Warum sagen wir: “Gott hat mir gesagt”?

Wenn jemand einen Satz mit den Worten “Gott hat mir gesagt…” beginnt muss ich zugeben, dass bei mir ein stiller Alarm losgeht, wenn kein Bibelvers folgt. Ich weiß, dass viele glauben das Leben als Christ sollte so funktionieren, dass wenn wir wirklich in Gemeinschaft mit Gott sind, wir fähig werden ihn als innere Stimme zu hören. Aber ich bin mir nicht sicher ob das wirklich so sein soll. Und es ist nicht deshalb weil ich denke Gott wäre unfähig oder uninteressiert heute noch zu seinen Leuten zu sprechen. Er spricht zu uns durch die Schrift.

Wenn wir die Schrift lese, lesen wir nicht nur eine Aufzeichnung davon was Gott in der Vergangenheit getan hat. Gott spricht aktiv zu uns im hier und jetzt durch die Worte dieses erstaunlichen Buches. Der Schreiber des Hebräerbriefes macht diesen Punkt klar wenn er das Altetestament zitiert und die Stelle nicht als etwas präsentiert was Gott in der Vergangenheit zu seinen Leuten gesagt hat sondern als etwas das Gott jetzt zu seinen Leuten sagt. (Hebräer 1,6-8; 2,12; 3,7; 4,7) Er schreibt “das Wort Gottes ist lebendig und kräftig” (4,12). Es deckt unsere seichten Überzeugungen und Motive auf. Das Wort ist persönlich. Du hörst und ich höre die Stimme Gottes zu mir sprechen – unverwechselbar, autoritär und persönlich – wenn wir die Schrift lesen, hören, studieren oder über sie nachsinnen.

Etwas mehr, etwas anderes

Aber viele von uns wollen etwas mehr und etwas anderes. Wir lesen die Schrift und sehen wie Gott zu einzel Personen durch die Heilsgeschichte hindurch auf herausragende Weise spricht. Hiob hörte ihn im Wirbelsturm. Mose hörte ihn aus dem brennenden Busch rufen. Samuel hörte ihn in der Finsternis. David hörte ihn durch den Propheten Nathan. Jesaja spürte die brennende Kohle an seinen Lippen und hörte den Zuspruch der Vergebung der Sünde. Saulus und alle die mit ihm auf der Straße nach Damaskus reisten hörten Jesus fragen: “Warum verfolgst du mich?” Propheten und Lehrer in Antiochia hörten vom Heiligen Geist, dass sie Barnabas und Saulus zum Dienst aussenden sollten. Johannes spürte die Berührung des verherrlichten Jesus und hörte seinen Zuspruch, dass er sich nicht fürchten müsse.

Viele von uns lesen diese Begebenheiten und setzten voraus, dass dies die normale Erfahrung derer ist die Gott nachfolgen. Aber ist es wirklich so? Graeme Goldsworthy spricht über diese Frage in seinem Buch Gospel and Wisdom. Er schreibt:”Jeder Fall von spezieller Führung von einzel Personen in der Bibel hat mit dem besonderen Platz dieser Person im Heilsplan Gottes zu tun.” Er fügt hinzu:”Es gibt keine Fall in der Bibel in dem Gott spezielle und spezifische Führung einem normalen gläubigen Israeliten oder Christen in ihrer persönlichen Erfahrung zukommen lässt.”

Gibt es Fälle in der Schrift in denen Leute das sprechen Gottes als innere Stimme beschreien? Wir lesen Berichte wie Gott in einer hörbaren Stimme, durch einen Traum oder eine Vision, eine menschliche Handschrift an der Wand, ein blendendes Licht, oder eine donnernde Stimme vom Himmel spricht. Das unterscheidet sich sehr davon wie die meisten Leute, die sagen das Gott ihnen etwas gesagt hat das Hören seiner Stimme beschreiben, nämlich als Gedanke der ihnen in den Sinn kam von dem sie “wissen” das Gott gesprochen hat. Ein berühmter Prediger der Leute trainiert die Stimme Gottes zu hören schreibt:”Das Reden Gottes in unserem Herzen klingt of wie ein Strom spontaner Gedanken.” Aber wo in der Bibel sind werden wir aufgefordert Gott so zu suchen oder zu erwarten Gott so zu hören?

Einige die behaupten eine sprechende Beziehung zu Gott ist nicht nur möglich sondern sogar normal weisen auf Johannes 10 hin wo Jesus sich als den guten Hirten beschreibt und sagt:”Meine Schaft hören meine Stimme.” Aber in dieser Passage spricht Jesus nicht von einem andauernden göttlichen Gespräch. Er spricht zu den Juden in seinen Tagen durch ein Bild das sie verstehen – der Hirte und seine Schafe. Sein Punkt ist, dass die Erwählten unter den Juden ihn als den Hirten erkennen von dem die Propheten geschrieben haben und auf seinen Ruf:”Tut Buße und glaubt,” antworten werden so wie auch die Erwählten unter den Heiden dies tun werden und so zu einer Herde, einer Kirche mit ihm als Haupt werden.

Ein Verlangen nach der Führung Gottes

Warum reden wir also über das Hören Gottes auf diese Art? Von klein auf wurde uns gesagt, dass wir eine “persönliche Beziehung mit Gott” haben müssen und was ist persönlicher als ihn über unsere individuellen Probleme und Bedürfnisse sprechen zu hören? Manchmal wenn wir unsere Motive hinterfragen werden wir bemerken, dass wir andere mit unserer engen Verbindung mit Gott beeindrucken wollen wenn wir so reden. Ein anderer Grund zu sagen:”Gott hat mir gesagt,” ist das es nützlich für uns ist. Wenn du mich fragst ob ich diesen Herbst Sonntagsschule (Bibelunterricht) für Kinder unterrichten will, klingt es viel geistlicher und macht es viel schwieriger für dich meine Entscheidung zu hinterfragen, wenn ich sage Gott habe mir gesagt, dass ich in der erwachsenen Sonntagsschule mit meinem Ehemann sitzen soll, als wenn ich nur sage ich will nicht.

Aber ich denke es geht hier um mehr als nur unser Verlangen geistlich zu klingen oder es für andere schwer zu machen unsere Vorlieben oder Entscheidungen zu hinterfragen. Wir sehnen uns wirklich danach von Gott geführt zu werden. Wir sehen uns nach einem persönlichem Wort von Gott, einer übernatürliche Erfahrung mit Gott. Aber wir sehen nicht, dass wenn wir das Wort Gottes lesen, studieren, es gepredigt und gelehrt hören es ein persönliches Wort von Gott ist. Weil die Schrift “lebendig und kräftig” ist, ist auch das Reden Gottes durch die Schrift eine persönliche übernatürliche Erfahrung.

Gott hat gesprochen und es ist ein Fakt, dass er noch immer durch die Schrift zu uns spricht. Wir brauchen nicht mehr spezielle Offenbarung. Was wir brauchen ist Erleuchtung (Einsicht) und das ist genau was Jesus uns versprochen hat was der Heilige Geist für uns tun wird wenn sein Wort in uns bleibt. Der Heilige Geist Gottes arbeitet durch das Wort Gottes um uns zu beraten, uns zu trösten und uns zu überführen (Johannes 16,7-15). Durch die Schrift weist uns Gott zu recht, lehrt uns, korrigiert uns und erzieht uns in der Gerechtigkeit (2. Timotheus 3,16-17). Das Wort Gottes verändert uns durch die Erneuerung unseres Denkens damit wir mehr wie er und weniger wie die Welt denken. Anstatt, dass wir alles von Gott diktiert bekommen müssen werden wir immer mehr fähig zu “unterscheiden was der Wille Gottes ist, das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene” (Römer 12,2).

Ich schätze die Art wie John Piper seine Erfahrung des hörens der Stimme Gottes durch die Bibel in seiner Ansprache über “How Important is the Bible?” in Lausanne 2010 beschreibt:

Gott spricht zu mir auf keine andere Art, aber versteh mich nicht falsch, er spricht zu mir sehr persönlich. Ich öffne meine Bibel am Morgen um meinen Retter, meinen Schöpfer, meinen Erhalter zu treffen. Ich treffe ihn und er spricht zu mir … Ich leugne nicht die Vorsehung oder Umstände oder Leute ich sage nur, dass die einzig autoritäre Gemeinschaft die ich mit Gott mit irgendwelcher Sicherheit haben kann durch die Worte dieses Buches kommt.

Und wenn wir noch etwas weiter zurückgehen wollen, warnt uns Jonathan Edwards:

Ich … weis aus Erfahrung, dass Eindrücke die mit großer Kraft auf den Verstand von wahren Heiligen gemacht werden sogar in der Mitte von besonderer Gnade und süßer Gemeinschaft mit Gott und selbst wenn sie von Texten der Schrift begleitet sind, kein sicheres Zeichen einer Offenbarung vom Himmel sind, da ich solche Eindrücke versagen gesehen habe.

Welchen Unterschied macht das schon?

Macht es wirklich einen Unterschied wenn wir erwarten, dass Gott zu uns durch die Schrift spricht anstatt auf eine göttliche innere Stimme in unseren Köpfen zu warten? Ich denke schon.

Wenn wir wissen, dass Gott persönlich und kraftvoll durch sein Wort zu uns spricht, brauchen wir uns nicht zu sorgen, dass unsere Beziehung zu Christus unvollkommen wäre oder, dass wir ein weniger als christliches Leben erfahren wenn Gott uns keine extra biblischen Instruktionen oder Verheißungen gibt. Wenn wir wissen, dass Gott durch sein Wort zu uns spricht brauchen wir nicht und können wir sogar jedem Anspruch von “Gott hat mir gesagt?” in Büchern, von Lehrern, von Predigern oder sogar von Freunden mit angebrachter Skepsis begegnen. Wir brauchen nicht darauf warten, bis wir Gott hören um weiter zugehen oder bevor wir “ja” oder “nein” sagen oder eine Entscheidung treffen. Wir können die Schrift konsultieren und in der Weisheit und der Einsicht ruhen, die der Heilige Geist in uns entwickelt und uns frei fühlen eine Entscheidung zu treffen.

Indem wir uns am Gesetz des Herrn Tag und Nacht erfreuen, können wir erwarten, dass sein Wort lebendig und kraftvoll in uns ist. Indem das Wort uns verändert durch die Erneuerung unseres Geistes, werden wir bemerken, dass unsere Gedanken unsere Gefühle, Ziele und Verlangen mehr von seinem Wort als von unserem Fleisch geformt werden. Wir werden bemerken, dass wir mehr dazu hingezogen seine Gebote zu halten als der Kultur zu folgen. Wir werden ihn um Weisheit bitte und sie um seiner Großzügigkeitkeit willen empfangen.

von Nancy Guthrie

http://thegospelcoalition.org/blogs/tgc/2013/09/18/why-do-we-say-god-told-me/

 

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