Das Spalier und der Weinstock

Die „Apostelgeschichte“ ist eine wahre Fundgrube, wenn es zu dem Thema Gemeindebau und Gemeindewachstum kommt. Aber vielleicht ist der Titel, unter dem wir dieses biblische Buch kennen, ein wenig irreführend. Ist es statt der „Apostelgeschichte“ nicht viel mehr die „Geschichte der Ur-Gemeinde“? Denn war es nicht viel mehr die Gemeinde an sich, die für den enormen Wachstum der Gemeinde gesorgt hat anstelle dieser kleinen Elitetruppe von Aposteln? Und ist es statt der „Geschichte von den Aposteln“ nicht viel mehr die „Geschichte des gewaltigen Wirkens des Wortes und Geistes Gottes“? Das „Wort Gottes“ ist ein Schlüsselthema in der „Apostelgeschichte“, denn insgesamt 44 mal wird das „Wort“ und was mit dem „Wort“ geschah in diesem Buch erwähnt. Tatsächlich könnten wir Apg. 19, 20 als einen Art Refrain und Zusammenfassung dieses Buches betrachten (vgl. 6, 7; 12, 24; 13, 49):

 So breitete sich das Wort des Herrn mächtig aus und erwies sich als kräftig.

Tatsächlich beschreibt die „Apostelgeschichte“ für uns den Triumph des Wortes Gottes und des Evangeliums über alle Opposition–sei es physischer, übernatürlicher, politischer, gesellschaftlicher oder religiöser Widerstand, bis hin zu dem Widerstand durch Naturgewalten. 

Und so lehrt uns die „Apostelgeschichte“, dass wahres Gemeindewachstum letztendlich eng verbunden ist mit dem Wachstum und sich „kräftig erweisen“ des Wortes Gottes in der Ortsgemeinde. Und das führt zu der Schlussfolgerung, dass Gemeindebau nicht mit lauter Programmen (coole Predigtserien, hippe Worshipmusik, anspruchsvolles Programm, gutes Kinderprogramm, angenehme Räumlichkeiten, etc.) sondern mit dem sich als mächtig Erweisen des Wortes Gottes zu tun hat, das reichlich unter den Gliedern der Gemeinde in ihrem Dienst an einander im und ausserhalb des Gottesdienstes wohnt (vgl. Kol. 3, 16). Um es bildlich auszudrücken: Die Programme–also das breite Angebot in der Gemeinde von Gottesdiensten bis hin zu Seniorenkreisen–sind wie ein Spalier, an dem ein Weinstock festgemacht wird, damit er ordentlich wachsen kann. Aber niemand würde von gesundem Wachstum eines Weinstocks reden, nur weil er von einem prächtigen und farbenträchtigen Spalier gehalten wird. Das gesunde Wachstum des Weinstocks zeigt sich vielmehr in seinen Trauben und den saftigen Blättern, die er hervorsprießen lässt.

In ihrem Buch Das Spalier und der Weinstock: Umdenken, damit die Gemeinde geistliches Wachstum hervorbringt greifen die beiden Australier Colin Marshall und Tony Payne genau dieses Bild und diese These von wahrem Gemeindewachstum auf. Das Wachstum, das jede Gemeinde anstreben sollte, ist, dass jedes Glied der Gemeinde in Evangelisation und Jüngerschaft das Wort Gottes verkündigt!

Mark Dever, ein bekannter Baptisten-Pastor aus Washington, D.C. (USA) sagt über dieses Buch: „Colin und Tony beschreiben hier genau das, was ich in meinem Leben und in meiner Gemeinde seit Jahren selbst praktiziere. Demnach sollen Christen Jüngermacher sein und Pastoren und Gemeindeleiter als Ausbilder und ‚Trainer‘ dienen. Das ist super! Das ist das beste Buch über das Wesen der Gemeindearbeit, das ich je gelesen habe.“

Und tatsächlich ist dieses Buch sehr aufschlussreich und empfehlenswert. Wen die These dieses Buches interessiert, kann in der folgenden Predigt, die die „Apostelgeschichte“ versucht zusammenzufassen, eine kurze Einführung bekommen: Wahrer Wachstum in der Gemeinde — Die Ausbreitung des Wortes! (von Kai Soltau) (der zweite Teil hier)

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