Was ist rettender Glaube? – A.W. Pink Auszüge

Zeichen der Zeit

Der heutigen Evangelisation fehlt die Grundlage, auf die ein Aufruf an Sünder, zu Christus zu kommen, gegründet werden kann. Das Hauptproblem ist nicht die Einführung moderner Musik, humoristischer Einlagen und die Unterhaltungsbeiträge als Ergänzung des evangelistischen Programms, sondern die systematisch Auslassung des dunklen Hintergrunds, auf welchem allein das Evangelium hervorstrahlen kann.

Rebellen, Vergnügungssüchtigen oder Götzendienern zu versichern, dass sie nichts zu befürchten haben in Bezug auf ihr ewiges Heil, wenn sie einfach nur “glauben”, ist eine Befleckung des Evangeliums. Das Evangelium steht im Zusammenhang mit Gottes heiligem Charakter, sowie auch mit seinem heiligen Gesetz. Gott setzt im Evangelium keines Weges seinen Maßstab von Heiligkeit herab, noch gibt er seine Gerechtigkeit auf. Gottes Gerechtigkeit und Heiligkeit sind essentiell für das Evangelium, sowie sein Hass auf Sünde. Glauben Sie, dass das Evangelium geehrt werde oder Gott verherrlicht, wenn man zu Weltmenschen sagt, sie könnten auf der Stelle errettet werden, wenn sie einfach Christus als ihren persönlichen Erretter annehmen, während sie noch in ihre Götzen verliebt sind und ihre Herzen an der Sünde hängen? Wer eine solche Botschaft zu solchen Menschen bringt, lügt, verdreht das Evangelium, lästert Christus und verkehrt die Gnade Gottes in Ausschweifung. (Jud.1.4)

Ist Glaube einfach?

Apg. 16.31 Was muss ich tun um errettet zu werden? Glaube an den Herrn Jesus Christus und du wirst errettet werden.

Klingt doch ganz einfach, doch können wir das zu jedem sagen? Uns muss bewusst sein, dass die Schrift diese Botschaft nicht wahllos hinausposaunt, sondern diese Passage in einem besonderen Kontext steht. Dies ist ein persönliches Wort das an den Kerkermeister gerichtet ist.

  1. Der Kerkermeister war zuvor Zeuge des Lobgesangs  der Apostel und der wunderwirkenden macht Gottes geworden. Er war Zeuge eines Erdbebens,  es lösten sich alle Fesseln und alle Gefängnistüren öffneten sich. Apg. 16.26
  2. Er war infolge dessen tief erschüttert und in völlige Verzweiflung gestürzt, kurz davor sich umzubringen, da die Gefangen entflohen sind. V.27
  3. Er forderte Licht V.29
  4. Er kam zitternd zu den Aposteln: sein Selbstvertrauen war ganz zunichte. V.29
  5. Er nahm den ihm angemessenen Platz vor Gott ein, im Staub. V.29
  6. Er wechselte auf die Seite der Diener Gottes und zeigte ihnen seinen Respekt: Er führte sie heraus V.30 (befreite die Apostel, die er bewachen sollte)
  7. Dann wollte er mit einer tiefen Sorge um sein Seelenheil wissen: Was muss ich tun, dass ich errettet werde? V.31

Diese konkreten Anhaltspunkte müssen wir in Betracht ziehen, wenn wir die Aufforderung der Apostel: Glaube an den Herrn Jesus Christus und du wirst errettet werden, sehen.

Es war nicht nötig ihm seine Verlorenheit einzureden – denn offenbar war er sich dessen bewusst -, noch mussten die Apostel ihn zur Buße nötigen, denn sein ganzes Verhalten zeigte, wie innerlich zerknirscht er war.

Aber wenn man die Botschaft an ihn auf solche anwendet, die völlig blind sind für ihre Verdorbenheit und völlig tot gegenüber Gott sind, ist das törichter, als Niespulver unter die Nase einer Leiche zu halten.

Unbekehrte müssen zuerst den Charakter Gottes kennen lernen, von dem sie durch ihre Sünde getrennt sind, müssen Gottes Anrecht auf sie erfahren, seiner gerechten Forderungen und die unendliche Tragweite, was es bedeutet, ihn zu verachten und einen eigenen Weg zu gehen.

Ein verfälschtes Wesen des Evangeliums

Die meisten wollen einfach nur Errettung von der Hölle. Doch das erste das wir im NT lesen ist, das Jesus gekommen ist, um uns von unseren Sünden zu erretten. (Matth.1.21)Viele wollen einen Retter von der Hölle, wollen hingegen nicht von ihren Sünden gerettet werden.  Christus ist für solche ein Retter, die die Last der Sünde spüren, die in ihrem Gewissen geplagt von Sünde sind, die sich nach Befreiung von dieser schrecklichen Macht sehen. Wenn also das Heil Christi eine Heilung und Rettung von der Sünde ist – von der Liebe zur Sünde, von der Herrschaft der Sünde, von der Schuld und Strafe der Sünde – , dann folgt daraus notwendigerweise, dass der Evangelist zuallererst die Aufgabe hat, über Sünde zu predigen: Er muss definieren, was Sünde wirklich ist, er muss verdeutlichen, warum sie von so unendlicher Tragweite ist, muss ihre mannigfaltigen Auswirkungen im Herzen herausstellen und darauf hinweisen, dass sie nichts weniger verdient als die ewige Höllenstrafe.

Die Bedingung der Errettung

Errettung einfach aus Gnade, muss als Geschenk angenommen werden, Christus hat alles für Sünder getan und der Sünder muss nichts tun als nur zu glauben und den Verdienst des Blutes Christi zu vertrauen. Wer behauptet dies sei unzureichend wird meist als Gesetzeslehrer oder Irrlehrer abgestempelt. Doch ohne Umkehr. Ohne Buße, bringt das obere nichts. Christus hat nicht alles für Sünder getan. Der Sohn im fernen Land, der seinen Bauch mit dem Schweinefutter füllen wollte, aber davon nicht satt wurde, besann sich, brach aus dem fernen Land auf und kehrte zum Vater zurück. Das muss der Sünder selbst tun. Er wird nicht aufgrund dieses Werkes errettet!

Ein stahlhartes, gegen Gott rebellierendes Herz kann keinen rettenden Glauben haben; es muss zuerst zerbrochen werden. Wenn ihr nicht Buße tut werdet ihr alle ebenso umkommen. (Luk. 13.3) Tut Buße und glaubt an das Evangelium. (Mk. 1.15) Buße ist das Bedauern von Sünde, ein Ablehnen der Sünde von Herzen. Buße ist die Entschlossenheit des Herzens, Sünde zu verwerfen.  Deshalb ruft der Evangelist: Der Gottlose verlasse seinen Weg und der Mann der Bosheit seine Gedanken! Und er kehre um zu dem Herrn, so wird er sich über ihn erbarmen. (Jes.55.7)

Jesus muss als Herr angenommen werden

Sehr oft wird Christus als Retter angeboten, um der Hölle zu entfliehen. Manchmal wird noch hinzugefügt, dass man ihm auch als Herr dienen soll, wobei dies gleich relativiert wird, indem gesagt wird, dass wenn man versagt ihm als Herr zu dienen, trotzdem in den Himmel kommt. Dies ist eine Lüge des Teufels. Nur wer geistlich blind ist, würde sagen, dass Christus jemanden rettet, der seine Autorität ablehnt und sein Joch verweigert. Nur in seiner Eigenschaft als Herr bewahrt Christus die Ehre Gottes, dient er Gottes Herrschaft und macht er Gottes Willen geltend. Wo Christus nicht auf dem Thron des Herzens sitzt und wo sich nicht vor Christus gebeugt wird, ist Täuschung, tödliche Täuschung. Möge es dem Herrn gefallen. Gottes Weg des Heils ist fast überall unbekannt. Die Natur von Gottes Errettung wird nahezu komplett falsch verstanden und die Bedingungen seiner Errettung werden auf breiter Front falsch dargestellt.

Michi

Eine Antwort

  1. Juni 12, 2016

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