Gemeindegründung – 2 – Sich die Vision zu eigen machen – 1/3 – Die biblische Grundlage

Der Gemeindegründer braucht die feste Zuversicht, dass er in dem was er tut biblisch unterwegs ist. Nur wenn wir uns an Gottes Wort halten, können wir auch hoffen, unter Gottes Segen zu stehen. Es geht um die Frage: “Wie kann ich der Bibel hier und heute gehorchen?” Die nächsten drei Artikel behandeln jeweils einen Aspekt dieser Frage. In diesem wollen wir uns die biblische Begründung zu eigen machen. Wie kann ich der Bibel hier und heute gehorchen? Der nächste beschäftigt sich mit dem Kontext. Wie kann ich der Bibel hier und heute gehorchen? Der dritte Artikel soll sich um die Leiterschaft drehen. Wie kann ich der Bibel hier und heute gehorchen?

Wie kann ich der Bibel hier und heute gehorchen?

Warum sollten wir Gemeinden gründen?

Matthäus 28,18-20: “Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe.”

Wir sehen schon im Missionsbefehl Jesu, dass es nicht nur darum geht Bekehrungen zu erreichen oder unseren Glauben zu teilen. Es geht darum, alle Völker zu Jünger zu machen und zu taufen. Die Voraussetzung dafür ist, dass Gemeinde eine Gemeinschaft der Anbetung ist, die Verantwortung für einander übernimmt und Grenzen hat. Das sehen wir auch in der Apostelgeschichte (Apg 2,41-47). Es braucht eine Gemeinde, um Christen zu machen. Entscheidungen bei einer evangelistischen Veranstaltung sind zu wenig und resultieren kaum in einem neuen Leben. Es braucht die anbetende, behütete, kontinuierliche Gemeinschaft damit Menschen beim lebendigen, rettenden Glauben ankommen können.

Die Strategie von Paulus war es, Gemeinden in Städten zu gründen. Er fing mit der größten und einflussreichsten Stadt an (Apg 16,9+12) und gründete dann Gemeinden in vielen Städten (Titus 1,5). Das war, was er darunter verstand, das Evangelium in einer Region “gepredigt zu haben” und dort keine Arbeit mehr zu haben (Römer 15,19+23).

  • Die beste Art ein Land am nachhaltigsten zu beeinflussen ist durch seine Städte.
  • Die beste Art eine Stadt nachhaltig zu beeinflussen ist durch Gemeindegründung.

Die Erfahrung lehrt, dass neue Gemeinden besonders junge Menschen, neu Zugezogene und neue, gesellschaftliche Gruppen erreichen. Außerdem erreichen neue Gemeinden scheinbar jene Menschen am besten, welche bisher noch keine Erfahrung mit Kirche gemacht haben. Neue Gemeinden haben oft die Kraft und Motivation, um viele Menschen zu erreichen und dementsprechend zu wachsen. 1/3 der Kirchen sollten neue Gemeinden (<25 Jahre) sein, um ein nachhaltiges Wachstum zu gewährleisten. Um alle Menschen in einer Stadt ausreichend erreichen zu können, sollte zumindest eine Gemeinde pro 1000 Einwohner bestehen.

Übung: Wie viele Gemeinden gibt es in einem 10 km Radius von dir? Wie viele davon sind jung (<25 Jahre)? Würde es folglich Sinn machen in dieser Nachbarschaft zu gründen?

Welche Art von Gemeinden sollen wir gründen?

Die Gemeinden, die wir gründen, sollen biblisch, evangeliumszentriert und von Ältesten geführt sein.

Biblisch

In Apostelgeschichte 2,40-47 finden wir nach der Pfingstpredigt eine verdichtete Beschreibung der frühen Gemeinde.

Und noch mit vielen anderen Worten gab er Zeugnis und ermahnte und sprach: Lasst euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht!

Apostelgeschichte 2,40

Was meint Petrus hier mit Geschlecht oder Generation? Jede Generation hat ihre eigenen Ideale, Weltanschauung, Denkstrukturen und Verhaltensweisen. Eine Generation ist eine Kultur. Und Petrus sagt ihnen, daraus müssten sie errettet werden. Christ zu werden bedeutet, einen neuen Blick auf alles zu bekommen, auf seine Beziehungen, Arbeit, die Welt, seine Identität. Daraus folgt auch, dass die Gemeinde eine neue Generation ist, eine eigene Kultur. Die Gemeinde soll zeigen, wie die neue Menschheit in Christus aussehen soll.

In den folgenden Versen 41-47 finden wir Charakteristika und Funktionen der Gemeinde.

  • Blieben in der Lehre der Apostel – Ausbildung der Mitglieder
  • Jeden Tag, waren beisammen, Gemeinschaft – beständige konstante Gemeinschaft
  • In den Häusern – Treffen in kleinen Gruppen
  • Einmütig im Tempel – Treffen in der großen Versammlung
  • Brachen das Brot – Sakrament Abendmahl
  • Ließen sich taufen – Sakrament Taufe
  • Beständig … in den Gebeten – Gemeinsames Gebet
  • Hatten alle Dinge gemeinsam; … verteilten sie unter alle, je nachdem einer bedürftig war – Gemeinsame Verwaltung, Teilen und diakonischer Dienst
  • Wunder und Zeichen geschahen durch die Apostel – zur Bestätigung der Verkündigung
  • Nahmen die Speise mit Frohlocken und in Einfalt des Herzens … lobten Gott – Es herrschte ein Geist der Freude und des Lobs
  • Angesehen bei dem ganzen Volk – attraktiv für andere
  • Der Herr aber tat täglich die zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden. – Evangelistische Effektivität und Aufnahme der Bekehrten.

Wir sehen zum einen einen Lehrdienst (was und warum wir glauben) und zum anderen einen Gemeinschaftsdienst (wie wir miteinander leben).

Weiters sehen wir einen Gottesdienst. Sie blieben in dem Brotbrechen und den Gebeten. Es war nicht irgendein Brotbrechen und irgendwelche Gebete, sondern frühe liturgische Gottesdienstformen. Also bestimmtes Brotbrechen und bestimmte Gebete. Wir lesen von einem formelleren Teil der Anbetung im Tempel und einem informelleren Teil in den Häusern.

Zuletzt sehen wir einen Zeugnisdienst in Wort und Tat. Das Wort des Evangeliums, gesprochen in der Predigt und gesungen im Lobpreis, war effektiv. Die Taten der Barmherzigkeit mit dem Fokus auf der Gemeinde, aber auch darüber hinaus, waren ein weiterer Anziehungspunkt.

Die fünf Dienste der Gemeinde sind auch fünf Lebenszeichen einer geisterfüllten Gemeinde.

  1. Lehrdienst der Wahrheit – Zeichen: theologischer Tiefgang
  2. Gemeinschaftsdienst der Liebe – Zeichen: Intensive, robuste Beziehungen
  3. Gottesdienst im Geist – Zeichen: Freudige Anbetung
  4. Zeugnisdienst im Wort– Zeichen: unablässige Evangelisation
  5. Zeugnisdienst in Tat – Zeichen: Aufopfernder Dienst der Barmherzigkeit

Evangeliumszentriert

Welche Überzeugungen sind uns wichtig in der Gemeindegründung?

Die Überzeugungen zur Gemeindegründung ergeben sich aus den theologischen Überzeugungen der Gemeinde, ihrem Bekenntnis als Zusammenfassung dessen, was sie glaubt, dass die Bibel über Gott, den Menschen, die Errettung, die Gemeinde, die Welt usw lehrt. Die Gemeinde muss sich aber entscheiden, wie sie diese Theologie verkörpern und auf ihre Welt anwenden kann. Tim Keller gibt drei Überzeugungen als Beispiel vor:

  1. Evangeliumskraft – Das Evangelium als dritter Weg zwischen Unzucht und Moralismus. Die hohen Ansprüche des Evangeliums ernst nehmen, aber einer kalten Religiosität keinen Platz einräumen.
  2. Evangeliumszentriert – Das Evangelium ist nicht das ABC des christlichen Glaubens, sondern das A-Z. Das Evangelium macht Leute zu Christen und lässt Christen wachsen. Es muss auf jedes Problem angewandt werden.
  3. Evangelium schafft eine neue Gemeinschaft – Das evangeliumszentrierte Leben ist nicht individualistisch, sondern schafft Gemeinschaft. Das ist sowohl Ziel des Evangeliums als auch Mittel, um das Evangelium weiter zu verbreiten. Die biblische Vision von echter Gemeinschaft ist eine gnädige/barmherzige (andere akzeptieren, weil auch uns Gnade widerfahren ist), heilige (spornt einander an Gott wohlgefällig zu leben), ermutigende, aufopfernde, und großzügige Kultur von Buße und Vergebung.

Von Ältesten geführt

Christus ist das Haupt der Gemeinde und regiert und lehrt seine Kirche durch sein Wort und seinen Geist durch den Dienst von eingesetzten Leitern (Epheser 4,10-13). Die Leiter werden in zwei Ämter, Älteste und Diakone, eingeteilt.

Welche Werte sollen wir hochhalten

Jeder Mensch hat bewusst oder unbewusst ein Wertesystem. Ein Wert ist ein Konzept von letztgültiger Bedeutung, das dein Leben ausrichtet. Ein Wert ist ein Maßstab, um zu beurteilen, was wertvoll und wichtig ist. Werte entstehen in unserem Leben aus biblischen Prinzipien + gehorsamen Entscheidungen + Zeit.

Einige Werte werden von Tim Keller aufgezählt, die er von Gemeindegründern in seinem Netzwerk erwartet.

Evangeliumsgnade – Evangeliumsfokus schützt vor der Gesetzlichkeit auf der einen Seite und ruft auf der anderen Seite gleichzeitig zu Buße und Gehorsam auf. Das Evangelium von der Rettung allein aus Gnade und dem Glauben an Christus allein für die Rechtfertigung und Heiligung ist der Schlüssel zu verändertem Leben, Gemeinschaften und Institutionen. Das Evangelium ist die Nachricht und das Mittel, um Gemeinden zu gründen. Es ist das Herz der Gemeindegründung.

Welt- und Lebensanschauung – Die Regierung Christi über alle Bereiche des Lebens zu stellen, bewahrt uns davor, unser Leben in Kompartimente aufzuteilen z.B. säkulär/öffentlich vs. heilig/privat oder physisch/weltlich vs. geistlich/kirchlich. Wir glauben, dass der reformierte Fokus auf Gnade und Veränderung der Kultur gut ist, wenn er lokal, kontextualisiert und demütig umgesetzt wird.

Stadt positiv – Suchen der ganzen Stadt bestes.

Multiethnisch – Die Demographie der Nachbarschaft abbilden.

Ganzheitlich – Wort und Tat.

Kleingruppen-basiert – Je größer die Gemeinde, je wichtiger für Evangelisation, Jüngerschaft und Seelsorge sind die Treffen in den Häusern..

Gemeindegründungs Geist – Immer weiter denken an die nächste Gründung. Priorität von Evangelisation.

Wir haben uns in diesem Artikel viele wichtige Gedanken darüber gemacht, was die biblische Grundlage von Gemeindegründung ist und wie wir sie umsetzen können. Im nächsten Artikel wollen wir den Kontext, in dem wir gründen (die Kultur, Nachbarschaft, Gesellschaft etc.) genauer unter die Lupe nehmen.

Hier eine kleine Outline des Ganzen: Wesen der Gemeinde -> Dienste der Gemeinde -> Lehrmäßige Überzeugungen der Gemeinde -> Bekenntnis -> Überzeugungen der Gemeinde -> Werte der Gemeinde.

Übung: Lies die zitierten Bibeltexte für dich in ihrem Zusammenhang durch. Welche Werte würdest du teilen, welche nicht? Welche anderen Werte sind noch wichtig?

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