Der Kelch des Vaters

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Jesus ist gedemütigt und blutig, ein 60 kg schweres Holz über seine Schultern geschnallt.

Das Gewicht erweist sich als zu schwer, es schleift über die Wunden, die die Römer ihm zuvor zugefügt hatten. Der Schmerz explodiert wie ein Feuerwerk in seinem Kopf.

Und er bricht unter dem Balken zusammen.

Als er zu sich kommt, fühlt es sich leichter und er merkt, dass der Balken von seinem Rücken losgeschnitten wurde. Ein anderer trägt ihn jetzt, ein schwarzer Mann, dessen Gesicht er nicht sehen kann. Aber er sieht das Gesicht von einem anderen.

Ein römischer Soldat kümmert sich um Jesus, er nimmt seinen Arm und hilft ihm vorsichtig wieder auf die Beine. Jesus lässt ihn nicht mehr aus den Augen. Die Augen des Opfers durchdringen den Soldaten nicht mit Hass. Sondern mit Liebe. Liebe gemischt mit Schmerz, ja – Liebe eines gebrochenen Herzens – aber dennoch Liebe.

Keine Liebe, die man gibt, weil einem Gutes getan wird.

Diese Liebe war schon vor diesem Moment.

Diese Liebe war schon vor seiner Existenz.

Diese Liebe war schon vor Erschaffung der Welt.

Irgendwie weiß der Soldat, das sind die Augen der unendlichen Liebe.

Jesus hält ihn im Blick solange er kann. Aber das Blut tropft vom Ende seiner Haarspitzen zu Boden, als er nun tief unter das Kreuz gebeugt ist, tropft es schließlich auch in seine Augen. Das Blut gemischt mit Schweiß brennt und Jesus blinzelt.

Es ist Freitag und Jesus wird mit diesem Schmerz immer vertrauter. Aber einen Tag zuvor, am Donnerstagabend, im Garten, war es ein ganz neues Gefühl. Dort, im Garten, ging er mit seinen Freunden, sang Lieder und redete ruhig.

Sie gingen durch das Stadttor und hinauf auf den Hügel Gethsemane vorbei an Olivenbäumen. Es waren aber nur elf Freunde – nicht zwölf. Einer von den Zwölf erwies sich nicht als Freund. Der Teufel hatte Judas, den Verräter, bereits an die Hand genommen und jetzt hat er ihn am Hals.

Judas hängt blass und keuchend am Ende seines Gürtels, unter dem Ast eines Baumes. Die Flammen der Hölle ergreifen bereits seine Füße. Es wäre besser gewesen, er wäre nie geboren worden.

Elf sind geblieben. Aber schon bald, wird keiner mehr da sein. Nicht ein Freund wird bleiben. Schlage den Hirten und die Schafe werden sich zerstreuen. Einer wird erschrocken, nackt aus dem Garten fliehen und der Rest wird folgen.

Jesus neigte die Stirn zum Boden um zu beten. Er schmeckte den Dreck als er um das ewige Schicksal seiner elf Schafe ringt.

„Lass diesen Kelch an mir vorübergehen“, rief er. „Vater, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen!“

Und der Vater blickte liebevoll auf seinen Sohn und der Sohn erwiderte seinen Blick wissend.

„Dein Wille geschehe, Vater“, flüsterte der Sohn.

Und der Vater streckte den Kelch entgegen und Jesus schaute hinein. Was er sah, setzte ihn schrecklichen Qualen aus. Er presste die Stirn tief in den Dreck, welcher weich wurde und zu Matsch, als er sich mit seinen Tränen mischte. Jesus spürte nun kleine Explosionen von Schmerz unter der Haut in seinem Gesicht. Seine winzigen Kapillaren (Blutgefäße) in den Schweißdrüsen platzten aufgrund der Anspannung, Blut strömte hinaus und tropfte in seine Augen. Und es schmerzte.

Jesus hob seinen Kopf zum Himmel und schrie: „Ich werde von diesem Kelch trinken. Vater. Ich werde trinken von diesem Kelch, damit deine Herrlichkeit offenbart wird und mein Name verherrlicht wird. Und damit die Schafe, die du mir gegeben hast, unsere Herrlichkeit sehen werden und sie für immer genießen können. Ich werde trinken wegen der Rettung vieler.“

Kurz darauf sah Jesus mit verschwommenen Augen, eine Linie aus Fackeln den Hügel zum Garten herauf ziehen, kriechend, wie eine Schlange.

Die Meute war angekommen.

Judas küsste.

Freunde flohen.

Soldaten verhafteten.

Und die Welt von Jesus wurde ein Strudel aus Qualen und Spott.

Seine Verhandlung war eine Täuschung, Lügner die lügen und Spötter die spotten.

Gott behauptete Gott zu sein und es wurde Gotteslästerung genannt. Und das Gesicht, wonach Mose sich sehnte, es zu sehen – das Gesicht, das ihm verboten war zu sehen – wurde geschlagen und bespuckt. Mehr Blut in den Augen, noch mehr Schmerz.

Als er zum Palast des Hohepriester gebracht wurde, schaffte Jesus es, einen blutgetrübten Blick auf Petrus zu werfen. Dieser Freund floh aus dem Garten, aber dieser Freund folgte. Und dieser Freund hatte auch das Undenkbare dreimal getan. Er hatte den Freund der Freunde verleugnet. Dieser Freund hatte den Freund der Sünder verleugnet. Er hatte einen Schwur ausgesprochen um seiner Verleugnung Glaubwürdigkeit zu verleihen. Jetzt krähte der Hahn zum dritten Mal. Und Jesus behielt Petrus im Blick unendlicher Liebe. Aber Petrus schaute weg und rannte davon. Draußen am Stadttor stürzte und schluchzte er und überlegte , sich wie Judas an den Baum zu hängen. Stattdessen betete er zum Vater um Vergebung. Und der Vater schaute einige Stunden in die Zukunft auf Freitagnachmittag, und, im Angesicht dessen was der Vater dort sah, gewährte er Petrus die Vergebung, die er erbat.

Der Statthalter von Judäa war früh auf an diesem kalten, grauen, nassen Freitagmorgen. Die Stadt schlief noch, als die Priester und Soldaten Jesus zum Palast von Pontius Pilatus führten. Aber bald schon würden die Priester eine ganze Menge mit sich ziehen die von der Festnahmen Jesu gehört hatten.

Sie erhoben Anklage: „Dieser Mann verbietet uns Abgaben an den Kaiser zu bezahlen und nennt sich selbst einen König.“

Pilatus starrte konzentriert auf Jesus. Er befragte ihn. Und fand keine Schuld. Auch nicht König Herodes. So bat Pilatus der tosenden Menge an Jesus frei zu lassen. Aber sie entschieden sich stattdessen für den Mörder Barnabas.

„Also was soll ich mit Jesus von Nazareth machen?“, fragte Pilatus die Menge.

„Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!“ schrie die Menge.

Und ihre Stimmen überwogen. Pilatus wusch seine Hände und überlieferte den einen Unschuldigen zum Tod.

Als Nächstes wurde Jesus misshandelt. Seine Hände wurden über den Kopf an einen Pfahl gebunden. Ein großer römischer Legionär trat vor Jesus und streichelte eine Peitsche. Mehrere schwere Lederriemen hingen an dem Griff, ein jeder bestückt mit einer kleinen Bleikugel, die am Ende angebracht war. Die Muskeln an Rücken und Arm des Legionärs begannen sich zu spannen, als er die schwere Peitsche mit ganzer Kraft immer und immer wieder gegen den Rücken, die Schultern, das Gesäß und die Beine von Jesus schlug.

Die Juden wären ein bisschen gnädiger gewesen – nicht mehr als 39 Peitschenschläge. Aber die Römer kannten diese Gnade nicht. Und das Ergebnis waren tiefe Verletzungen und Schwielen. Diese brachen dann unter den endlosen Schlägen auf. Die Riemen schnitten durch die Haut und tiefer in die Muskeln. Von hinten schaute Jesus nicht länger wie ein Mensch aus. Seine Haut hing in blutigen Gewebsfetzen davon.

In Angst, dass sie zu weit gegangen waren und Jesus getötet hatten bevor die Zeit gekommen war, schnitten sie ihn los. Er wurde bewusstlos und lag zu ihren Füßen.

Als er wieder zu sich kam, wurde er gezwungen aufzustehen. Ein lilafarbener Umhang, nicht sein eigener, wurde ihm angelegt und klebte an seinen offenen Wunden.

Sie zwangen ihn einen Stock zu halten – ein Zepter des Spottes. Und jetzt braucht der König der Juden nur noch eine Krone. Einer von den Legionären nahm einen Dornenzweig aus einem Stapel Feuerholz und flochte ihn zu einem Ring. Niemals haben Dornen so gut zu einer reichen Krönung gepasst – oder besser einer so schmerzvollen. Einer der Soldaten nahm das Zepter aus der Hand des Königs und schlug es ihm auf den Kopf. Blutiger Schweiß machte ihn blind. Seine brennenden Augen lenkten ihn kurzzeitig von dem Schmerz ab, den er am ganzen Rücken verspürte.

Aber dann wurde Jesus der Umhang herunter gerissen. Und die Fleischfetzen die daran klebten wurden damit herunter gefetzt. Jede Wunde hatte ihre eigene Stimme und schrie. Und Jesus verlor abermals das Bewusstsein. Jetzt wurde Jesus in seine eigene Kleidung gelegt.

Als der barmherzige Zenturio Jesus dazu bringt hinter dem schwarzen Mann nachzugehen, der seinen Kreuzbalken trägt, nähert sich eine alte Frau und wischt Jesus das Gesicht mit einem Leinentuch. Jesus schaut ihr in die Augen und sieht dann hinter ihr einige Frauen, die weinen.

Und er sagt: „Töchter Jerusalems, weint nicht um mich, sondern klagt über euch selbst und eure Kinder. Denn es kommt die Zeit, da werden sie sagen: Glücklich sind die Frauen, die kinderlos geblieben sind, deren Körper nie ein Kind geboren und deren Brüste keinen Säugling gestillt haben. Die Menschen werden die Berge anflehen, auf sie zu fallen, und die Hügel, sie unter sich zu begraben.“

Und er spricht zu der alten Frau weiter, „Wenn dies schon mit dem grünen Holz geschieht, wie wird es dann erst dem trockenen Holz ergehen.“

Als Jesus durch die Stadttore geht, ist es Freitag, neun Uhr morgens.

Durch den starken Regen blickt Jesus hinauf auf einen steinigen Hügel. Golgatha – die Schädelstätte.

Oben sieht er mehrere Pfosten in die Erde gedrückt. Drei von diesen Pfeilern sind bereit, ihre Querbalken aufgesetzt zu bekommen, sowie den zerfetzten Körper von Jesus und der beiden Kriminellen, die ihr Kreuz hinter ihm herschleppen, zu tragen.

Oben angekommen, reicht der liebevolle Zenturio Jesus etwas zu trinken. Jesus riecht an der Flüssigkeit. Wein gemischt mit Myrrhe, ein schwaches Narkotikum um die Schmerzen zu mildern. Aber Jesus ist dazu bestimmt, den ganzen Schmerz fühlen, also gibt er den Wein zurück. Dies ist nicht der Kelch des Vaters.

Ein Soldat zieht Jesus aus. Wieder brennt sein Rücken und die Haut reißt durch das Entfernen der Kleidung ab.

Jetzt liegt Jesus nackt im Dreck. Der schwarze Mann legt den Querbalken neben den Kopf von Jesus. Dieses Mal kann er dessen Gesicht erkennen. Es ist Simon von Kyrene. Jesus kennt ihn beim Namen und kannte ihn schon seit Anbeginn der Zeit.

Der Balken wird ihm nun zum Polster. Zwei Männer nehmen seine Hände. Der linke Soldat zieht ungestüm und kraftvoll an seinem Arm. Aber der an seiner Rechten ist sanfter. Jesus dreht sich zu ihm. Es ist wiederum der barmherzige Zenturio. Er nimmt einen kalten Nagel und platziert ihn am Handgelenk von Jesus. Er nimmt einen Hammer. Ihre Augen treffen sich. Ewige Liebe scheint weiter, und der Zenturio ist wiederum berührt. Er schaut weg und hebt seinen Hammer.

In diesen Moment hört Jesus die Macht seines eigenen Wortes, die Macht des Wortes, das den barmherzigen Zenturio am Leben erhält, die Macht des Wortes lässt den Hammer existieren, seine Worte lassen sie alle leben und bestehen, die Soldaten, die Priester, die Diebe, die Freunde, die Mütter, die Brüder, das ganze Volk, die Holzbalken, die Nägel, die Dornen, den Boden unter ihm, und die dunklen Wolken die sich über ihm sammeln. Wenn er aufhört zu sprechen, wird alles aufhören zu sein. Aber er will, dass alles bleibt. So leben die Soldaten weiter und die Hämmer sausen nieder.

Der Querbalken, an den Jesus genagelt wird, wird nun zum Pfosten hochgehoben. Er hängt nur mit seinen Armgelenken an den Nägeln. Jesus erschuf die Nerven in seinem Arm, die nun einwandfrei funktionieren. Der Schmerz schießt hoch in sein Gehirn, der Querbalken ist an seinem Platz.

Sein linker Fuß wird gegen seinen rechten gedrückt. Beide Füße sind ausgestreckt, Zehen nach unten, und ein Nagel wird durchgeschlagen. Die Knie sind gebeugt.

Jesus versucht sofort sich hoch zu drücken um die Arme zu entlasten. Er bringt sein ganzes Gewicht auf den Nagel durch seine Füße, der den Nerv zwischen den Mittelfußknochen durchtrennt. Splitter vom Pfosten stecken in seinem zerfetzten Rücken – brennender Schmerz. Schnell überkommen ihn Krämpfe – tiefer, pochender Schmerz vom Kopf bis zu den Zehen. Er ist nicht mehr fähig sich hoch zudrücken und seine Knie sacken ein. Er hängt jetzt an seinen Armen. Seine Brustmuskeln sind gelähmt und sein Brustkorb unbrauchbar. Jesus kann einatmen, aber nicht mehr ausatmen. Sein zusammen gepresstes Herz kämpft darum genügend Blut durch das zerrissenes Gewebe zu pumpen. Er kämpft darum sich aufzurichten, um atmen und etwas sagen zu können.

Er schaut hinunter und sieht die Soldaten um seine Kleidung spielen. Er drückt sich hoch, durch die starken Schmerzen, um laut zu beten. „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“

Dann sackt er zusammen und wird still. Aber die Menge ist nicht still, doch er kann ihren Spott kaum durch den Lärm seiner Schmerzen hören.

„Er hat andere gerettet, soll er sich doch selbst retten!“

„Wenn du der Christus bist, dann steig doch vom Kreuz herunter!“

„Rette dich doch selbst, König der Juden!“

Der Kriminelle am Kreuz zur Linken beginnt ebenfalls zu spotten. Aber der Dieb an seiner Rechten bereut. Jesus drückt sich hoch, um ihm zu sagen, „Wahrlich, ich sage dir, heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

Es ist Mittag. Es regnet stärker und die Wolken werden dunkler. Jesus schaut durch seine nassen Haare hinunter in das vertraute Gesicht einer Frau. Ein neuer Schmerz ergreift ihn – größerer Schmerz als alle Peitschen und Nägel im ganzen Königreich von Rom verursachen könnten. Es ist seine Mutter. Sie schluchzt so stark, dass ihr das Atmen genauso schwer fällt wie ihm. Ohne Worte schaut sie in seine Augen und fleht darum zu erfahren, warum. Er sehnt sich danach sie zu halten und ihr zu sagen, dass das alles für sie geschieht. Er zieht sich hoch und sagt: „Frau.“ Dann schaut er in die Augen seines Freundes Johannes. Johannes steht hinter ihr und unterstützt seine eigene weinende Mutter. „Er ist jetzt dein Sohn.“

Und Jesus murmelt zu Johannes, „Und sie ist jetzt deine Mutter. Bring sie hier weg.“

Und er sackt zusammen und wird wieder still, zurück in zahllosen Stunden grenzenlosen Schmerzes.

Dann riecht Jesus einen üblen Geruch. Es ist nicht der Gestank von offenen Wunden. Es ist etwas anderes. Und es ist in ihm. Er schaut hinauf zu seinem Vater. Sein Vater schaut hinunter, aber Jesus erkennt diese Augen nicht. Sie durchbohren die unsichtbare Welt mit Feuer und verdunkeln den sichtbaren Himmel. Jesus fühlt sich dreckig. Er hängt zwischen Erde und Himmel, sein Körper außen bedeckt mit menschlichen Exkrementen, und jetzt dreckig, innerlich voll mit der menschlichen Sündhaftigkeit.

 

Der Vater spricht:

Menschensohn! Warum hast du gegen mich gesündigt und meine Herrlichkeit verachtet?

Du bist selbstsüchtig und selbstgerecht – aufgeblasen und egoistisch

Du beraubst mich meiner Ehre und betest dich selbst an, anstatt dem, der dich geschaffen hat.

Du bist gierig, faul, gefräßig, ein Verleumder und Schwätzer.

Du lügst, bist eingebildet, undankbar, ein grausamer Ehebrecher.

Du lebst in sexueller Unmoral, du machst Pornographie, und füllst deine Gedanken mit Obszönität.

Du ersetzt meine Wahrheit mit Lüge und verherrlichst das Geschaffene anstatt den Schöpfer.

So wirst du in deine homosexuellen Leidenschaften, deine unanständige Kleidung und in deine verbotenen Lüste dahingegeben.

Mit deinem ganzen Herzen liebst du perverse Vergnügungen.

Du hasst deinen Bruder und hast ihn umgebracht mit Kugeln aus deinem zornigen Herzen.

Du tötest Babys wegen deiner Bequemlichkeit.

Du unterdrückst die Armen, handelst mit Sklaven und ignorierst die Bedürftigen.

Du verfolgst mein Volk.

Du liebst Geld, Anerkennung und Ehre.

Du trägst einen Mantel aus äußerlicher Frömmigkeit, aber darunter bist du gefüllt mit Knochen eines Toten – du Heuchler!

Du bist lauwarm und leicht verführt von der Welt.

Du begehrst was du nicht haben kannst, also tötest du.

Du bist voll von Neid, Wut, Bitterkeit und nicht bereit zu vergeben.

Du beschuldigst andere für deine Sünden und bist zu stolz um es Sünde zu nennen.

Du hältst deine Zunge nicht in Zaum.

Und du hast eine rasiermesserscharfe Zunge, die kritisch und sündhaft verurteilt.

Deine Worte übermitteln keine Gnade. Stattdessen ist dein Mund voll von Verdammnis, Anschuldigungen und obszönem Geschwätz.

Du bist ein falscher Prophet, der Menschen ins Verderben führt.

Du verspottest deine Eltern.

Du hast keine Selbstkontrolle.

Du bist ein Verräter, liebst Teilung und Spaltung.

Du bist ein Säufer und ein Dieb.

Du bist ein ängstlicher Feigling.

Du vertraust mir nicht.

Du lästerst gegen mich.

Du bist eine sich nicht unterordnende Frau.

Du bist ein fauler, distanzierter Ehemann.

Du lässt dich scheiden und zerstörst mein Gleichnis der Liebe für die Gemeinde.

Du bist ein Zuhälter und ein Drogendealer.

Du betreibst Wahrsagerei und betest Dämonen an.

Die Liste deiner Sünden ist endlos. Und ich hasse diese Dinge in dir. Es widert mich an und der Ekel und der Zorn über deine Sünden verzehren mich.

Trink jetzt den Kelch!

Und Jesus trinkt. Er trinkt über Stunden. Jeden Tropfen von der brühend heißen Flüssigkeit bestehend aus Gottes Hass gegen die Sünde, gemischt mit seinem heißen Zorn darüber. Das ist der Kelch des Vaters: allmächtiger Hass und Zorn über die Sünde von jeder vergangenen, jetzigen und künftigen Generation – allmächtiger Zorn gerichtet auf einen nackten Mann, der am Kreuz hängt. Der Vater kann nicht mehr länger hinsehen, sein geliebter Sohn, der Schatz seines Herzens, das Spiegelbild seiner selbst. Er schaut weg.

Jesus richtet sich auf und schreit: „Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen?“

Stille.

Trennung.

Jesus flüstert, „Ich bin durstig“, und er sackt zusammen.

Der barmherzige Zenturio tränkt einen Schwamm in sauren Wein und reicht ihn an die Lippen von Jesus. Und der saure Wein ist das süßeste was er je geschmeckt hatte.

Jesus richtet sich abermals auf und schreit: „Es ist vollbracht.“ Und das ist es. Jede Sünde von jedem Kind Gottes wurde auf Jesus gelegt und er trank den Kelch von Gottes Zorn bis zum letzten Tropfen.

Es ist drei Uhr, Freitagnachmittag. Jesus findet noch einmal Kraft, er presst seine zerfetzten Füße gegen die Nägel, streckt seine Beine aus, und schreit mit letztem Keuchen, „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!“

Und er stirbt.

Der barmherzige Zenturio sieht den Körper von Jesus nach vorne fallen und sein Kopf senkt sich tief. Er sticht einen Speer in die Seite – ein weiterer Stich für unsere Überschreitungen – Wasser und Blut fließen aus seinem gebrochenen Herzen.

In diesem Moment beginnen die Berge zu beben und Felsen brechen, Vorhänge zerreißen und Gräber öffnen sich.

Und der barmherzige Zenturio schaut zum leblosen Körper Jesu auf und wird von Ehrfurcht erfüllt. Er fällt auf seine Knie und bekennt: „Wahrlich, dieser Mann war Gottes Sohn!“

 

Mission ausgeführt. Opfer angenommen.

 

Übersetzung von uns inoffiziell – Original:

http://www.desiringgod.org/blog/posts/the-fathers-cup-good-friday April 6, 2012

Rick Gamache is the senior pastor of Sovereign Grace Church in Bloomington, MN.

Beitragsfoto: AndreasF. / photocase.de

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