Gott hören und seinen Willen erkennen

Zwei Bücher über den Willen Gottes

Ich versuche immer Bücher nicht nur aus einer Ecke des christlichen Spektrums zu lesen, sondern breit zu lesen um ein ausgewogeneres Bild zu bekommen. Heute möchte ich zwei Bücher zum Thema „Wie erkenne ich den Willen Gottes?“ oder „Wie höre ich die Stimme Gottes?“ vorstellen. Die beiden Themen greifen stark ineinander, so dass es eigentlich nur ein Thema ist.

Die beiden Bücher sind „Wie erkenne ich den Willen Gottes? – Führungsmystik auf dem Prüfstand“ von Thomas Schirrmacher und „Hearing God – Developing a Conversational Relationship with God“ von Dallas Willard.

Hearing God – Dallas Willard

Ich beginne mit dem Buch von David Willard. Obwohl sich einige gute Ansätze finden, wie zum Beispiel auf S.11, wo er den Willen Gottes mit seinem Willen für seine Kinder vergleicht, die, wenn sie im Garten spielen und sich freuen, perfekt mit seinem Willen im Einklang sind, liegt der Schwerpunkt des Buches auf dem Hören einer inneren Stimme, oder eigentlich nicht einmal einer Stimme, sondern vielmehr von Gedanken (S.99). Belegt wird diese These hauptsächlich erfahrungsmäßig indem Leute aus der Kirchengeschichte aufgezählt werden, die solche Erfahrungen kannten. Diese Stimme muss selbstverständlich von anderen „Stimmen“ unterschieden werden und diese Entscheidung muss letztendlich von uns getroffen werden, als ob wir dazu in der Lage wären. Die Bibelstelle, die dafür überbeansprucht wird, ist Sprüche 20,27 (Eine Leuchte des HERRN ist des Menschen Geist; er durchforscht alle Kammern des Innern). Um diesen Anspruch zu überprüfen habe ich beim Bibellesen besonders auf den Ausdruck „Gott sprach“ (und ähnliche Ausdrücke) geachtet und bin zu dem Schluss gekommen, dass es sich eigentlich immer um eine hörbare Stimme handelt. Dies wird besonders darin deutlich, dass in der Apostelgeschichte die Stimme Gottes an einen Menschen auch von anderen gehört wird. Willard gibt einige Voraussetzungen für das Hören der Stimme Gottes an (2.Kapitel), die ich in der Bibel aber nicht finden kann, da es Gott zum Beispiel im Fall Jonas ziemlich egal war ob dieser seine Stimme hören wollte oder nicht.

Fazit: 223 Seiten, wenig Inhalt, viele Wiederholungen, viele aus dem Zusammenhang gerissene Beweistexte, wenig Exegese (Auslegung) deshalb würde ich es nicht noch einmal lesen und vor allem jüngeren Geschwistern davon abraten sich verunsichern zu lassen.

Wie erkenne ich den Willen Gottes? – Thomas Schirrmacher

Da ich beide Bücher parallel gelesen habe, ist mir der Kontrast in der Qualität der Argumente extrem aufgefallen. Im Gegensatz zu der Erfahrungstheologie von Willard geht Schirrmacher auslegend und sehr bedacht vor. Das Buch ist gut strukturiert und einfach im Kopf zu behalten und obwohl es einen Ausschnitt aus der 6 -bändigen Ethik darstellt, ist es in sich eine Einheit und abgeschlossen. In meiner Liste der Top 5 Bücher 2010 hätte es sicher Platz gefunden. Da ich ohnehin möchte, dass jeder dieses Buch liest, gebe ich hier nur die Kernthese wieder. „Wenn man sich im moralischen Willen Gottes befindet, befindet man sich im Willen Gottes“. Um diesen Satz verstehen zu können, erklärt Schirrmacher zuerst was unter dem Willen Gottes zu verstehen ist und geht dann konkret auf Entscheidungen ein.

Wie erkenne ich den Willen Gottes? – Führungsmystik auf dem Prüfstand S.26

wille

Besonders interessant war das Buch für mich deshalb, weil auch Paul Washer, einer der Prediger die ich persönlich sehr schätze, Sachen von sich gibt wie: „Wenn es der Wille Gottes ist das du als Tellerwäscher in Seattle arbeitest und du bist in Afrika und gründest Kirchen, bist du auf dem Holzweg.“ (frei aus dem Gedächtnis zitiert http://www.youtube.com/watch?v=siFhI6DQIKs) Worauf zum Beispiel auch Lannopez Rücksicht nimmt und solche Videos nicht übersetzt. Die Geistesleitung (also die Vorgabe von jedem Schritt direkt von Gott) wird widerlegt und anstelle dessen die Weisheit eingeführt, die wir von Gott erbitten sollen und die uns richtige Entscheidungen treffen lässt.

Wie erkenne ich den Willen Gottes? – Führungsmystik auf dem Prüfstand S.26

fuehrung

Am Abschluss des Buches geht er auf den „Aufbau“ des Menschen ein, was mit der Thematik nur indirekt zu tun hat, aber für mich sehr interessant war. Denn ich wusste nicht, dass der Mensch eine lebendige Seele ist, die sich aus Geist und Körper zusammensetzt (Seele = Geist + Körper), sondern hatte eher das griechische Bild im Kopf, dass Seele, Körper und Geist getrennt sieht. Fazit: Ein Augenöffner, klar, einfach zu verstehen, biblisch begründet, eines meiner Lieblingsbücher.

Titelbild by DeathtoStock

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