Ein Leben in der Furcht des HERRN

Die Gottesfurcht ist ein interessantes Konzept, denn sie zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte alte Testament. Sie dient als eine Definition der Beziehung des Menschen zum Herrn im Pentateuch (Deut. 6, 1-9; vgl. 4, 10; 5, 29; 6, 2. 13. 24;   8, 6; 10, 12. 20; 13, 4; 14, 23; 17, 19; 28, 58; 31, 12; etc.), den historischen Bücher (Jos. 4, 24; 24, 14; Ri. 6, 10; 1. Sam. 12, 14. 24; 1. Kön. 8, 40. 43; 2. Chr. 6, 31. 33; 2. Kön. 17, 7. 25. 28. 37-39. 41; etc.), den Propheten (Jes. 29, 13; 59, 19; Jer. 32, 39: Mal. 3, 16; etc.) und der Weisheitsliteratur (Hiob 28, 28; Spr. 1, 7; Pred. 12, 13-14; etc.)—also dem gesamten Alten Testament.

Aber was ganze genau ist die Gottesfurcht? Hier einmal zwei hilfreiche Definition:

„(Die) ‚Furcht’ (des Herrn) ist zuerst die menschliche Reaktion auf Gottes ehrfurchtgebietende Gegenwart und Herrlichkeit und bezieht sich auf die Ehrfurcht und Achtung, die dem heiligen (Gott) Israels gebührt. In (den ersten fünf Büchern Mose) wird sie mit der gehorsamen und treuen Anbetung des Herrn gleichgesetzt. (Für) Israel wird sie zu einer Haltung des Glaubens dem Herrn gegenüber, der sie errettet hat. Es ist die menschliche Komponente in der göttlich-menschlichen Bundesbeziehung. Den Herrn deinen Gott von ganzem Herzen, Seele und Verstand zu lieben ist das selbe wie den Herrn zu fürchten (siehe Deut. 6, 1-5). Die ‘Furcht des Herrn’ ist also ein Beziehungsbegriff, der Israels Reaktion auf Gottes Gnade im Heil zum Ausdruck bringt (besonders im Exodus).” (Boda, Mark J. „The Delight of Wisdom.” Themelios 30 (2004): 8)

„Wie Walter Brueggemann sehr passend schreibt, bedeutet [Gottesfurcht] ‚Gott mit tiefster Ernsthaftigkeit als die Voraussetzung und die Perspektive anzusetzen, von der das Leben wahrgenommen und gelebt wird.’ Diese ‘tiefste Ernsthaftigkeit’ bedarf der Aufmerksamkeit auf einige Dinge statt anderer Dinge, seine Energie in der Erwiderung dieses Gottes einzusetzen, der das Leben initiiert hat.’” (Boda, Mark J. „The Delight of Wisdom.” Themelios 30 (2004): 8-9)

Wenn wir diese beiden Definitionen von der Furcht des HERRN einmal zu Grunde legen, was sollte dann . . .

      • unsere „menschliche Reaktion auf Gottes ehrfurchtgebietende Gegenwart und Herrlichkeit”,
      • unsere „menschliche Komponente in der göttlich-menschlichen Bundesbeziehung basieren auf Errettung durch Gnade”
      • und unsere „tiefste Ernsthaftigkeit als die Voraussetzung und die Perspektive” sein,

von der aus wir . . .

      • die Umstände unseres Lebens (vgl. das Buch Hiob)
      • unser praktisches, tägliches Leben (vgl. das Buch Sprüche)
      • unsere Bestrebungen im Leben (vgl. das Buch Prediger)
      • unsere Treue in der Ehe (vgl. das Buch Hoheslied)

betrachten?

Die Weisheitsbücher selbst geben uns hier hilfreiche Einblicke in die Perspektive, die wir als gottesfürchtige Menschen einnehmen. Wenn wir als Gottes Geschöpfe mit tiefster Ernsthaftigkeit unsere Leben angesichts des immer gegenwärtigen Erlösergottes betrachten, dann kommen wir zu den folgenden zwei Schlussfolgerungen, die sich wie ein roter Faden durch die Weisheitsliteratur ziehen:

      • Gott ist unergründlich in seinen Absichten (d.h. schwer zu verstehen und nachzuvollziehen) — Das Leben übersteigt unseren vollständigen Einblick und Verstand (Spr. 2, 6; 20, 24; 21, 1-3. 30-31; Pred. 2, 26; 9, 11-12;  11, 1-6; Hiob 28, 23).
      • Gott ist souverän in seinen Absichten — Das Leben übersteigt unsere eigene und selbstständige Kontrolle (Spr. 10, 22; 16, 4. 9; 19, 21; 21, 1-2; Pred. 5, 19; 7, 13-14; Hiob 23, 13-15; 42, 2-3; etc.).

In Gottesfurcht zu leben bedeutet somit das Leben in absoluter Abhängigkeit von der Souveränität und Gnade unseres Gottes zu leben, der sich uns im Evangelium verpflichtet hat. In Gottesfurcht leben wir in dem Bewusstsein, dass wir ihn unseren Gott nennen und gewiss sein dürfen, dass wir sein Volk sind.

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