Interview Michael Bünker

Im Jahr 2010 interviewte ich einige evangelikale Leiter zum Zustand der Kirche, Evangelium und persönlichem. Diese Interview Serie werde ich hier neu auflegen. Michael Bünker (* 26. April 1954 in Leoben) ist ein österreichischer evangelisch-lutherischer Theologe und seit Jänner 2008 Bischof der Evangelischen Kirche A. B. in Österreich. Nach der Volksschule in Radenthein und dem Gymnasium in Villach studierte Bünker Evangelische Theologie an der Universität Wien. 1981 promovierte er bei Kurt Niederwimmer im Fach Neues Testament zum Thema „Briefformular und rhetorische Disposition im 1. Korintherbrief“. Er war Vikar in der Weinbergkirche in WienDöbling, anschließend Inhaber der zweiten Pfarrstelle in der Evangelischen Kirche Floridsdorf. 1991 wurde er mit der Leitung der Evangelischen Religionspädagogischen Akademie (ERPA) betraut. Im Jahr 1999 wurde er zum Oberkirchenrat gewählt. Seit 2003 ist er als Honorarprofessor Lehrbeauftragter an der Evangelischen Fakultät der Universität Wien. 2006 erfolgte die Bestellung zum Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE). Bünker wurde 2007 zum Nachfolger von Herwig Sturm als Bischof von Österreich gewählt, dessen Amt er am 1. Jänner 2008 übernahm. Die feierliche Amtseinführung erfolgte am 27. Jänner 2008. [http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_B%C3%BCnker]

1.Was denkst du ist die größte Not der heutigen Kirche? (Antwort bitte in dem Bereich wo du Einsicht hast)
Unter den verschiedenen Nöten der heutigen Kirche beschäftigt mich die Frage, wie es Christen und Christinnen besser gelingen kann, sprachfähig über ihren Glauben zu werden. Es kommt darauf an, sagen zu können, was man glaubt, und dann zu tun, was man sagt. Sprachfähigkeit des Glaubens heißt auch, mit dem säkulargeprägten Menschen so ins Gespräch zu kommen, dass eine Kommunikation des Evangeliums stattfinden kann.

 

2. Was ist die Lösung dafür?
Ich bin davon überzeugt, dass es mehr an sogenannten Glaubenskursen braucht, in denen Christen und Christinnen lernen, miteinander und mit anderen über Inhalte des Glaubens ins Gespräch zu kommen.

 

3. Welche 5 Bücher haben dich am meisten im Glauben weitergebracht oder beeinflusst und warum? (neben der Bibel)
Besonders beeinflusst haben mich die Schriften Martin Luthers, Paul Drillichs und Dietrich Bonhoeffers. Aber auch aus dem Bereich der Literatur habe ich viel für meinen Glauben gelernt, ich nenne Herta Müllers Buch “Die Atemschaukel” und die Gedichte von Ingeborg Bachmann.

 

4. Wo sind für dich Grenzen der Einheit unter “bekennenden” Christen (Wo fängt Irrlehre an und was sind Auslegungsspielräume)?
Das Augsburger Bekenntnis hält fest, dass zur wahren Einigkeit der Kirche (und das schließt die Einheit bekennender Christen ein) die Rechte Verkündigung des Evangeliums und die stiftungsgemäße Feier der Sakramente genügt. Durch das Evangelium in Wort und Sakrament weckt Gott den Glauben bei den einzelnen Menschen und wird die Kirche als “Gemeinschaft der Heiligen”, wie es im Glaubensbekenntnis heißt begründet.

 

5. Was beschäftigt dich momentan persönlich am meisten?
Mit großer Sorge sehe ich, dass durch Entwicklungen, die vor allem von der wirtschaftlichen Situation ausgehen, die Menschen zunehmend nebeneinander, ja sogar gegeneinander gestellt werden. Die  Armutsgefährdung zu, die Ablehnung von Fremden ebenfalls. Es beschäftigt mich, wie Kirche und einzelne Christen glaubwürdig die Botschaft der Versöhnung in dieser Welt leben können.

 

6. Was muss ein Mensch glauben um errettet zu werden? (Natürlich an Christus was muss der Inhalt sein)
Nach evangelischem Verständnis ist die Rechtfertigungsbotschaft der Kern des Evangeliums. Dass Gott mich sündigen Menschen durch Jesus Christus ihm recht macht, begründet das feste Vertrauen auf die gnädige Zuwendung Gottes, die Einsicht in die eigenen Sündenverfallenheit und das Vertrauen darauf, dass mit Hilfe des Hl. Geistes ein glaubwürdiges Zeugnis und ein hingebungsvoller Dienst an der Welt möglich ist.

 

7. Glauben Muslime an den gleichen Gott und haben nur ein falsches Gottesbild? (da es ja nur einen Schöpfer gibt und sie ja auch den meinen?)
Der Islam lehnt die christliche Lehre vom dreieinigen Gott ab. Gleichzeitig bezieht er sich auf die jüdischen und christlichen Wurzeln im Gottesverständnis. Es ist ein anderes Gottesbild, das Muslime vertreten. Deshalb sind gemeinsame Gebete zwischen Christen und Muslimen nicht möglich.

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