Bibelverse auswendig lernen, aber wie?

Das auswendig lernen von Bibelversen ist ein unglaublich großer Schatz.

Jeder Christ, egal wie alt sollte es sich zum Ziel machen so viele Bibelverse auswendig zu lernen wie möglich.

David gibt uns dafür ein wunderbares Beispiel:

„Ich bewahre dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht gegen dich sündige.“ (Ps 119:11)

Das Herz ist im hebräischen der Sitz des Denksinnes, also der Gedanken. David sagt in diesem Psalm also, dass er Gottes Wort auswendig gelernt hat. Denn nur durch auswendig lernen bewahrt man etwas dauerhaft im Kopf, also im Herzen.

Des weiteren sagt uns David:

Wohl dem, der nicht wandelt nach dem Rat der Gottlosen, noch tritt auf den Weg der Sünder, noch sitzt, wo die Spötter sitzen, sondern seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz nachsinnt Tag und Nacht. (Ps 1:2)

Wie können wir das am besten tun? Ganz einfach, indem wir es auswendig lernen!

Aber wie?
Ich höre schon die ersten meiner denken: „Ja, ich weiß, das wäre gut, aber auswendig lernen ist so langweilig“ Und das ist es auch. Es ist langweilig und langwierig; wenn man die falsche Methode benutzt. :)
Die meisten Bibelvers-auswendiglerner machen den Fehler durch das sture vorsagen und immer wieder wiederholen der Verse sich den Wortlaut regelrecht in den Kopf zu dreschen. Dass das mühsam, anstrengend und langweilig ist kann ich sehr gut nachvollziehen.
Dass die meisten deswegen gar nicht erst damit anfangen verstehe ich auch nur zu gut.

Ein Aufruf umzudenken
Gott, der Schöpfer von Himmel und Erde hat uns ein überaus leistungsfähiges Gehirn gegeben. Wenn wir in die Schöpfung blicken so sehen wir wie unglaublich kreativ und vielfältig dieser Schöpfer ist. Um diese Kreativität und Vielfalt aufnehmen zu können muss auch unser Gehirn fähig sein auf mehreren Ebenen Eindrücke in Windeseile verarbeiten zu können.
Wir müssen nur lernen uns diese Dinge die unser Schöpfer uns ohnehin schon mit auf den Weg gegeben zunutze zu machen.
Unser Gehirn nimmt Wahrnehmungen über Bewegungsapparat, Geruchs-, Gehör-, Geschmacksinn, Augen und Tastsinn wahr. Wir haben sogar die Fähigkeit uns Ereignisse im Vorhinein vorzustellen und so im Kopf durchzuspielen, bevor wir sie ausführen. Um nun auswendig lernen lustvoll und leicht zu gestalten müssen wir uns dieser Fähigkeiten nur bedienen.

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!

Wie nun?
Wenn ich auswendiglerne schreibe ich mir den zu lernenden Vers in mein „auswendiglern-Buch“
Ich lese ihn 10x aufmerksam durch und mache mich so mit dem Inhalt vertraut. Dabei lese ich ihn laut, so spreche ich ein anderes Areal meines Gehirns noch zusätzlich an, das über den Gehörsinn angeregt wird. Dann versuche ich mir den Inhalt visuell vorzustellen. Dabei stelle ich mir den Inhalt nicht so vor wie er dasteht, sondern versuche ihn mir möglichst schräg und skuril vorzustellen. Solche Bilder merkt sich das Hirn viel besser als Alltägliches. Etwas das von der Norm abweicht wird leichter gemerkt, da es mit Emotion, evtl. auch mit Angst oder Gefahr in Verbindung gebracht wird. Denke nur einmal nach an welche Menschen aus der U-Bahn denen du gestern begegnet du dich am meisten erinnerst? An Otto Normalverbraucher oder an den jungen Mann der mit einem rosa Minirock und hochhackigen Stiefeln dort saß?
Dabei stelle ich mir die Bilder in sehr viel Einzelheiten vor, umso mehr Einzelheiten, umso leichter wird das Bild gemerkt. Auch Einzelheiten die mit Schmecken, riechen und fühlen zu tun haben sind gut geeignet. All diese Eindrücke sprechen verschiedenste Gehirnareale an und werden durch die Vernetzung die beim Merkprozess stattfindet so unglaublich viel schneller gespeichert.

Ein Beispiel

Da wir nun eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, so laßt uns jede Last ablegen und die Sünde, die uns so leicht umstrickt, und laßt uns mit Ausdauer laufen in dem Kampf, der vor uns liegt, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen das Kreuz erduldete und dabei die Schande für nichts achtete, und der sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat. (Hebr 12:1-2)

Wie merke ich mir nun diesen Vers?

  • Wolke von Zeugen: Ich stelle mir vor wie ich auf einem Podest stehe, umringt von einem großen Haufen Zeugen Jehovas die mit dem Wachturm in der Hand wie Zombies sich um mich scharen und mir nach dem Leben trachten
  • Last ablegen: Dabei habe ich einen großen Sack auf dem Rücken den ich mit einem Ruck von mir werfe!
  • Sünde, die leicht umstrickt: In meinem verzweifelten Kampf schlingt sich nun eine Schlingpflanze um mein Bein, die mich umstrickt, ich reiße sie mit einem Ruck aus dem Erdboden
  • Mit Ausdauer laufen, im Kampf: Ich zücke mein Schwert und bahne mir den Weg durch die Zombie-meute
  • Hinschauen auf Jesus: Jetzt blicke ich auf Jesus, der Himmel ist offen, der Thron Gottes ist sichtbar und seine Herrlichkeit erstrahlt. Kämpfend und unerbitterlich laufe ich auf ihn zu.
  • Anfänger und Vollender: Nun erblicke ich Jesus, wie er vor einem Bahnübergang steht, er hat einen Anhänger = Anfänger in der einen Hand
  • der um der vor ihm liegenden Freude willen das Kreuz erduldete: Vor ihm auf den Gleisen liegt ein Freund = Freude, ein Zug rollt heran und droht den Freund zu überrollen. Jesus erblickt am Bahnübergang das „Andreaskreuz“ das jeden Bahnübergang kennzeichnet und zuckt mit den Schultern, er „erduldet“ es und reißt es nicht aus.
  • die Schande für nichts achtete: Nun nimmt er aus seinem Anhänger „die Schande“ in Form eines dreckigen Beutels der stinkt und vor Dreck trieft heraus und wirft sie in einer Achterform = „für nichts achten“. von sich.
  • zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt: Nun erblicke ich einen Thron der rechts neben dem Bahnübergang steht. Jesus setzt sich dort auf den Boden, „zur rechten Gottes“ Alternativ könnte man sich die „Rechte Gottes“ auch in Form eines Gesetzeskodex den Gott in der Hand hält vorstellen. Diese Abstraktion hilft wieder sich die Sache besser zu merken.

Zahlen
Zahlen merkt sich das Gehirn tendenziell ganz schlecht, da sie sehr abstrakt sind. Um sich Zahlen merken zu können übersetzt man sie am besten in Bilder und stellt sie sich lebhaft im bereits generierten Versbild vor. Für 1.Tim 4:7 würde ich mir beispielsweise einen kleinen Mann vorstellen der auf einem Segelboot sitzt, auf dem am Heck ein Kran befestigt wurde.
Jedes der Bilder steht hier für eine Element:

  • Der kleine Mann = 1.Tim (für 2.Tim würde ich mir einen erwachsenen Mann vorstellen)
  • Die Zahl 4 = das Boot. Da die Zahl 4 an ein Segel erinnert
  • Die Zahl 7 = der Kran, da die Zahl 7 an einen Kran erinnert.

Um durch das Bild nicht verwirrt zu werden, und Kapitel und Verszahl auseinander halten zu können empfiehlt es sich das das Kapitelelement bspw. brennend vorzustellen. Wenn das Boot brennt weiß man sofort, dass es sich um das Kapitel handelt.

Ich weiß, das klingt sehr schräg und das soll es auch sein ;) so merkt man sich das Ganze in Windeseile. Probier es einmal aus, deiner Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt!

Das Gute an der Verbilderung
Durch die Verbilderung ist es viel einfacher den Text aus dem Gedächtnis wieder zu rekonstruieren. Bilder bleiben im Kopf viel länger gespeichert als blanke Sätze. Ein weiterer Vorteil dieser „Verbilderung“ ist die Möglichkeit sich die Geschichte aus dem Gedächtnis nach und nach wieder rekonstruieren zu können, auch wenn einem ein Wort fehlen sollte.

Zukunftsausblick
In den kommenden Monaten werde ich noch ein paar Einträge zum auswendig lernen von Bibelversen schreiben und die Methoden näher erklären. Wer Lust hat kann schon etwas vorgreifen und den sehr guten Wikipediaartikel über die sogenannten Mnemotechniken bereits lesen. Die in meinem Artikel vorgestellten Methoden sind bei weitem nicht alle. Es gibt noch einiges gutes, das zum sich zum kombinieren hervorragend eignet. So zum Beispiel die Loci-Methode mit deren Hilfe man ganze Kapitel oder Bibelbücher auswendig lernen kann und so die Reihenfolge der Verse nie vergisst.
Wer schon jetzt noch weiterstöbern möchte sei auch auf das Brainboard verwiesen.

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