Zu Unterscheidungsblogs (engl.: Discernment Blogs)

Sogenannte „Unterscheidungsblogs“, solche Webseiten die es sich zur Aufgabe gemacht haben über die rechte Lehre zu wachen und die Christenheit aufzurütteln und zu ermahnen findet man in den Weiten des Internets zuhauf.
Der folgende Artikel soll eine Auseinandersetzung damit darstellen und erklären, warum wortzentriert.at einen etwas anderen Weg geht.

Meine persönliche Vorgeschichte
Als ein von der charismatischen Bewegung selbst Verführter hatte ich am Anfang meines Glaubenslebens viele Unterscheidungswebseiten, oder sogenannte „Discernment Blogs“ gelesen, dort wurde ich oft wach gerüttelt, verunsichert und wusste dann nicht mehr was ich glauben sollte. Einem Bruder hatte ich es als junger Gläubiger dann zu verdanken, auf die falschen Lehren der Pfingst- und Charismatischen Bewegung hingewiesen zu werden. Aber durch die nicht vorhandene Abgrenzung und Ermahnung meines eigenen Jugendleiters und meiner Gemeinde, sowie der österreichischen Evangelischen Allianz, war ich stark verunsichert. Konnte es wirklich sein, dass so viele Christen, die dem Herrn doch treu und hingegeben dienten die falschen Lehren wie die zweite Geistestaufe, die falsche Art von Zungenrede, das unbiblische Fallen im Geist, nicht durchschauten? Konnte es wirlich sein, dass so viele Männer Gottes hier irre gingen? Ich war verwirrt. Als der Herr Gnade schenkte und ich durch Predigten von Alexander Seibel, Helmut Helling und vor allem der Befassung mit der Apostelgeschichte und den Lehrbriefen die Wahrheit erkennen durfte, war die Freude groß. Heute, einige Jahre und einige theologische Wahrheitskämpfe später blicke ich darauf zurück und sehe das Gute und das Schlechte, möchte klar sprechen und zur Vorsicht mahnen.

Nun darf man ja wahrlich dankbar denen gegenüber sein, die Falsches aufzeigen und Irrlehre beim Namen nennen. Ein leidiges Phänomen unserer Zeit ist ohnehin eine Toleranz geworden, die alles erlaubt und nichts verbietet, solange es entweder auf Einverständnis beruht oder sich gut anfühlt. Dieses Denken, so ließ ich mir sagen, durchzieht laut Beobachtung älterer Geschwister die Gesellschaft und leider auch die Gemeindelandschaft, durch und durch. Früher, so hieß es, war es ganz normal etwas schärfer zu ermahnen, und falsches beim Namen zu nennen. Etwas, das unsere, man möge schon fast etwas zynisch sagen, „nervenschwache Gesellschaft“ kaum noch ertragen kann. Man muss sich fragen, ob man folgende Sätze heute noch direkt von einer Kanzel sprechen kann, ohne damit auch ernsthafte, hingegebene Christen vor den Kopf zu stoßen.

Es gibt ja viele Schwätzer und Schwindler, die sich nicht unterordnen wollen, besonders unter denen, die sich früher beschneiden ließen. Ihnen muss man den Mund stopfen, weil sie ganze Familien mit ihren ungehörigen Lehren durcheinanderbringen, und das nur in der schändlichen Absicht, sich zu bereichern. Einer von den Kretern muss ein Prophet gewesen sein, als er sagte: „Die Kreter sind immer Lügner, wilde Bestien und faule Bäuche.
(Titus 1:10-12 NeÜ)

Diese Leute sind Schandflecke bei euren Liebesmahlen. Sie besitzen die Frechheit, überhaupt daran teilzunehmen und mästen sich an euch. Es sind Wolken ohne Wasser, die der Wind vorbeitreibt, Bäume ohne Frucht, kahl, tot und entwurzelt. Es sind wilde Meereswogen, die den Schmutz ihrer Schändlichkeiten aufschäumen, aus der Bahn geworfene Kometen. Sie werden für immer in der dunkelsten Finsternis bleiben müssen. […] Diese Menschen haben ständig etwas zu meckern, sie begehren auf und sind mit ihrem Schicksal unzufrieden. Dabei folgen sie doch nur ihren Begierden. Sie sind großspurige Angeber und schleimige Schmeichler, die nur auf den eigenen Vorteil aus sind. Doch ihr, liebe Geschwister, solltet euch daran erinnern, was die Apostel unseres Herrn Jesus Christus euch vorausgesagt haben. Sie sagten nämlich, dass in der letzten Zeit Spötter auftreten werden, die nur ihren gottlosen Begierden folgen. Und genau diese Leute sind es, die Spaltungen unter euch verursachen. Es sind triebhafte Menschen, die den Geist Gottes nicht besitzen.
(Judas 12-19 – NeÜ)

 

Das Positive
Auf Grund der Toleranzbedürftigkeit unserer Gesellschaft, die auch vor unseren Gemeinden nicht Halt macht, ist es desto wichtiger, dass es mahnende, wachsame Stimmen gibt die klar Wahrheit sprechen. Dafür bin ich sehr dankbar. Davon gibt es in den verantwortlichen Leitungskreisen der evangelischen Allianz und diverser Freikirchen zu wenige.
Blogs wie Distomos schätze ich deshalb, weil ich weiß, dass auch ich irren kann und Korrektur benötige. Ein Bruder der es als seine Aufgabe sieht ein „Wächteramt“ zu versehen, kann mir helfen mich selbst zu prüfen und meine eigene Theologie zu reflektieren. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Das Negative
Jedoch kann man beobachten, dass bei sogenannte „Unterscheidungs-Blogs“ und bei Brüdern die sich die Unterscheidung auf die Fahnen geheftet haben, oft der feinfühlige, demütige Geist fehlt. Ich würde sagen:

Falsche Lehre nicht zu korrigieren ist Sünde an Gott, falsche Lehre in einem unchristlichen Geist zu korrigieren, ist es ebenso.

Und leider passiert dies vielerorts zu schnell. Rudolf Ebertshäuser zum Beispiel, ein Mann, dem ich in meiner Zeit als ich in der Verführung durch die charismatische Bewegung gefangen war, viel an Erkenntnis zu verdanken habe, bringt seine ermahnenden Worte vielfach zu unliebend und unbarmherzig. Auch hier werden wir gerichtet werden. Eine Ausgewogenheit in diesen Dingen tut wirklich not. Irrlehrer und Verführer beim Namen zu nennen und herauszurufen ist wichtig, das taten auch schon die Apostel, jedoch ganze Bewegungen und Geschwister darin unliebend und polemisch zu verurteilen, ist Sünde und trennt und zerteilt unnötig.

Der Wahrheitsgradmesser
Ein weiteres Phänomen das ich beobachten muss ist, dass mancher Unterscheidungsblogger von einem haarsträubenden Wahrheitsanspruch ausgeht. So zum Beispiel der Betreiber DIESES BLOGS. (Obwohl man zugeben muss, dass dieser wohl eine sehr extreme Variante darstellt).
Vielerorts ist da wenig Spielraum für Gewissensfragen einerseits (denen Paulus im Römerbrief einen großen Raum einräumt) und andererseits für theologisch umstrittene Felder. Ist der Unterscheidungsblogger selbst Arminianer, werden Calvinisten scharf angegriffen, ist er selbst Calvinist, so werden Arminianer diffamiert.
In Fragen der Endzeitlehre gibt es für viele nicht die Möglichkeit mehrere Sichtweisen nebeneinander stehen zu lassen, obwohl doch wohl die Kirchengeschichte gezeit hat, dass gerade in dieser Frage über die Jahrhunderte keine uniforme Lehrmeinung getroffen werden konnte. Selbst die ersten Jahrhunderte der Christenheit zeigen ein nicht homogenes Bild in dieser Frage. Die apostolischen Väter (das sind die Gläubigen die die Apostel noch persönlich kannten) und die frühen Kirchenväter (das sind solche, die nach dem Tod der Apostel lebten) weisen unterschiedlichste Sichtweisen zu Endzeitfragen auf. Dass vielerorts vom populären Dispensationalismus, als das Bollwerk für Wahrheit und rechte Schriftauslegung ausgegangen wird, mag nachvollziehbar und auch akzeptabel sein. Was jedoch nicht akzeptabel ist, ist eine Diffamierung und Kritik anderer Positionen in einer Art, als würden diese dem Abfall anheim gefallen sein.
So kann man zum Beispiel auf Dominionismus.info vieles lesen, was keinesfalls der dort angeprangerten Sichtweise entspricht.
Wer Beispielsweise den Postmillenialismus kritisiert und als unbiblisch darstellt, muss zumindest auch bedenken, dass ihn bereits viele Christen in der Vergangenheit vertraten, die man niemals als Verführer bezeichnen kann. William Carey, ein fruchtvoller Evangelist und der Begründer der modernen Mission, sowie die Mehrheit puritanischer Theologen, einschließlich Jonathan Edwards, auf welchen die  große Erweckung in Northhampton Anfang des 18.Jahrhunderts zurückging, waren allesamt Postmillenialisten gewesen. Zu sagen, dass der Postmillenialismus ein irdisches Gottesreich mit irdischen Mitteln erstreben möchte ist schlichtweg falsch.

Oftmals fehlt es Unterscheidungsbloggern an der nötigen Weite. Lehrthemen die innerhalb der Christenheit über die Jahrhunderte hinweg von verschiedenen Bibeltreuen Theologen anders gesehen wurden, sollten auch mit Vorsicht und Demut behandelt werden. Leider ist dem oft nicht der Fall.

Das Strohmann-Problem
Ein weiteres Problem, das nicht nur unter Unterscheidungsbloggern, sondern auch generell unter Christen zu finden ist, ist der bekannte Kampf gegen den sogenannten Strohmann. Man findet dieses Phänomen auf allen Seiten theologischer Lager.
Ein fiktives Beispiel soll dies verdeutlichen:
Hermann A. ein leidenschaftlicher Prediger und Hobby-theologe ist der Meinung, dass ein Christ sein Heil verlieren kann. Sein unmittelbarer Nachbar Manfred R. ist da anderer Meinung, er glaubt fix an die Unverlierbarkeit des Heils. Um aller Welt zu zeigen, dass seine Sicht der Dinge der Wahrheit entspricht stellt Hermann nun einen Strohmann in seinem Garten auf,  und befestigt darüber ein Schild mit der Aufschrift „Heilssicherheits-theologie“ Er stellt ihn auf einen Pfahl im Garten und verankert diesen fest im Boden. Danach schmückt er ihn mit allerlei Fetzen alter Gewänder, die er über die Jahre gesammelt hat. Beim Aufstellen des Strohmannes vergisst Hermann jedoch einen Arm zu montieren und auch der Kopf der Figur sitzt etwas dezentral auf dessen Schultern. Das stört Hermann jedoch nicht weiter. Als er den bunten Strohmann fix und fertig geschmückt und ihm einen alten zerschlissenen Hut aufgesetzt hat, holt er seinen Baseballschläger aus dem Schuppen und beginnt so lange auf den bunten Fetzenstrohmann einzudreschen bis nur mehr ein Schatten seines ursprünglichen Selbst übrig bleibt. Sein Nachbar Manfred R. beobachtet das Wüten seines Nachbarn mit Erstaunen und Entsetzen von seinem Fenster aus. Er fragt sich und kann nicht verstehen warum sein Nachbar auf einen Strohmann einschlägt, der noch dazu so hässlich entstellt, abgefetzt geschmückt und falsch aufgestellt wurde.

So verhält es sich leider vielerorts. Viel unsachliche und dadurch auch ungeistliche Literatur wurde schon geschrieben, die eine Sichtweise kritisiert die gar nicht das Wesen der jeweiligen Sichtweise trifft. Was die jeweilige kritisierte theologische Sichtweise nun auch ist, oftmals wird nicht sie selbst kritisiert, sondern ein billiger Abklatsch, eine falscher Darstellung derselben.
Manchmal grenzt dies leider auch schon an Diffamierung, und das ist Sünde.

Was zu lernen ist
Eine ausgewogene, klare Darstellung der Wahrheit, bei gleichzeitiger profunder Informiertheit ist von Nöten.
Die Hingabe an Gott verlangt es, sowohl falsches zu korrigieren, als auch Wahrheit zu sprechen.
Wahrheit im biblischen Sinne und Wahrheit in Bezug auf die Darstellung der jeweiligen Gegenposition.
Man macht nicht nur sich selbst lächerlich und unglaubwürdig, wenn man die Position des Gegenübers falsch darlegt, man verlästert auch den Herrn und Heiland, der selbst von sich sagte die Wahrheit in Person zu sein.

Nicht nur diejenigen die Irrelehre lehren und somit andere in die Irre führen werden von Gott gerichtet werden. Auch wir, die wir Irrlehre aufzeigen müssen dafür Rechenschaft ablegen.
Irren wir uns in der Darlegung so führen wir ebenso in die Irre. Zwar in einem anderen Grad, ohne solch große Konsequenzen für unsere Zuhörer. Aber dennoch, wir führen in die Irre!

Erkennen wir die Wahrheit richtig und geben sie auch richtig wieder, verkündigen sie aber in einem falschen Geist, so sind wir ebenso dem Satan auf den Leim gegangen. Davor sollten wir uns hüten.

Nehmen wir uns die Worte von Paulus zu Herzen, wenn er schreibt:

Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern milde sein gegen jedermann, fähig zu lehren, geduldig im Ertragen von Bosheiten; er soll mit Sanftmut die Widerspenstigen zurechtweisen, ob ihnen Gott nicht noch Buße geben möchte zur Erkenntnis der Wahrheit und sie wieder nüchtern werden aus dem Fallstrick des Teufels heraus, von dem sie lebendig gefangen worden sind für seinen Willen. (2.Tim 2:25ff SLT)

 

Welchen Weg wortzentriert.at gehen will.

Aus dem vorher gesagten wird klar, welchen Weg wir hier bei wortzentriert.at einschlagen wollen. Wir wollen zuerst die Wahrheit im biblischen Sinne sprechen, das heißt klare Lehre verkündigen.
Wenn wir kritisieren, dann wollen wir das gerade und aufrichtig tun. Wir wollen Irrlehrer mit Namen nennen und klare, ermahnenden, korrigierende und auch manchmal „harte“ Worte sprechen.
Wir wollen uns redlich bemühen Gegenpositionen richtig und wahrheitsgetreu darzustellen, auch wenn dies heißen mag, dass wir dadurch viel Arbeit investieren müssen.
Wir wollen uns davor hüten voreilige Schlüsse zu ziehen und auch die Gegenposition sprechen lassen.
Wir wollen denen die verführt sind sanftmütig und geduldig gegenübertreten und in Liebe und Demut zurechtweisen, auf dass wir sie gewinnen mögen.

Sehen auch wir zu, dass wir gesunde, ausgewogene Kritiker werden!

4 Responses

  1. S. Schad sagt:

    Ihren Satz „So kann man zum Beispiel auf Dominionismus.info vieles lesen, was keinesfalls der dort angeprangerten Sichtweise entspricht“ dürfen Sie Ihren Lesern und mir gerne noch ausführlicher erklären. Im Unterschied zu vielen anderen Blogs, herrscht auf meinen Blogs ( u.a. http://www.der-ruf.info ) eine gewisse Vielfalt bibeltreuer Lehrer, die von reformierten Calvinisten, Dispensationalisten (der Prägung Roger Liebi) bishin zu arminianischen Dispensationalisten (w.z.B. Rudolf Ebertshäuser) reicht. Der Artikel, auf den Sie sich wohl beziehen ( T.A. McMahon „Ist Ihre Eschatologie zu erkennen?“) , versehen mit meinem Kommentar, ist wohl ein schlechter Nachweis für die fehlende Demut die Sie hier beklagen und eher als eine Parteinahme für den Ökumeniker Prof. Dr. phil. Dr. theol. Schirrmacher zu werten, den Sie in Ihrem Blog so ausdrücklich empfehlen.

  2. S. Schad sagt:

    von Ihrer zweideutigen Antwort möge sich der Leser ebenso ein Bild machen …

    • FW sagt:

      Sehr geehrter Herr Schad.

      Wir möchten keine langen Meinungs- und Dogmatikdiskussionen in unseren Kommentaren führen.
      Ob das stimmt, was Sie über uns behaupten kann der Leser ja in unseren Artikeln feststellen.

      Haben Sie einen gesegneten Tag.
      FW

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