Gemeindegründung – 9 – Start der Gemeinde – 2 – Jüngerschaft und Leiterschaft

Beim letzten Mal haben wir uns mit dem Start der Gemeinde und der Evangelisation beschäftigt. Diese soll dann natürlich in die Jüngerschaft übergehen. Die Gemeinschaft in den Kleingruppen soll den Glauben nähren. Die Elemente sind dabei nicht wesentlich anders als im Gottesdienst: Bibelstudium, Musik und Gebet. Outreach und Dienste der Barmherzigkeit für andere stellen die aktive Seit dar. Was im kleinen Kreis besser möglich ist ist das Leben miteinander zu teilen. Es soll eine Atmosphäre herrschen in der jeder seine Leiden und seine Freuden mit den anderen teilen kann. Der Leiter der Kleingruppe soll gut ausgebildet sein und dann in seiner Kleingruppe als Mentor ein bis zwei weitere Leiter heranziehen. Es ist auch sinnvoll wenn die Kleingruppen inhaltlich den gleichen Bibeltext bearbeiten. Der Leiter der Kleingruppe soll auch jemanden haben dem er verantwortlich ist und der ihn begleitet.
Die Kleingruppe sollte einer der ersten Dienste der Gemeinde sein. Wie im letzten Artikel gesagt bietet es sich an die Gründungsmitglieder als Kleingruppenleiter zu verwenden und so das Gründungsteam aufzulösen. In diesem Kontext können die Mitglieder einander dienen und begreifen was es heißt Gemeinde zu sein. Dadurch können alle zu Dienern heranwachsen und weitere Dienste der Gemeinde können entstehen. Die Kleingruppen spiegeln dabei auch die Beziehung von Jesus zu den zwölf Aposteln wieder. Im Leben in Gemeinschaft kann Jüngerschaft natürlich und praktisch stattfinden.
Jüngerschaft beginnt mit Evangelisation aber endet nicht dort. Wie Jesus im Missionsauftrag sagt ist es nicht usnere Aufgabe „Christen“ oder „Bekehrte“ zu machen sondern Jünger (Schüler). Das heißt nicht das es wie wir vielleicht über Schüler denken das es nur um intellektuelle Wissensvermittlung geht sondern wir sollen ganzheitlich Bildung betreiben und sie lehren „alles zu halten was ich (Jesus) euch geboten habe“. Um dem gerecht zu werden bietet es sich an einen Jüngerschaftsplan zu erstellen und damit das Jünger machen nicht dem Zufall zu überlassen.
Es ist unser Auftrag Menschen mit Jesus zu verbinden, den sie sollen nicht unsere Jünger werden sondern Jesu Jünger. Aus den Vorartikeln nur kurz zusammenfassend sind die Fragen die wir beantworten müssen. Warum wollen wir die Menschen erreichen? (Was ist unser Zweck und Ziel?) Was machen wir um die Menschen zu erreichen? (Strategie Wen? Wie? Wo?) Wie wollen wir das tun? (Welchen Stil etc.?). Drei Schritte sehen wir in der Schrift im Jünger werden.
- Komm und sieh – 1. Johannes 1,39 -> Christ werden
- Komm und folge mir – Markus 1,17 +2,14 -> Jüngerschaft
- Komm und bleib bei mir – Markus 3,14 -> Leiterschaft
Durch diese drei Abschnitte wollen wir alle Menschen die Gott uns schickt begleiten.
Komm und sieh (kommen – wiederkommen – bleiben – Verbindlichkeit)
Komm und sieh ist die Zeit vom ersten Kontakt bis zur Entscheidung zur Verbindlichkeit. Dieser erste Kontakt kann je nach Kontext sehr unterschiedlich aussehen. Z.B. Vom ersten Gottesdienstbesuch zum zweiten Gottesdienstbesuch und dann vielleicht schon zur Überleitung in den Hauskreis. Diese Transitionspunkte müssen besonders gut durchdacht und definiert sein. Redeemer hat nach dem 2. Gottesdienstbesuch einen (hoffentlich erfolgreichen) evangelistischen Besuch bei dem werdenden Mitglied und dann einen Kurs für neue Gläubige. Dann soll die Entscheidung für die Gemeinde erfolgen und der Mitgliedskurs beginnt an dessen Ende (falls noch nicht erfolgt) die Taufe steht.
Komm und folge mir (Verbindlichkeit – Entscheidung – Wachstum -Dienen)
Hier entsteht der Übergang zur Jüngerschaft. Wie oben skizziert startet die Jüngerschaft am besten in den Kleingruppen. Parallel kann Sonntagsschule angeboten werden. Das neue Mitglied soll zum Diener heranwachsen und dafür zugerüstet werden.
Komm und bleib bei mir (Dienen – Leiten – Gehen)
In den Diensten (innere Dienste für die Gemeinde und äußere Dienste in Outreach und Diakonie) soll das Mitglied dann zum Leiter (wissen – tun – sein) heranwachsen und Dienste ausbauen, neue Dienste starten oder auch ausgesandt werden für eine neue Gemeindegründung.
Wenn wir Leiter ausbilden schauen wir primär auf den Charakter und erst in zweiter Linie auf deren Fähigkeiten. Christliche Leiter leiten mehr mit ihrem Charakter als mit ihren Fähigkeiten. In den folgenden vier Bereichen müssen Leiter wachsen. Um diese Ergebnisse zu erzielen sollte die Gemeinde einen Plan haben wie das kultiviert wird.
1. Vision
Der Leiter muss Christus und seiner Gemeinde hohe Hingabe und Priorität eingeräumt haben. Er muss wie die übrigen Leiter zu einem großen Teil von der Vision und Philosophie des Dienstes (Evangelisation, Lehre und Jüngerschaft, Anbetungsstil, Gemeinschaft, Soziales, Missionsfokus, etc.) überzeugt sein. Er sollte die gleiche Art von Kirche bauen wollen wie der Pastor und die Ältesten. Er sollte die gleichen theologischen Überzeugungen und Betonungen haben besonders in kontroversen Bereichen (Charismatische Gaben, Calvinismus, Rolle der Frau, etc.).
2. Geistliche Reife
- Selbstführung – Nicht von Umständen bestimmt, Dinge zeitgerecht und kompetent erledigen, Konsistenz
- Zwischenmenschliche Reife – sensibel und höflicher Umgang, gewinnend und entspannt in Konfrontationen, guter Zuhörer, belehrbar, geduldig und warmherzig
- Evangeliums Zuversicht – großzügiger und gütiger Geist, stabiles Gemüht das nicht von jedem Rückschlag aus der Bahn geworfen wird, gerne Buße tun, nicht zum Selbstmitleid neigend.
- Geistliche Disziplin – konsistent im Gebet und Bibelstudium, Bibelwissen, reifer Umgang mit Versuchungen, Freiheit von gewohnheitsmäßiger Sünde, Keine unversöhnten Beziehungen in der Gemeinde, gute Rechenschaftsbeziehungen.
- Biblische Weisheit – Das Evangelium und die grundlegende biblische Lehre kennen, Weltanschauung und Apologetik, Gott kennen und mit ihm wandeln, geistliches Wachstum, Beruf, geistliche Gaben, Verwalter, Dienst am Wort und in Tat.
3. Fähigkeiten und Talent
- Evangelisation – Menschen für Christus gewinnen
- Jüngerschaft – Neue oder unreife Gläubige in ein wachsendes christliches Leben hineinführen.
- Ermutigen/Mentoring – An die Seite eines Bruders treten und ihm wachsen helfen, revitalisieren, zum Leiter ausbilden.
- Trösten – Die leidenden und belasteten stärken.
- Ermahnen – Die Rückfälligen, Versuchten oder die Unreifen warnen, verantwortlich halten und gewinnen.
- Fürsorge – diakonische Fähigkeiten, Zuhören, Anteilnahme, weise Ratschläge und praktische Lösungsansätze.
- Seelsorge – weiser spezifischer Rat, persönliche Probleme analysieren und lösen.
4. Führungsqualitäten
- Katalysieren – Fähig im visionärem Denken, eine Gruppe leiten um Ziele und die Vision zu entwickeln und sie dafür zu gewinnen und zu motivieren.
- Organisationstalent – Die richtigen Menschen für die richtigen Diensten finden und gewinnen.
- Die Fähigkeit Dienste und Programme zu planen und am Laufen zu halten. Supervision und Motivation von freiwilligen Mitarbeitern. Konflikte lösen
Arbeitsauftrag: Lies Apostelgeschichte 20,18-36 und mach eine Liste von Charaktereigenschaften die Paulus von christlichen Leitern erwartet.
Diese Leiter können nach Training, Mentoring, Ausbildung etc. dann zu Ältesten oder Diakonen ordiniert werden. Warum Leiter ordinieren? Titus 1,5; Epheser 4-7,11; Hebräer 13,17 Älteste Anforderungen 1. Timotheus 3,1-7; Titus 1,5-7. Diakone Anforderungen 1. Timotheus 3,8-13; Apostelgeschichte 6,1-8.
Dieser ganze skizzierte Prozess muss von ständigem Gebet begleitet sein denn bei all unseren Bemühungen ist es Gott allein der das Leben und Wachstum gibt (1. Korinther 3,6). Diese nötige geistliche Erneuerung sehen wir uns im nächsten Artikel genauer an.
