Spurgeon und „Die Stimme der Cholera”

Im Juni 1866 traf die vierte und letzte Cholera-Pandemie des 19. Jahrhunderts auch London und forderte dort alleine fast 6000 Todesopfer (weltweit waren es 600.000). In den darauffolgenden Wochen bezog sich Spurgeon in seinen Predigten immer wieder auf diese furchtbare Pandemie. Am 12. August widmete er schließlich sogar eine ganze Predigt dem Thema: „Die Stimme der Cholera“. Ohne Frage gewinnen diese Predigten in Zeiten des Coronavirus an ganz neuer Relevanz für uns heute. 

Die Art und Weise, wie Spurgeon im Spätsommer 1866 immer wieder auf das Thema der Cholera zu sprechen kam, zeigt nicht nur vorbildlich, wie er in seinen Predigten auf seine Zuhörer eingeht (er hat nicht nur anhand von Gottes Wort Wahrheit verkündigt, sondern diese auch auf sein Publikum angewandt!), sondern auch, wie er diese Pandemie angesichts der Vorsehung Gottes und der Kraft des Evangeliums betrachtete. Anhand dieser Reihe von Predigten lassen sich sieben Lektionen ableiten, die auch uns heute inmitten der Corona-Pandemie Orientierung geben können. 

1. Bei allen biologischen Aspekten der Verbreitung solch einer Pandemie (sie kann und sollte durch Hygiene eingedämmt werden!), sollten wir als Christen nicht die theologische Aspekte vergessen.

Spurgeons bereits erwähnte Predigt „Die Stimme der Cholera“ basiert auf Amos 3, 3-6, wo es im abschließenden Vers heißt: „Geschieht auch ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht gewirkt hat?“ (Am 3,6). Und so stellt Spurgeon die Frage und kommentiert dann weiter: 

Sollte es in der Stadt Cholera geben, und Gott hat es nicht gewirkt? Meine Seele kauerte unter der Wucht dieser Frage, wenn ich diesen Text lese. Sie schien ihre schwarzen Flügel über meinen Kopf zu strecken, und hätte ich nicht gewusst, dass sie die Flügel Gottes sind, hätte ich es mit Angst zu tun bekommen. Der Text sprach auf diese Weise zu mir: Es ist nicht die Cholera, die diese Hunderte von Toten gefordert hat. Die Cholera war nur das Schwert. Die Hand, die den Tod verbreitete, ist die Hand eines Größeren als bloß [dieser] Krankheit. Gott selbst durchquert London.

(C.H. Spurgeon, „The Voice of the Cholera“, in: The Metropolitan Tabernacle Pulpit Sermons (Bd. 12), London: Passmore & Alabaster, 1866, S. 453.)

Zuvor kommentiert Spurgeon in der Predigt, dass eine Cholera-Pandemie sich natürlich auf Grund von hygienischen Zuständen ausbreitet und somit die sanitären Aspekte eindeutig zu beachten und berücksichtigen sind (S. 446). Aber das bedeutet nicht, dass eine Pandemien nicht auch theologisch zu betrachten und bedenken wären. Spurgeon warnt sogar davor, nicht die Hand Gottes in solchen Pandemien zu sehen: 

„Andererseits ist es noch häufiger der Fall, dass diejenigen, die nur die natürlichen Ursachen betrachten, Gläubige verhöhnen, die die Krankheit als eine mysteriöse Plage aus der Hand Gottes betrachten. Zugegeben wäre es am törichtsten, die festgelegten Mittel zur Abwendung von Krankheit zu vernachlässigen. Wer will kann spotten, aber wir glauben, dass es ebenso ein Akt der Torheit ist, zu vergessen, dass die Hand des Herrn hinter all diesem steckt.“

(C. H. Spurgeon, „The Voice of the Cholera“, 1866, S. 446.)

2. Eine Pandemie ist die Heimsuchung Gottes, durch die er unsere Nation aufrütteln will.

Bei dem Aspekt des Gerichts, ist es Spurgeon aber auch wichtig, deutlich zu machen, dass es bei einer Pandemie wie dieser nicht um Gottes direkte Strafe an den einzelnen Erkrankten und Verstorbenen persönlich geht. Vielmehr macht Spurgeon deutlich, dass sie als nationale (in vielen Fällen sogar weltweite) Strafe Gottes betrachten werden sollte, bzw. als Mittel, um die Aufmerksamkeit der Menschen zu bekommen (vgl. „The Voice of the Cholera“, 1866, S. 446). 

O London! Denkst du, dass Gottes Sabbate auf immer missachtet werden können? Dass die Stimme des Evangeliums in deinen Ohren erklingen und auf immer verachtet werden kann? Sollst du auf immer deinen Fuß von Gottes Haus abwenden und die Dienste seiner Wahrheit verachten können? Und sollte er eine solche Stadt nicht heimsuchen? Diese gefürchtete Cholera ist nur ein sanfter Schlag von seiner Hand, aber wenn sie nicht gefühlt und ihre Lektion nicht gelernt wird, kann stattdessen eine Pest kommen, die die Mengen abernten wird, wie wenn Mais mit einer Sichel geerntet wird. Oder er kann zulassen, dass wir von einer Pest heimgesucht werden, die schlimmer ist als die Plage. Ich meine die Pest eines tödlichen, seelenzerstörenden Irrtums. Er kann die Kerze seines Evangeliums von ihrem Platz entfernen und das Brot des Lebens von denen wegnehmen, die es verachtet haben, und dann, oh große Stadt, ist dein Untergang besiegelt!

(C. H. Spurgeon, „The Voice of the Cholera“, 1866, S. 448.)

Spurgeon war sich bewusst, dass wir natürlich nicht immer wissen können, warum Gott eine bestimmte Not über unsere Nation kommen lässt. Nichts desto trotz können wir uns bewusst sein, dass Gott sehr wohl ein Ziel mit dem, was er zulässt und über uns und unser Land kommen lässt, verfolgt: 

Wir glauben, dass Gott jegliche Plage sendet—wie auch immer sie entstehen mag—und dass er sie zu einem Zweck sendet—auf welche Art und Weise sie auch immer beseitigt werden mag. Und wir denken, dass es unsere Aufgabe als Diener Gottes ist, die Aufmerksamkeit der Menschen in [Zeiten] dieser Krankheit auf Gott zu lenken und ihnen die Lektion zu erteilen, die Gott sie lernen lassen will.

(C. H. Spurgeon, „The Voice of the Cholera“, 1866, S. 446.)

3. Gott würde nicht versuchen, unsere Aufmerksamkeit durch eine Pandemie zu bekommen, wenn es keinen triftigen Grund dafür gäbe.

Ohne Grund bringt Gott kein Unglück über eine Nation, das macht auch Amos 3 deutlich—der Text auf dem Spurgeons Predigt „Die Stimme der Cholera“ basiert. Dort heißt es: „Brüllt der Löwe im Wald, wenn er keinen Raub hat? Läßt der junge Löwe aus seiner Höhle die Stimme erschallen, wenn er nichts erwischt hat?“ (Am 3,4). Spurgeon bezieht diesen Vers wie folgt auf die Cholera-Pandemie in seinen Tagen:

Meine Brüder, unser Gott ist zu gnädig, um uns diese Cholera ohne Grund zu senden. Und er ist außerdem zu weise, denn wir alle wissen, dass häufig wiederholte Strafgerichte ihre Kraft verlieren. Es ist wie der Warnruf „Wolf!“, wenn [die Menschen ihn zu häufig ohne jeglichen Grund gehört haben] und er keine Bedeutung mehr hat, fangen die Menschen an ihn zu ignorieren. Gott multipliziert daher niemals unnötig Strafgerichte. Außerdem ist er zu großartig, um mit dem Leben von Menschen zu spielen…. Denkt ihr, der Herr tut dies unnötiger Weise? Der große Löwe der Heimsuchung hat nicht gebrüllt, es sei denn, die Sünde hat ihn dazu provoziert!

(C. H. Spurgeon, „The Voice of the Cholera“, 1866, 450.)

Eins ist sicher, Gott spielt nicht mit Menschenleben. Um so wichtiger ist es zu bedenken, was Gott dazu bewegt, eine Pandemie, wie wir sie in diesen Tagen erleben, zu senden! 

4. Viele der Dinge, die wir vielleicht als ein strenges Urteil Gottes empfinden, erweisen sich am Ende als verborgene Gnade Gottes.

Bei allem Bewusstsein, dass hinter einer Pandemie wie dieser Gottes bewusstes und gezieltes Handeln steht, um die Aufmerksamkeit des Menschen zu bekommen, ist es wichtig, zu erkennen, dass dieses Gericht ja letztendlich ein noch viel größeres Ziel verfolgt. Nämlich, dass der Mensch sich (wieder) Gott zuwendet und seine Gnade erlebt. Nur ist der Mensch so in seiner Sünde gefangen und betäubt, dass er vielleicht ohne ein derart aufrüttelndes Erlebnis wie einer Epidemie oder sogar weltweiten Pandemie (oder anderen einschneidenden Erlebnissen) sich niemals von seiner Sünde und seinen Wegen abwenden würde. 

Das macht Spurgeon in einer anderen Predigt im Juni 1866 — also etwa 2 Monate vor der oben erwähnten Predigt—deutlich. (Leider ist die Predigt nicht datiert und so ist es nicht ganz einfach, das exakte Datum zu rekonstruieren.) Der Bibeltext dieser Predigt war Micha 7,18: „Wer ist ein Gott wie du, der … Lust an der Gnade hat?“. Wir können annehmen, dass Spurgeon diese Predigt womöglich zu einer Zeit hielt, als die Cholera 1866 gerade erst nach London gekommen war und noch nicht viele Todesopfer gefordert hatte. Umso interessanter sind Spurgeons Bemerkungen zur Cholera.

Wir würden sündigen, selbst wenn die Sünde uns bitter beisetzen würde. Wir würden unseren Ruin verfolgen, egal welche Risiken und Gefahren er birgt. Und dennoch rief er: ‚Wie kann ich dich aufgeben?‘ Er wandte sich uns zu und flehte uns an. Die Stimme einer Mutter flehte, aus dem Grab flehte sie. Das Fieber kam und predigte zu uns auf dem Krankenbett, und wir hörten es. Die Cholera kam und predigte, wir hörten ihre Stimme auf den Straßen. Wir sahen ihre Schlagkraft in den zahlreichen Trauerzügen, die durch die Stadt zogen. Der Prediger kam und sprach so gut er konnte und bat dich als Bruder, dass du umkehren würdest—dass du nicht zugrunde gehen würdest, sondern dich Gott zuwenden würdest. Und all dieses Flehen—dieses Ausstrecken der Hand, dieses Drängen und diese Tränen, die Gott für dich aufgewandt hat—war bis jetzt vergebens, und du hast gesündigt und dich mehr und mehr aufgelehnt. Hat er nicht Freude daran barmherzig zu sein und dich weiterhin einzuladen, noch weiter zu trauern, und es nicht zu verkürzen, indem er dich gar zerstört?

(C. H. Spurgeon, „A Sweet Salaam“, in: The Metropolitan Tabernacle Pulpit Sermons (Bd. 58), London: Passmore & Alabaster, 1912, S. 411.)

In dieser Predigt erwähnt Spurgeon dann auch den großen Brand von London (1666) als weiteres Beispiel dafür, wie sich ein furchtbares Ereignis für viele Menschen als Gottes verborgende Gnade erweisen kann („A Sweet Salaam“, 1912, S. 413). Dann kommt er auch noch auf vorherige Cholera-Epidemien zu Lebzeiten seiner Zuhörer zu sprechen:  

Ich bezweifle nicht, dass selbst die Cholera in unserer Zeit einfach Gottes großer Sanitärkommissar war, der nach London geschickt wurde, um uns zu warnen, dies zu reinigen und jenes wegzuwischen, damit fortan das ganze Leben länger andauert und Barmherzigkeit sich durchsetzt. Beurteile also nicht Gott mit deinem kläglichen Verstand. Warte ein wenig, bis du sein Gerichtsurteil auf lange Sicht siehst. Und dann wirst du erkennen, wie sie immer mit Barmherzigkeit gewürzt sind und die Liebe das Schwert hält.

(C. H. Spurgeon, „A Sweet Salaam“, 1912, S. 414.)

5. So schrecklich eine Pandemie wie diese auch sein mag, Gott will sie gebrauchen, um Erweckung und Rückbesinnung auf ihn zu bewirken.

Diese verkappte Güte Gottes, die sein Gericht´ offenbart, zeigt sich natürlich am häufigsten darin, dass Gott gerade durch furchtbare Katastrophen Erweckung über seine Gemeinde und eine ganze Nation bringt. Und so schildert Spurgeon als er gerade erst von den ersten Fällen der Cholera im Osten Londons gehört haben muss, dass sein erster Gedanke war, ob Gott hierdurch vielleicht Erweckung nach London bringen würde. 

Wie wir alarmiert waren—einige von uns, meine ich—als wir neulich hörten, dass die Cholera tatsächlich in diesem Land war, und von Fällen in unserer Nähe berichtet wurden. Ich — für meinen Teil — dachte mir, dass so schrecklich solch Leiden auch sein würde, Gott es vielleicht zu nutzen vermag, um die schlummernde Menge dieser großen Stadt zu erwecken. Ich denke, jeder muss bemerkt haben, dass während der Zeit solcher Heimsuchungen allgemein ein großes Maß an Offenheit vorherrscht. Menschen wagen es nicht, ewige Angelegenheiten aufs Spiel zu setzen, wenn sie sich so nahe fühlen. Und wenn der Tod in der nächsten Straße, im nächsten Haus oder im nächsten Raum eintritt, können sie nicht mehr das Leben auf die leichte Schulter nehmen wie zuvor.

(C. H. Spurgeon, „Hiding among the Stuff“, in: The Metropolitan Tabernacle Pulpit Sermons (Bd. 58), London: Passmore & Alabaster, 1912, S. 471.)

Einige Monate später in seiner Predigt „Die Stimme der Cholera“ prangert Spurgeon dann die „Eitelkeit und Frivolität“ an, die in der Londoner Gesellschaft Einzug gehalten hatte, und verweist zurück auf die Zeit der Puritaner, als das Christsein noch eine entscheidende Rolle in dem Leben der Stadt spielte. Spurgeon sehnt sich in dieser Predigt nach einer Erweckung und Rückbesinnung auf Gott zurück. In der Predigt bedauert er, dass in seiner Stadt „Religion sehr unbedeutend ist, und der Ton der gesamten öffentlichen Presse dementsprechend so ist, dass es sich bei Fragen [der Religion] um bloße Meinungen handelt“ („The Voice of the Cholera“, 1866, S. 452). Wenn Spurgeon das schon über seine eigene Zeit sagt, wieviel mehr trifft das auf unsere Zeit heute zu.

Die Politiker nennen die Corona-Pandemie die größte Herausforderung und schwerste Zeit unserer Nation seit dem Zweiten Weltkrieg. In Europa und der westlichen Welt zumindest schauen wir zurück auf eine Zeit ohne Krieg und überdimensionale internationale Katastrophen. Stattdessen schauen wir zurück auf—zum größten Teil—Wohlstand und Aufschwung. Genau hier hakt Spurgeon in seiner Predigt „Die Stimme der Cholera“ ein und verweist darauf, wie solch eine nationale Krise vermag, Menschen aufzurütteln und für Gottes Heil empfänglich zu machen. 

Es ist jedoch sehr zu befürchten, dass ein beständig andauernder Wohlstand, fortdauernder Frieden und Freiheit von Krankheiten [Seuchen] in unserem Denken genau das hervorrufen können, was sie schon immer in allem menschlichen Denken getan haben, nämlich Sicherheit und Stolz, Heidentum und ein Missachten Gottes. Es ist eine sehr ernüchternde Tatsache, dass die menschliche Natur nur schlecht einen langen Fortbestand von Frieden und Gesundheit vertragen kann. Es ist fast notwendig, dass wir von Zeit zu Zeit durch Bedrängnis gepökelt werden, damit wir nicht vor Sünde verwesen. Möge Gott es schenken, dass wir weder Hunger noch Schwert haben. Da wir aber [nun] ein sehr geringes Maß an Seuche haben, müssen wir den Herrn bitten, es zum Segen der Menschen zu setzten, auf dass eine Empfindlichkeit des Gewissens unter der Masse erkennbar wird und sie die Hand Gottes [dahinter] erkennen. Brüder, die im Osten Londons arbeiten, haben mir bereits berichtet, dass es eine größere Bereitschaft gibt, auf die Wahrheiten des Evangeliums zu hören, und dass ein religiöser Gottesdienst für die Menschen jetzt akzeptabler ist als vorher. Dafür danke ich Gott als Hinweis darauf, dass das Leiden seinen Zweck erfüllt. Es gab vielleicht keinen Teil Londons, dem die Mittel der Gnade und der Wunsch, die Mittel einzusetzen, mehr fehlten als in diesem bestimmten Bezirk, über den die Seuche eingebrochen ist. Und wenn der Herr nur die Tausenden dazu bringen wird, das Evangelium Jesu zu hören, und sie lehren wird ihm zu vertrauen, dann wird der Zweck erfüllt. … Möge es so sein, o Herr, um deines Sohnes Jesus Christus willen.

(C.H. Spurgeon, „The Voice of the Cholera“, 1866, S. 452–453.)

In Amos 3,6 heißt es: „Kann man in das Horn stoßen in der Stadt, ohne daß das Volk erschrickt?“ Spurgeon bezeichnet die Cholera-Epidemie in seinen Tagen als eben solch ein Horn (Trompete), das zur Warnung des Volkes ertönt. Spurgeon beobachtet etwas über seine eigene Zeit, was wohl zu einem noch stärkeren Grad auf das heutige Europa zutrifft. Die christliche Stimme—das Horn—wird heute kaum noch wahrgenommen. Selbst in unseren Kirchen hören die meisten, als ob sie „nicht hören“. Und die großen Massen unserer Nation kümmern sich nicht um die Botschaft von unseren Kanzeln (vgl. „The Voice of the Cholera“, 1866, S. 453).  

Krankheit ist jedoch eine Trompete, die gehört werden muss. Ihr Echo erreicht die elenden Dachböden, in denen die Armen zusammengepfercht sind, die den Namen Christi nie gehört oder sich viel aus ihm gemacht haben. Sie hören den Trompetenschall, und wenn einer nach dem anderen stirbt, zittern sie. Im dunkelsten Keller, im überfüllten Lusthaus—ay!—und in den Palästen der Könige, in den Hallen der Reichen und Großen findet der Klang einen Eingang und der Aufschrei erklingt: ‚Die Plage des Todes ist gekommen! Die Cholera ist unter uns!’ Alle Menschen sind gezwungen, die Trompetenstimme zu hören—würde Gott es schenken, dass sie sie zum Besseren hören! Würde Gott es schenken, dass wir alle erweckt werden, unsere Herzen zu durchleuchten, und über allem anderen dazu geführt werden, zu Christus Jesus zu fliehen, dem großen Opfer für die Sünde, und in ihm eine Rettung vor der größeren Pest, dem kommenden Zorn, zu finden!

(C.H. Spurgeon, „The Voice of the Cholera“, 1866, S. 453.)

6. Solch eine Pandemie sollte uns zum Gebet für Erweckung zusammenbringen und dafür, dass Gott unser Land vor ihr verschont.

Wenn Gott solche Katastrophen zulässt, damit Menschen zu ihm umkehren und eine Erweckung stattfindet, dann müssen diese Zeiten auch Zeiten sein, in denen die Gemeinde im besonderem Gebet zusammenkommt, um für Erweckung zu beten. So ruft Spurgeon in seiner Predigt „Die Stimme der Cholera“ auch zu innigem Gebet für Gottes Eingreifen auf—mit der Bitte, dass Gott die Menschen vor noch größerem Übel bewahrt. 

Wir alle waren betrübt, angesichts der Statistiken von Todesopfern die mysteriöse Verbreitung der Cholera in unserer großen Stadt zu beobachten. Es ist höchste Zeit, dass sie zum Gegenstand besonderen Gebetes gemacht wird und dass die Nation den Herrn um die Beseitigung [der Cholera] bittet. Während es bisher nur vergleichsweise wenig von diesem Argen gegeben hat, sollten wir uns demütigen, damit uns ein größerer Ausbruch erspart bleibt.

(C.H. Spurgeon, „The Voice of the Cholera“, 1866, S. 445.)

7. Wenn solch eine Pandemie uns über den Tod nachdenken lässt, stellt sich die Frage, ob wir (und die Menschen um uns herum) tatsächlich bereit sind, vor unserem Gott und Richter zu erscheinen.

Wenn eine Pandemie über eine Nation oder Stadt kommt, so wird ihren Bewohnern die Realität des Todes immer bewusster. Mit der Gefahr der Ansteckung kommt auch der Gedanke an den Tod und die Frage eines jeden, ob er oder sie bereit ist zu sterben. Und so zwingt eine Pandemie den Menschen, über die Ewigkeit nachzudenken. Dies war natürlich auch Spurgeon bewusst und so predigte er am Abend desselben Sonntags, an dem er über die „Stimme der Cholera“ predigte, eine Predigt über das „Endgericht vor dem großen weißen Thron“ (Off 20,11). Angesichts der furchtbaren Epidemie, die im Osten Londons wütete, stellte sich für jeden seiner Zuhörer an diesem Abend die Frage, ob er oder sie mit Furcht oder fester Zuversicht dem Tod und der Begegnung mit Gott entgegensehen konnte. Wie Spurgeon argumentiert, kann nur derjenige, der den Gedanken des Sterbens ertragen kann, den Gedanken, ewig zu leben ertragen.

Brüder und Schwestern, ich hoffe, dass einige unter uns sind, die freudig diesem Richterstuhl entgegen sehen können, selbst wenn wir das Maul des Todes durchqueren müssten, um ihn zu erreichen. . . . Es ist einfach, von voller Heilsgewissheit zu sprechen, aber glaubt mir, es ist nicht ganz so einfach, sie in wirklich schwierigen Zeiten richtig sicher zu verspüren. Wenn einige von euch Fingerschmerzen bekommen, quellt eure Gewissheit aus euren Gelenken heraus, und wenn ihr nur ein wenig krank seid, denkt ihr: ‚Oh! es könnte Cholera sein! Was soll ich bloß tun?’ Kannst du es nicht ertragen zu sterben, wie wirst du es dann ertragen, ewiglich zu leben? Könntest du dem Tod nicht ohne Schaudern in die Augen schauen, wie wirst du dann das Gericht ertragen? Könntest du auf den Tod schauen und fühlen, dass er dein Freund und nicht dein Feind ist?

(C. H. Spurgeon, „The Great White Throne“, in: The Metropolitan Tabernacle Pulpit Sermons (Bd. 12), London: Passmore & Alabaster, 1866, S. 514.)

Diese sieben Lektionen zeigen, wie Spurgeon hinter der Cholera Pandemie Gott am Wirken sah. Er war überzeugt, dass Gott ein sicheres Ziel mit einer derartigen Krise verfolgt und dieses Ziel auch erreichen wird—nämlich, dass unser Land sich wieder seinem Evangelium und seiner Gnade zuwendet. Denn: „Geschieht auch ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht gewirkt hat?“ (Am 3,6).

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