31. Ruhmesgewänder

„Es demütigt uns in unserer Selbstgerechtigkeit, zu erkennen, dass wir überhaupt keinen Grund haben, irgendetwas anderes zu tun, als [ihn] zu preisen.”

Und sie sangen wie ein neues Lied vor dem Thron.

Offb 14,3

Heute morgen hatte ich ein starkes Empfinden, dass wenn der Herr uns „alle seine Wohltaten“ (vgl. Ps 103,2; ELB) zeigen würde, wir diesen Anblick gar nicht ertragen könnten. Der Gegensatz zu unserer Achtlosigkeit, Undankbarkeit und Selbstsucht ist so groß, dass er uns mit gewaltiger Kraft überkommen würde. 

16. Dezember 1866

Tag 4: Ich habe darüber nachgedacht, wie der Geist uns vergangene Dinge ins Gedächtnis ruft. Herr, erinnere mich an die Barmherzigkeiten, die Gaben, die Segnungen des vergangenen Jahres.

1. Jänner 1884

„Bist du überaus dankbar? Du kennst wohl den Unterschied zwischen Freude und Dankbarkeit: Freude betrachtet die Freundlichkeit und nimmt sich alles, die Dankbarkeit jedoch blickt auf den Geber und liebt ihn für alles.“ 

„Barmherzigkeit ist ein stärkeres Seil als Leiden, und um vieles stärker als Anfechtung.“

„,Und niemand konnte das Lied lernen‘ (Offb 14,3) Das rührt daher, dass jeder etwas in seiner eigenen Erfahrung hat, das kein anderer einfach für sich übernehmen kann.“

„Irdische Freude ist eine selbstsüchtige Sache, wie auch irdischer Kummer. Himmlische Freude ist der Tod des eigenen Selbsts.“

„Christus hatte Freude am Lobpreis, vermutlich deshalb, weil er eine Art Echo des Himmels war. Er hat ihn an den Schauplatz erinnert, den er hinter sich gelassen hatte.“

„Die kämpferische Gemeinde ruft: Hosanna! Die triumphierende Gemeinde ruft: Halleluja!“

„Christus erkannt als Prophet, der die Sünde offenbart, mag Kummer verursachen, doch Christus als Priester zieht uns ein Ruhmesgewand* über und gibt uns die Harfe.“

„Ein bedrückter Gläubiger ist gewisslich eine Anomalie im Reich Christi.“

„Paulus und Silas haben durch ihre Gebete und ihren Lobpreis in der ganzen Stadt das Evangelium verbreitet, obwohl sie dachten, dass dies durch ihr Predigen geschehen sollte!“

„Es gibt ein Ohr, das auf jeden Ton des Lobpreises von jedem aus seinem Volk hört. Gottes Herz ist immer zur Stelle und so zärtlich, dass er das ‚Hosanna‘ eines kleinen Kindes hören kann. Sage niemals: ,Ich muss ihn nicht lobpreisen. Er wird mich niemals inmitten solch eines Chores vermissen.‘ ,Lobe den Herrn, meine Seele‘ (Ps 103,1). 

„Der Herr will, dass wir niemals seine zurückliegenden Taten vergessen. Wir sollten sie im Gedächtnis bewahren. Im Königreich werden wir uns häufig an die Vergangenheit erinnern. Es wird für uns ein Strom der Freude sein, die Reise durch die Wüste und die Prüfungen in der Wüste erneut zu bedenken und zu verstehen, wie Gott mit uns umgeht und wie er uns den ganzen Weg lang in der Wolkensäule geführt hat. ,Und der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt aufschlagen über ihnen‘ (Offb 7,15), als ob er uns die Wüstenwanderung nochmals vor Augen führt.” 

„Gott gab seinen einzig eingeborenen Sohn? Er gab eine Zeit lang die Hälfte seiner eigenen Freude für uns auf.“


* Anspielung auf Jes 61,3

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