen und mich leicht mit ihnen unterhalten könnte. ‚Für immer bei dem Herrn’* ist ein Wort der Freude. Manchmal überkommt es mich wie ein heller Blitz, der mir für einen Moment die Welt im Jenseits eröffnet.

27. Januar 1867

„‚Diese alle sind sind im Glauben gestorben’ (Heb 11,13), weil sie im Glauben gelebt hatten. Nein, es ist noch ausdrucksvoller im Griechischen – ‚gemäß ihres Glaubens’. Der Glaube, der sie durchs Leben trug, trug sie durch den Tod.”

„Wir haben Zuversicht, durch das Blut Jesu in das Allerheiligste einzutreten. Was brauchen wir mehr, um in seine Gegenwart zu treten?“

„Wenn der Tod kommt, können wir vielleicht gar nicht mehr klar denken. Doch das spielt keine Rolle: er wird uns festhalten.”

„Denke an den Herrn, solange du es noch kannst, und er wird an dich denken, wenn du es nicht mehr kannst.”

„Der sterbende Schächer am Kreuz hatte nichts woran er denken konnte als nur einen sterbenden Retter. Aber ein sterbender David und ein sterbender Paulus hatten nichts anderes, an das sie denken wollten, als einen sterbenden Retter.“

„Die Vorbereitung auf den Tod ist fast ein Trugbild. Ein Gläubiger bereitet sich nicht auf den Tod vor. Christus tut es für ihn. Der Gläubige bereitet sich auf das Leben vor.“

Die Toten in Christus’ (1.Thess 4,16) – welch ein wunderschöner Ausdruck. Er erinnert mich immer an eine Mutter, die ihr totes Kind auf der Brust liegen hat. Christus hat seine Toten auf seiner Brust liegen und wartet auf die Auferstehung.“

„Es ist die Stimme des Vaters, die sagt: ‚Glückselig sind die Toten, die im Herrn sterben’ – schlafe in Jesus – und die Stimme des Geistes sagt: ‚Ja, Amen’.” (Offb 14,13)

„Es war Christus, der zweite Adam, der zuerst das Wort Paradies verwendete.”

„Wenn wir klar im Kopf sind, dann wünschen wir uns nicht zu sterben. Es ist kein Anzeichen für einen gütigen Menschen, des Lebens müde zu sein. Es ist jedoch ganz richtig, dass es ‚weitaus besser’ ist, abzuscheiden und bei Christus zu sein. ‚Weitaus besser’ als ein Sabbat hier und ein darauf folgender Montag und die Geschäftigkeit der darauf folgenden Woche. Aber wenn dies auch wahr ist, so wurde uns gelehrt, uns zu wünschen, hier zu verharren und Christus zu dienen. Nur hier können wir die Brandscheite aus dem Feuer herausreissen.** Bleib hier und wende viele der Gerechtigkeit zu. Mache es dir zur Regel, nicht an den Tod zu denken. Denke an die Auferstehung. Denke an die Wiederkunft Christi. Das ist es, was heiligt, was stärkt, was erfreut.“

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* Möglicherweise Anspielung auf 1.Thess 4,17 oder Ps 23,6

 ** Anspielung auf Sach 3,2

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