Stille Zeit, aber wie?

Das Problem

Jeder kennt sie, die gute alte “Stille Zeit”.
Jeder weiß dass er sie halten sollte.
Etliche haben ein schlechtes Gewissen, weil sie sie nicht regelmäßig pflegen.
Einige haben das Gefühl, dass am Ende nicht viel rauskommt.

Kennst du das Problem der “Stillen Zeit”? Jeder scheint sie zu machen. – Irgendwie.
Doch keiner kann dir genau sagen, wie.
Natürlich lesen alle die stille Zeit pflegen irgendwie die Bibel, vielleicht sogar ein Bibelbuch nach dem anderen. Aber ist ihre Bibellese effektiv? Werden sie angesprochen?Werden sie nicht nur bloß angesprochen, sondern lesen sie die Bibel auch so wie sie gelesen werden will? Und wird ihr Leben dadurch verändert?
“Wie?”, “Wie will denn die Bibel gelesen werden? Ich dachte immer, die liest man einfach.

Viele Christen lesen ihre Bibel sehr ineffektiv und ohne klares Ziel.
Wenn der Bibeltext sie anspricht, dann weil er sie gerade anspricht. – Ja, das war kein unaufmerksamer Satzbau meinerseits, das meine ich wirklich so.
Etwas das sie gerade beschäftigt kreuzt sich zufällig mit einer Aussage der Bibel und – BAM – die Bibel spricht einen an.
Aber, wurde die Bibel so geschrieben?

Wie Sherlock auf der Suche nach…
Der berühmte Roman “Sherlock Holmes” handelt von einem cleveren Detektiv der verschiedenste Fälle löst. Der Roman selbst hat einen Anfang, einen Mittelteil und einen Höhepunkt, der in den Schluss mündet. Der Autor, Arthur Conan Doyle hatte eine ganz klare Absicht damit verfolgt. Der halbwegs aufmerksame Leser wird so vom Roman mit in die Geschichte gezogen, dass er gar nicht anders kann, als sie wie einen Film vor dem inneren Auge sich abspielen zu sehen.
Die Bibel ist auch ein literarisches Werk. Genauso wie dieser Blogpost. Er spricht in der Einleitung ein Problem mit ein paar Fragen an, will durch mehrere Illustrationen auf eine Lösung hindeuten und endet dann in der Aufforderung, das umzusetzen, was der Autor vorschlägt. TADA, das ist der rote Faden.
Nun, alle Bibelbücher besitzen dies ebenso. Nur hier ist es nicht so leicht wie bei Sherlock Holmes. Noch dazu kommt dass Briefe des neuen Testaments sich wie eine Art Telefongespräch anhören, bei der man nur eine Seite des Gesprächs mithört. Schon einmal erlebt? Manchmal gar nicht so einfach zu erkennen, um was es geht, oder? Noch dazu können wir bspw. Paulus ja heute nicht mehr über seine “Telefongespräche” befragen.

Also, was tun?
Es wäre also Zeit sich mit dem Thema Bibelauslegung einmal eingehender zu befassen. Das ist aber hier nicht Thema.
Der durchschnittliche Bibelleser möchte ja für seine tägliche “Stille Zeit” schnell Futter für seine Seele bekommen.
Also, wie bekommt man den Gedankenfluss und den Zusammenhang eines Bibelbuches schnell in den Blick? Und wie kann man dann den Text auf sich selber anwenden? Eigentlich ganz einfach, wenn man nur weiß wie. Es ist wie beim Reifenwechseln. Man kann versuchen das Auto mit der einen Hand zu halten, während man mit der anderen den neuen Reifen montiert, oder man kann einen Wagenheber nehmen. Auf dem richten Punkt angesetzt, erleichtert der Wagenheber die Arbeit enorm! Wer würde schon so dumm sein und ohne Wagenheber Reifenwechseln? Naja, wer würde schon so dumm sein, und ohne ordentliche Methode stille Zeit machen? … hmmm.

Also gut, hier das Konzept, kurz und knackig.
Und in den nächsten Wochen ein paar Stille Zeit-Beispiele als Blogposts, damit man auch sehen kann ob man das Konzept richtig anwendet.

Das Konzept
Man nimmt sich ein ganzes Bibelbuch vor!
Man beginnt am Anfang und nimmt eine kleine Bibelstelle, am besten ein kleiner Sinnabschnitt von fünf bis zwanzig Versen. Je nach Umfang des Gedankens.

Man notiert dann:

  • Prinzip
  • Kontext
  • Anwendung

Kontext
Ich beginne immer zuerst mit dem Kontext. Hier notiere ich wie der Autor seinen Gedankengang aufspannt. Wie der Rote Faden verläuft und wie der kleine Abschnitt den ich gerade jetzt betrachte ins große Bild des schon Gelesenen passt.

Prinzip
Dann formuliere ich ein Prinzip aus dem Text. Prinzipien sind zeitlos, ortsungebunden und von primärer Wichtigkeit. Warum das Vorteile hat, erkläre ich in den nächsten Wochen.
Das Prinzip von Jakobus 1:5 “Wenn es aber jemand unter euch an Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen gern und ohne Vorwurf gibt, so wird sie ihm gegeben werden.” kann lauten: “Gott gibt gerne und ohne Vorwurf”, oder “Um Weisheit soll gebeten werden”, oder “Gott gibt Weisheit wenn wir ihn bitten”. Eine Passage enthält oft mehrere Prinzipien.

Anwendung
Bei der Anwendung versuche ich ein relevantes Problem in meinem Leben, mit dem Prinzip des Textes zu verbinden. Ich versuche so konkret wie möglich zu sein. Alles was konkret formuliert wird wird auch gut umgesetzt. Alles was schwammig ist, bleibt liegen. Ich schreibe beispielsweise: “Ich werde Gott im nächsten Monat täglich glaubend um Weisheit im Umgang mit meiner Frau bitten.”. Das bitte ich, weil ich weiß, dass ich ein ziemlich unbeholfener “Frauenversteher” bin.

Ich notiere das alles auf einem Bogen Papier und sehe es immer und immer wieder durch. Einfach morgens, bei der nächsten Stillen Zeit. Erstens um es gegenwärtig zu halten und zweitens um den Blick für das große Ganze zu schärfen.

Anbei zum Download eine Druckvorlage.

Viel Freude damit.

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