Kann Gott etwas bereuen?

Auf den ersten Blick scheint die Bibel die Frage mit einem klarem Ja zu beantworten:

1.Mose 6,6 – “Und es reute den HERRN, dass er den Menschen auf der Erde gemacht hatte, und es bekümmerte ihn in sein Herz hinein.”

1.Samuel 15,10 – “Da geschah das Wort des HERRN zu Samuel: 11 Es reut mich, dass ich Saul zum König gemacht habe; denn er hat sich von mir abgewandt und hat meine Worte nicht ausgeführt.”

Doch beim genaueren Hinsehen wird die Sache komplexer. Nur 15 Verse später lesen wir:

1.Samuel 15,29 “Auch lügt der nicht, der Israels Ruhm ist, und es gereut ihn nicht. Denn nicht ein Mensch ist er, dass ihn etwas gereuen könnte.”

Haben wir hier einen Widerspruch in der Bibel gefunden? (Der für 2000+ Jahre unentdeckt geblieben ist)

Ich hab zu dem Thema ein Transkript aus einer der Q&A Session einer Ligonier Konferenz, das ich leider nicht mehr zuordnen kann.

Kann Gott bestimmte Dinge die geschehen oder die er sogar getan hat bereuen?

R.C. Sproul: Wir haben die ganze Bibel hindurch Anthropomorphismen (menschliche Sprache für Gott). “Gott hat einen starken Arm.” Diese Sprache soll mit uns auf menschliche Weise kommunizieren. Aber letztendlich kann Gott nicht Buße tun, denn Gott kann nichts falsch machen. Er verwendet aber menschliche Ausdrucksformen um Gefühle der Trauer über bestimmte Ereignisse auszudrücken die geschehen.

Michael Horton: Von Saulus lesen wir das Gott es “bereute” ihn zum König gemacht zu haben. (1. Samuel 15,11) Aber der Kontext lässt uns verstehen was gemeint ist denn 15 Verse später lesen wir “Gott ist kein Mensch, dass er etwas bereuen sollte” (1. Samuel 15,29)

John Mac Arthur: Von Judas lesen wir dass es “besser wäre, er wäre nie geboren” (Markus 14,21). Diese Sprache drückt Enttäuschung aus. Aber Gott windet sich nicht durch die Umstände und versucht sie zu verändern oder ungeschehen zu machen.

Was lernen wir daraus?

1. Babytalk – John Calvin

Die Anthropomorphisten aber, die sich einbilden, Gott sei körperlich, weil ja die Schrift ihm häufig Mund, Ohren, Augen, Hände und Füße zuschreibt, sind leicht zu wiederlegen. Denn es muss doch einer schon sehr töricht sein, wenn er nicht sieht, dass Gott an solchen Stellen mit uns kindlich redet, wie Ammen mit den Kindlein tun! (Institutio 1.13.1)

Gott spricht mit uns so, damit wir ihn verstehen können und er hat dafür eine ganze Welt als Referenzrahmen geschaffen. Wenn Gott kein Licht geschaffen hätte, könnten wir nicht verstehen was es heißt, dass Gott Licht ist usw.

2. Zusammenhang – Kontext is key

Gerade bei den Samuel Stellen wird uns klar wie wichtig der Zusammenhang ist um den Sinn eines Textes ganz zu erfassen. Wenn wir nur den ersten Teil lesen würden, könnten wir leicht schlussfolgern, dass Gott Dinge bereut. Erst wenn wir den zweiten Teil lesen, wird uns klar, dass hier menschliche Sprache benutzt wird.

 

Original Wortlaut:

Can God regret certain things that have happened, or even that He has done?

SPROUL: We have anthropomorphisms throughout the Bible. “God has a strong right arm.” This language is used to communicate with us in human terms. But ultimately God is not able to repent, because God cannot do anything wrong. He does, however, use human ways to express feelings of sorrow over certain events that transpire.

HORTON: Of Saul, we read that God “regretted” making him a king (I Sam. 15:11). But the context gives clarity, because about fifteen verses later the text reveals that “God is not a man that He should regret” (I Sam. 15:29).

MACARTHUR: Of Judas, we read that “it would have been better had he never been born” (Mark 14:21). This language expresses disappointment. But God is not winding his way through circumstances and seeking to redo or undo them.

Eine Antwort

  1. Andreas sagt:

    Im Zusammenhang mit 1. Samuel 15, 29 wird das ganze deutlich und verständlich. Ansonsten bliebe es eine Klippe des Zweifels.
    Danke für diesen biblischen Vergleich. Habe keine prägnanteren Beispiele
    die so selbst erklärend sind gefunden, obwohl es natürlich auch andere sicher
    auch richtige Ausführungen zur “Reue Gottes” gibt.

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