Schleifen und schleifen lassen (Spr 27,17)

Wie man Eisen durch Eisen schleift, so schleift ein Mann den anderen. Sprüche 27,17 (HFA)

In diesem 27. Spruch wird ein spannender Aspekt von echter Freundschaft deutlich. Das Bild spricht für sich. Eisen schärft und schleift anderes Eisen. Durch dieses Schleifen werden beide Eisenstücke wieder schärfer und fähiger für ihre jeweilige Funktion eingesetzt zu werden. Nur das geschliffene Schwert wird im Kampf etwas taugen, und das ungeschliffene Messer wird in der Küche wenig Hilfe sein. Es braucht den Schliff.

An dieser Stelle wird das Bild auf die zwischenmenschliche Beziehung angewandt. So wie Eisen anderes Eisen schärft, schärft ein Mann den anderen. Gleich vorweg: Das gilt natürlich auch für Frauen, da hier eine allgemeine Aussage gemacht wird.¹ Um seiner eigentlichen Funktion (dem Zweck) als Mensch nachzugehen, braucht es ebenfalls Schliff. Gott schuf den Menschen um mit Ihm in Beziehung seiend, Ihm Ehre gebend und sich an Ihm freuend zu leben. Die Sünde wirkt diesem Zweck entgegen, was sich darin zeigt, dass der Sünder lieber „sich selbst Ehre gebend“ lebt. Um dem Zweck Gottes gemäß zu leben, braucht es ebenfalls Schliff.

Dieses Schleifen steht meiner Auffassung nach für Beziehungen, mit dem Ziel einander zu helfen diesem Zweck zu entsprechen. Es geht dabei um Nähe, Reibung, Späne und das ganze zwischenmenschlich.

  • Die Nähe verlangt, dass man sich ineinander investiert und nah am Leben des anderen dran ist. Ich möchte wissen wer mein Freund ist, wie es ihm geht, was ihn bedrückt, womit er kämpft, was er über Gott lernt, wie ich für ihn beten kann und vieles mehr.
  • Die Reibung verlangt, dass uns das geistliche Wachstum am wichtigsten ist (d.h. Jesus ähnlicher werden). Sünde soll abnehmen, Jesus in meinem Leben zunehmen. Wir müssen wieder neu lernen Sünde voreinander zu bekennen, ehrlich zu sein, gesund Rechenschaft abzulegen, Vergebung zu lernen und einander zu helfen im Evangelium zu wachsen. Wie sollten wir dies besser tun, als mit der offenen Bibel auf dem Tisch an dem wir zusammensitzen?
  • Die Späne verlangen, dass wir uns sowohl ermutigen als auch ermahnen. Anders ausgedruckt: Wo geschliffen wird, fallen Späne. Ermahnung ist begrifflich negativ besetzt, das soll es aber nicht aus der Sicht der Bibel. Wir brauchen Korrektur. Die Bibel ist es ja erst, die uns hilft denken zu lernen. Wir müssen neu lernen, und nicht natürlich und intuitiv, zu denken. Wir denken natürlicherweise falsch über Gott, uns selbst und andere Menschen. Wahrheit ist nicht schlecht, sondern befreiend (Joh 8,32).
  • Und das Ganze eben zwischenmenschlich: Wahrheit muss in Liebe kommuniziert werden. Es reicht nicht, wenn wir die Programme und Angebote unserer Kirchen in Anspruch nehmen, so notwendig sie auch sind, wenn es nicht bis auf die persönliche zwischenmenschliche Ebene hinuntergeht. Unsere Kultur ist stark individualistisch, das muss uns bewusst sein. Dieser Einfluss macht natürlich vor den Toren der Kirchen nicht halt. Gott möchte Beziehung und schuf uns beziehungsfähig, darum ermutigt uns die Schrift an dieser und vielen anderen Stellen zu intensiven, echten Beziehungen.

Ich ermutige das Prinzip in diesem Spruch lieben zu lernen. Sei dabei kreativ und mutig die Initiative zu ergreifen, da du nicht alleine bist, wenn du in einem Umfeld lebst, wo diese Beziehungs-Kultur fehlt.

Zur Ermutigung und Inspiration: Ich treffe mich regelmäßig mit einigen wenigen Männern zu „Sportschleifereien“ (wir treffen uns etwa alle zwei Wochen zum Laufen und setzen uns im Anschluss über eine Tasse Kaffee zum Gebet und Bibellesen zusammen). Ich schätze dies sehr und weiß um die Bedeutung für meine Jesus-Nachfolge.

Und jetzt du: Was sind deine Gedanken, Rückfragen oder Erfahrungen? Hinterlasse gerne einen Kommentar.

 

¹  Die Betonung des Mannes in dieser Literaturgattung ist der Normalfall, aber keine Wertung und Limitierung.


 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.