Jüngerschaft Interview mit Alex Reindl

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Dies ist ist ein Interview mit einem unserer Blogger Alex Reindl. Es erschien ursprünglich auf dem Blog christusallein.com.

Biblische Jüngerschaft ist für die Gemeinde Gottes ein elementarer Bestandteil. Alex beschäftigte sich persönlich und im Zuge seiner Masterarbeit intensiv mit dem Thema Mentoring. Er sieht christozentrisches Mentoring als einen Aspekt der biblischen Jüngerschaft. Dazu konnten wir ihm einige Fragen stellen und hoffen, dass das Interview anregt und ermutigt.

Biblische Jüngerschaft ist ein großes Anliegen für dich. Könntest du zunächst mal definieren, was genau du unter Jüngerschaft verstehst?

Das Wort Jüngerschaft geht auf Matthäus 28:19-20 zurück. Dort kommt der Evangelist Matthäus zum Höhepunkt seines Berichtes und hält fest, dass Jesus seine Jünger mit dem großen Missionsauftrag zurücklässt. Kurz danach fährt der auferstandene Christus in den Himmel auf. Hier also beauftragt Jesus seine Nachfolger „… alle Völker zu Jüngern zu machen, indem sie taufen und lehren alle Worte Jesu zu halten …“ (Matt 28:19-20). Dieses Jünger-Machen bedeutet Verlorene zur Umkehr und dem Vertrauen in Jesus aufzurufen („… Indem sie taufen …“) und sie dann fortwährend in dem Prozess der Heiligung zu begleiten („… Indem sie lehren alle Worte Jesu zu halten…“).

Jüngerschaft meint also: 1. die Begleitung eines Menschen aus der Dunkelheit ins Licht durch Buße und Glauben (symbolisiert durch die Taufe) und 2. Begleitung bei der Heiligung (Jesu Worte kennen und gehorchen).

Wie bist du dazu gekommen, Jüngerschaft als bedeutenden Faktor in der Nachfolge zu verstehen?

Zum einen, weil ich glaube, dass Jesu Dienst in diesem in Matthäus 28 beschrieben Ereignis gipfelt. Jesus kam als Mensch (uns gleich, nur ohne Sünde), lebte ein vollkommen heiliges Leben (wie wir es nie könnten), starb den unverdienten Tod eines Verbrechers (als Einziger, der den Tod nicht verdient hätte) und besiegte den Tod durch die Auferstehung (und hob damit endgültig den Fluch der Sünde auf). Aber damit war sein Dienst nicht am Ende. Durch diese große Rettungsmission Gottes erlöst er Sünder, die auf dieses stellvertretende Werk vertrauen und ruft sie in die Gemeinschaft mit dem Ewigen. Diese Gemeinschaft bildet die Kirche Gottes auf Erden. Diese Kirche ist die Braut, die der Bräutigam Christus, wenn Er wiederkommt, ewig zu sich holt. Jüngerschaft ist dann die Hauptaufgabe der Kirche auf Erden. Die Kirche will Menschen auf der Basis dessen, was der Bräutigam für Seine Braut getan hat, in die Gemeinschaft mit Ihm rufen. Welch großes Vorrecht und was für eine lebenserfüllende Aufgabe!

Welche Vorgehensweise würdest du jemandem empfehlen, der ein Herz für Jüngerschaft hat, aber nicht so genau weiß, was er tun soll?

Ich würde ihm oder ihr sagen, dass ich mich sehr darüber freue. Dann würde ich Mut machen, indem ich die Person auf Jesus verweise. Er ist der beste und ultimative „Jüngermacher“. Er ist der, dessen Jünger wir sein wollen. Je besser ich ihn kenne, desto besser werde ich anderen helfen können, Jünger zu werden. Jesus zu kennen ist gleichzusetzen mit ewigem Leben (Joh 17:3). Lerne also selbst Jesus immer besser kennen und gib das weiter, was du über ihn weißt. Wie lerne ich ihn kennen? Gut, dass du fragst: Vorrangig durch Sein Wort. Der Glaube kommt aus der Verkündigung des Wortes Gottes (Röm 10:17). Also: Liebe, lies, lebe und lehre deine Bibel. Das scheint mir für unsere Kirchengemeinden eine dringliche Botschaft zu sein, immer wieder. Ich sehne mich nach einer und bete für eine Rückbesinnung auf die Kraft des lebendigen Wortes Gottes für genau diesen Auftrag.

First things first. Dann darfst du mutig sein und Initiative ergreifen. Geh auf andere zu und lade sie ein mit dir Jesus besser kennen zu lernen. Trefft euch regelmäßig und lest die Bibel. Betet miteinander. Sprecht über eure Nöte, eure Ermutigungen, Sünde(n) und Menschen für die ihr betet. Es gibt dann viele Formen und Möglichkeiten, bis hin zu Materialien, die begleitend miteinander gelesen werden können.

Was würdest du wiederum jemandem empfehlen, der quasi „auf der anderen Seite“ steht (als Hilfesuchender vielleicht) und nicht weiß, wie er den richtigen Mentor findet?

Auch dich würde ich ermutigen wollen und dir sagen, dass ich mich darüber freue. Wende dich an den Meister und sag ihm, dass du das möchtest (Bete also!). Dann sei auch du mutig und ergreife Initiative. Frage jemanden des gleichen Geschlechtes, der Jesus kennt. Wenn irgendwie möglich, frage jemanden, der reifer ist und Jesus schon länger nachfolgt. Das wird dir gut tun! Titus 2 macht großen Mut zu generationsübergreifender Jüngerschaft. Lass mal außer Acht, was dich alles von der älteren und erfahreneren Person unterscheidet und lass dich darauf ein. Wenn du selbst wirklich niemanden in deiner Gemeinde findest, wende dich an eine Person außerhalb deiner Gemeinde, der du vertraust, um dich bei deiner Suche zu unterstützen.

Angenommen, mein Umfeld (Freunde, Familie, Gemeinde) steht dem Thema eher gleichgültig gegenüber. Wie kann ich andere dazu motivieren, ebenfalls in eine Jüngerschaftsbeziehung zu treten bzw. diese Idee in der Gemeinde zu etablieren?

Aus oben genannten Gründen. Die Überzeugung muss uns aus der Schrift gegeben sein. Lass dich also überzeugen, indem du dich in die Bibel hineingräbst. Mach es mit anderen und betet dafür, dass Gott euer Herz und das vieler anderer verändert. Parallel beginne du mit kleinen ersten Schritten.

Streng genommen betrifft Jüngerschaft nach Matthäus 28 nur Beziehungen zwischen bereits gläubigen Personen. Kann ich die Prinzipien aber vielleicht auch auf jemanden anwenden, der noch suchend ist? Was würdest du da empfehlen?

Das würde ich so nicht unterschreiben. Die Taufe folgt, wie etwa bei dem Beispiel des Kämmerers (Apg. 8), unmittelbar nach der Erkenntnis, dass Jesus meine einzige Hoffnung sein kann vor dem ewigen und heiligen Gott zu stehen. Diese Erkenntnis ist ein Geschenk Gottes, wenn der Geist Gottes sein Wort nimmt und tief in unser Herz treibt. Dort, wenn es auf den vierten, fruchtbaren Boden fällt, geht es auf und führt uns in die Nachfolge. Wenn die Taufe diese Umkehr und das Vertrauen ausdrückt, ist das bereits ein Resultat der Jüngerschaft. Ich würde also sagen, dass die Evangelisation bereits ein Teil des Prozesses der Jüngerschaft ist. Richtig, die Person ist zu dem Zeitpunkt noch kein Nachfolger, aber wie etwa beim Kämmerer sind das Dinge, die Hand in Hand gehen (obgleich in meiner Erfahrung selten so rasch).

Welche Ressourcen (Bücher, Vorträge, etc.) kannst du empfehlen, wenn jemand sich tiefergehend mit dem Thema befassen möchte?

Vielen Dank für das Interview!

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