Fünf Handy-Regeln biblisch beleuchtet

Vor kurzem hat der Kognitionspsychologe und Journalist Christian Stöcker auf Spiegel Online eine Kolumne über Smartphone-Etikette veröffentlich: Fünf Handy-Regeln für ein besseres Leben. Eine wirklich hilfreiche Liste von Regeln, die man sich zu Herzen nehmen sollte. Und das nicht zuletzt, weil Gottes Wort genau solch einen bedachten und bewussten Umgang mit dem Smartphone von uns fordert.

Stöcker schreibt:

Gerade weil Smartphones unser Zusammenleben in so kurzer Zeit radikal verändert haben, ist dabei aber einiges auf der Strecke geblieben. Manieren zum Beispiel. Die ständigen Konflikte zwischen Eltern und Kindern, Lehrern und Schülern, Chefs und Angestellten, die so entstehen, ließen sich mithilfe fünf einfacher Regeln fast vollständig aus der Welt schaffen. Die sind im Grunde nichts anderes als die Fortschreibung elementarer Höflichkeit.

Was Stöcker „Fortschreibung elementarer Höflichkeit“ nennt, können wir auch als einen biblischen Umgang mit unserem Nächsten bezeichnen. Denn worin ist wohl die elementare Höfflichkeit in unserer westlichen Welt verankert, wenn nicht in der Bibel?

Hier nun Stöckers fünf Handy-Regeln–nicht nur für ein besseres Leben, sondern auch für ein auf die Bibel gegründetes bewusst christliches Leben.

1. Anwesenden ist im Gespräch der Vorzug zu geben

Stöcker erläutert hierzu:

Diese erste Regel ist gleichzeitig die Basis für alle folgenden: Wenn Sie mit jemandem sprechen, seien es Ihre Kinder, Ihre Kollegen oder Ihre Freunde, dann haben diese Gesprächspartner Ihre volle Aufmerksamkeit verdient. Immerhin schenken sie Ihnen ihr wertvollstes Gut: Lebenszeit. Wer sich im Gespräch von jeder WhatsApp-Nachricht und jeder Eilmeldung ablenken lässt, wer zwischendurch mal nonchalant Facebook checkt, während das Gegenüber von seinem Urlaub erzählt, der signalisiert: Es gibt Wichtigeres als dich.

Nun, diese Regel ist nichts anderes als was Paulus in seiner Zusammenfassung des Liebesgebotes ausdrückt, dass wir unserem Nächsten über alles schuldig sind, ihn zu lieben. Und damit hat er auch unsere volle Aufmerksamkeit verdient:

Bleibt niemandem etwas schuldig, abgesehen von der Liebe, die ihr einander immer schuldig seid. Denn wer den anderen liebt, hat damit das Gesetz Gottes erfüllt. (Römerbrief 13, 8; NLB)

2. Vibrationsalarm ist nicht „lautlos“

Stöcker erklärt hier, dass selbst ein auf lautlos gestelltes oder vibrierendes Smartphone durch das Geräusch uns oder sogar auch unserem Gegenüber Dringlichkeit suggeriert–und somit „entsetzlich lästig sein“ kann: „Unsere Telefone haben uns darauf konditioniert, ihren Signalen Aufmerksamkeit zu schenken.“ Deshalb empfiehlt er in solchen Situationen das Smartphone in den „Nicht stören“- Modus zu versetzen.

Diese Regel wirft die Frage auf: Kann es sein, dass wenn unser Handy uns ständig Signale sendet, die unsere Aufmerksamkeit von unserem Gegenüber (oder der Arbeit oder anderen Aufgaben oder sogar dem Lesen von Gottes Wort) stehlen, dass wir dann von unserem Handy beherrscht werden?

Dabei sollte der Geist Gottes uns beherrschen, der uns Selbstkontrolle und Wertschätzung und Liebe für unseren Nächsten (vgl. 1. Regel) lehrt, und nicht das Smartphone oder Tablett. Deshalb sagt Paulus auch im Korintherbrief:

Mir ist alles erlaubt. Aber nicht alles ist gut. Es ist mir zwar alles erlaubt, doch ich will mich von nichts beherrschen lassen. (1. Korintherbrief 6, 12; NLB)

3. Wenn beim Meeting alle ihr Handy in der Hand haben, stimmt etwas nicht

Diese Regel lässt sich auf jegliche andere soziale Situation anwenden: wenn in einem Park vier Jungs mit ihren Skateboards auf der Bank sitzen und jeder auf sein Smartphone starrt, dann stimmt etwas nicht. Wenn eine Familie um den Esszimmertisch sitzt und jeder mit seinem Handy oder Tablet beschäftigt ist, dann stimmt etwas nicht. Etc.

Wie Stöcker ganz richtig erklärt, ist diese Regel ein Spezialfall von Regel Nummer eins:

Wenn Ihre Kollegen, Kooperationspartner oder wer auch immer Ihnen Zeit schenken, dann sollten Sie dieses Geschenk auch entsprechend würdigen. Wer währenddessen ständig auf seinen Touchscreen schielt, sagt damit einmal mehr: Es gibt Wichtigeres als das hier.

4. Nachts bleibt das Smartphone draußen

Stöcker geht es bei dieser Regel weniger darum, dass das blaue Licht von Handy-Bildschirmen schlecht für den Schlaf ist. Viel mehr geht er mit dieser Regel auf den Gruppenzwang ein, dass ein Jugendlicher z.B. bis vier Uhr morgens Messenger-Nachrichten liest und verschickt, weil er sonst das Gefühl hat, etwas zu verpassen. Aber das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn man dem Smartphone nicht jede freie Minute seiner Aufmerksamkeit schenkt, trifft auch auf Facebook und andere Soziale Medien zu.

Und hier fordert uns ein weiteres Paulus Zitat aus dem Korintherbrief heraus zu überdenken, was wirklich das höchste Gut und das Beste für uns ist:

Es ist alles erlaubt, aber nicht alles ist hilfreich. Es ist alles erlaubt, aber nicht alles ist gut. (1. Korintherbrief 10, 23)

Stöcker richtet an dieser Stelle ein Plädoyer an Eltern:

Hier sind die Eltern gefragt, und zwar am besten alle gemeinsam: Warum nicht mal beim Elternabend anregen, dass alle Jugendlichen in der Klasse künftig ihre Smartphones vor dem Schlafengehen im Wohnzimmer oder der Küche ablegen? Dann muss niemand das Gefühl haben, nachts wichtige Unter-der-Bettdecke-Chatrunden zu verpassen, es sind ja alle offline. Und schlafen hoffentlich. Gesunde Handy-Etikette fehlt unserer Gesellschaft noch, warum sollten Elternrunden nicht die Keimzellen ihrer dringend notwendigen Entstehung sein, und sei es aus reinem Eigennutz? Am besten wäre es, wenn auch Erwachsene sich an diese Regel hielten, aber da bin ich wenig optimistisch.

5. Wer kein Vorbild ist, kann auch keine Manieren erwarten

Stöcker stellt eine fünfte Regel auf, die er–bewusst oder unbewusst–fest auf Jesu Goldener Regel basiert:

Für Chefs, Eltern, Lehrer und andere mit Vorbildfunktion gilt: Wer sich an diese Regeln nicht hält, kann auch von den eigenen Untergebenen, Kindern, Schülern nicht erwarten, dass sie sie beherzigen. Eine gesellschaftsverträgliche Handy-Etikette zu entwickeln ist nicht schwer, und dabei ist es wie mit Höflichkeit ganz generell: Wer will, dass sich andere anständig benehmen, kann das nicht verordnen. Er muss es auch vorleben.

Ich denke jeder, der diese Erklärung liest, muss hier an Jesu Worte denken:

Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest. (Lukas 6, 31; NLB)

Stöcker geht es bei diesen fünf Regeln um die „Fortschreibung elementarer Höflichkeit“. Aber ich denke, es ist deutlich, dass diese fünf Regeln letztendlich einen gesunden, bewussten christlichen und biblischen Umgang mit dem Smartphone und vor allem meinem Nächsten widerspiegeln.

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