Der Vorhang riss entzwei

Matth. 27,31-54

„Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus.“Matth. 27,51

Der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus – kein Kommentar, keine Erklärung. Diese Feststellung lesen wir inmitten des Höhepunkts des göttlichen Heilsplans, als Jesus stellvertretend für unsere Schuld am Kreuz von Golgatha sein Leben lässt. Als Europäer des 21. Jahrhunderts ist es ein Leichtes gedankenlos über diesen Satz hinwegzulesen. Ganz im Gegensatz dazu Bedarf es für einen orthodoxen Juden hierzu mit Sicherheit keiner Erklärung. Für uns ist es hier nicht nötig zwischen den Zeilen zu lesen, sondern die Zeilen, Kapitel und Bücher der Heiligen Schrift davor und danach zu lesen und zu kennen – sozusagen den Kontext, den Stoff aus dem das ganze Bild gewebt ist. 

Die Stiftshütte sowie der spätere Tempel in Jerusalem, als Orte der manifesten Präsenz GOTTES unter dem Volk Israel, kennzeichneten sich neben intimer Nähe auch durch bewusste Trennung. DerVorhang zwischen dem Heiligen und dem Allerheiligsten schuf klare Trennung zwischen dem Sündhaftem und GOTT (2. Mose 26,31-33). Letztlich bringt ein Stück Stoff aus rotem Purpur, Karmesin und feinen Leinen eine Realität zum Ausdruck, die jeden Menschen von Geburt an betrifft – Trennung von GOTT.

Diese Trennung kann nur durch Reinigung des Unreinen aufgehoben werden – Reinigung durch Blut. Nun in den letzten Tagen geschah es, dass ein fehlerloses Lamm und der ewige Hohepriester – vereint in der Person Jesu Christi – am Kreuz von Golgatha ein einmaliges Opfer darbrachten. Jesu Leben gegeben stellvertretend für das unsere, Jesu Blut durch ihn selbst in das himmlische Heiligtum gebracht, um uns von unsere Sünde reinzuwaschen – ein für allemal, in Perfektion – Es ist vollbracht! (Hebräer 9,1-10,18)

Und so fällt der Vorhang am Ende unseres menschlichen Dramas nicht, nein, er reißt entzwei. Er reißt entzwei von oben nach unten als Ausdruck der aktiven Liebe und Gnade GOTTES, der durch sich selbst den Weg zu sich selbst freimacht.

„Darum lasst uns freimütig hinzutreten zu dem Thron der Gnade, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden und so Hilfe erfahren zur rechten Zeit.“ (Hebräer 4,14-16)

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