Brauchen wir theologische Bildung in unserer Gemeinde?

In vielen der Gemeinden in unserem Land hat Theologie und theologische Ausbildung keinen sehr hohen Stellenwert. Ganz im Gegenteil wird theologische Bildung manchmal sogar als elitär betrachtet und empfunden. Dabei macht das Neue Testament die Notwendigkeit von theologischer Bildung und Zurüstung in der Ortsgemeinde sehr deutlich.

Apostelgeschichte 6, 1-7 z.B., das die Einsetzung der ersten Diakone schildert, zeigt wie unverzichtbar es ist, dass Brüder in unseren Gemeinden die Zeit und die Fähigkeit haben, sich dem gründlichen Studium und Dienst am Wort Gottes hinzugegeben. Denn die Diakone mussten eingesetzt werden, damit die Apostel und geistlichen Väter der Gemeinde nicht länger den Dienst am Wort (und das Gebet!) vernachlässigen mussten.

“Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes vernachlässigen. Darum, ihr lieben Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, . . . . Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben.” (Apg. 6, 2-4)

In diesem Zusammenhang wird der Stellenwert von gesunder Lehre und Wortverkündigung in der Gemeinde sehr deutlich. Weitere Brüder mussten für den Dienst an den Witwen herangezogen werden, damit diejenigen, die die Fähigkeit und Verantwortung hatten, Gottes Wort recht zu verkündigen, diesem Dienst voll nachkommen konnten.

Die Liste von Qualifikationen für Älteste, Aufseher und Leiter ist ein weiterer Beleg dafür, wie unverzichtbar es ist, Brüder in unseren Gemeinden zu haben, die begabt und zugerüstet sind, Gottes Wort zu lehren und die gesunde Lehre zu verteidigen. Mitten unter der Liste von den Eigenschaften, die Älteste in der Gemeinde auszeichnen sollten, erklärt Paulus in 1. Timotheus 3, 2, dass sie “geschickt im Lehren” sein sollen und führt diese Qualifikation dann in Titus 1, 9 wie folgt weiter aus:

“Er halte sich an das Wort der Lehre, das gewiss ist, damit er die Kraft habe, zu ermahnen mit der heilsamen Lehre und zurechtzuweisen, die widersprechen.”

Die Aufseher der Gemeinde müssen also den notwendigen theologischen Einblick haben, um zwischen gesunder bzw. heilsamer und falscher bzw. schädlicher Lehre zu unterscheiden. Sie müssen darüber hinaus auch in der Lage sein, diese zu verteidigen und die Widersprechenden zurechtzuweisen und zu überführen. Dazu ist ohne Frage theologische Bildung—in welcher Form auch immer—nötig.

An dieser Stelle erhebt vielleicht so mancher Leser den Einspruch, dass Gottes Geist doch jedem Gemeindeglied eine Gabe gegeben hat und dass die Gabe des Lehrens nicht über die anderen gestellt werden sollte. Letztendlich sind doch alle Gaben in der Gemeinde wertvoll und wichtig. Ohne Frage ist das richtig und Paulus betont dies auch an vielen Stellen, u.a. auch in Epheser 4, 7 (vgl. 1. Kor. 12, 1-11; Röm. 12, 3-8), wenn er sagt:

“Jedem Einzelnen von uns aber ist die Gnade nach dem Maß der Gabe Christi gegeben worden.”

Wenn wir jedoch in diesem Abschnitt weiterlesen, sehen wir, dass Paulus fortfährt zu erklären, dass die Gemeinde Hirten und Lehrer braucht, die die Geschwister für die rechte Ausübung ihrer Gaben zurüsten. Denn durch diese Zurüstung wird der gesunde Wachstum der Gemeinde gefördert.

“Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes [mit ihren Gaben], für die Erbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Maß der vollen Reife Christi. Denn wir sollen nicht mehr Unmündige sein, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch die Betrügerei der Menschen, durch ihre Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum.” (Eph. 4, 11-14)

Wenn wir uns diese drei Texte zu Herzen nehmen, sollten wir uns für die Gemeinde, in der wir sind, ernsthaft die Frage stellen: Können wir

  • Männer des „Gebets und des Dienstes am Wort”;
  • Männer, die “geschickt sind im Lehren”;
  • Männer, die mit “heilsamer Lehre zurechtweisen” können;
  • Männer, die “Hirten und Lehrer” sind, die die Geschwister in der Wahrheit und Liebe anleiten,

durch irgendetwas anderes ersetzen? Diese Texte machen deutlich, dass theologisch zugerüstete und ausgebildete Brüder für unsere Gemeinden unverzichtbar sind.

Aber der Abschnitt im Epheserbrief geht noch einen Schritt weiter. Bei der theologischen und biblischen Zurüstung einiger weniger leitenden Brüder darf es nicht bleiben. Nein, der theologische Einblick und die Fähigkeit unserer Ältesten, Gottes Wort recht auszulegen und zu lehren, dient dem noch viel größeren Ziel, dass jedes Glied der Gemeinde lernt, theologisch recht zu denken und zu unterscheiden. Die Bibelfestigkeit der Hirten soll letztendlich dazu dienen, dass jeder in der Gemeinde befähigt wird, Gottes Wort recht auszulegen. Wie wir eben schon gelesen haben, beschreibt Paulus dieses größere Ziel für theologische Zurüstung wie folgt: jeder in der Gemeinde soll “hingelangen zur … Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Maß der vollen Reife Christi” (V. 13). Kein Gemeindeglied soll “mehr Unmündige sein, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch die Betrügerei der Menschen” (V. 14).

Somit ist die Erkenntnis der biblischen Wahrheit—also gesunder Theologie—nicht etwas, was irgendeiner Elite als “Hobby” vorenthalten ist, sondern für jedes Gemeindeglied elementar ist. Auf den Punkt gebracht: Wir brauchen theologisch bewandte und geschulte Leiter und Hirten, damit unsere Gemeinden und jedes Glied lernt, theologisch bewandt zu denken, dienen und leben!

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