Wie die Kirche ihren Klangraum verlor
Zusammenfassung des Artikels „How the Church Lost Her Soundscape“ – Peter Leithart
Historische Klanglandschaft: Bis zum zwölften Jahrhundert war „der lateinische Westen eine Klanglandschaft des lateinischen Gesangs“. Vom achten Jahrhundert an verbreitete sich ein einheitliches Repertoire von Plainchant über ganz Europa – Domsänger in Ungarn kannten dieselbe Liturgie wie Klostersänger in Spanien und Schweden.
Verlust der Tradition: Was Islam und Reformation begannen, haben amerikanische Kirchen freiwillig vollendet. Mit der charismatischen Erweckung gaben konservative Protestanten die christliche Musiktradition auf und übernahmen Popmusik-Stile. Es war „ein erstaunlich schneller und gründlicher Wandel“. Musikalisch sind „Evangelikale heute alle Charismatiker“.
„Contemporary“ als Marketing: Zeitgenössische Lobpreismusik ist vor allem „contemporary“ – ein Marketinginstrument für modische, jugendlich coole Musik. Die kulturelle Weitergabe wurde umgekehrt: Statt dass Alte den Jungen Kultur schenken, bestimmen nun die Jungen den Stil.
Zusammenbruch der Musikbildung: Als die Musikausbildung in Schulen zusammenbrach, füllte die Kirche die Lücke nicht. Sie ließ „Werbetreibende, Diskjockeys, die Stones, Steve Jobs und Madonna die musikalische Ausbildung für Christen übernehmen“.
Popmusik-Werte: Popmusik hat ihre eigenen kommerziell getriebenen Werte – „Zugänglichkeit, Unmittelbarkeit, sofortige Befriedigung, Freiheit, Sex“. Trotz scheinbarer Vielfalt ist sie „trostlos monophon“. „Es kann keinen Strawinsky der Popmusik geben.“
Ablehnung von Expertise: In der Kirche wird musikalische Expertise abgelehnt. „Ich weiß, was mir gefällt“ stoppt jedes Argument. Professionelle Musiker wurden „an den Rand gedrängt“.
Fazit: Leithart sieht „kaum ein besorgniserregenderes Zeichen von Weltlichkeit oder klareren Beweis für die Identitätskrise der Kirche als unseren eifrigen Verzicht auf unsere eigene Klanglandschaft und unsere Entschlossenheit, stattdessen die der Welt zu reproduzieren.“
- Claude
