Gemeindegründung – 8 – Start der Gemeinde – 1. Evangelisation

Endlich kommen wir nach viel Vorarbeit, Denken und Planen zum öffentlichen, offiziellen Start der Gemeinde. Laut Tim Keler ist es in den ersten Tagen, Wochen und Monaten besonders wichtig die Richtung und den Ton der Gemeinde richtig zu setzen. Es geht darum die Kultur die herrschen soll zu kultivieren. Was sich in dieser Zeit festsetzt wird weiter gehen. Drei Punkte sind dabei Essentiell.
- Evangelisation
- Jüngerschaft
- Leiter ausbilden und aussenden
Wenn diese drei Punkte von Anfang an in der Geburtsstunde der Gemeinde vorhanden sind werden sie auch weiterhin bestehen können. Fehlen sie wird die Gemeinde denken, dass sie nicht zur DNA der Gemeinde gehören und damit optional sind.
Evangelisation
Es sollte von Anfang an eine Grundeinstellung und Erwartung zur Evangelisation an alle Gemeindemitglieder kommuniziert werden. Wir sind alle Teil des Missionsauftrags und Menschen mit Jesus bekannt zu machen ist die Kernaufgabe der Kirche von der wir alle Glieder sind. Wir wollen alle unsere Beziehungen und besonders unsere Freundschaften in diesem Kontext sehen. Zweitens sollen auch gerade die Gottesdienste evangelistisch sein. Wir haben schon darüber beschrieben, dass sie nicht auf die Ungläubigen ausgerichtet werden können aber, dass wenn sie auf Gott ausgerichtet werden Ungläubige angezogen und Gläubige erbaut werden. Wichtig ist dabei jedoch, dass sie verständlich und klar für alle sind. Evangelistische Anbetung wird dazu führen, dass die Gemeindemitglieder sagen: „Ich möchte, dass meine Freunde das sehen und hören!“
Dafür muss die Predigt die Nöte und Sorgen der Menschen aufnehmen und ernst nehmen und dann klar zeigen, wie das Evangelium die Antwort darauf ist. Der Prediger muss mit den Menschen in seiner Umgebung reden damit er die Nöte und Bedürfnisse verstehen kann. Wenn er ihren Deutungsrahmen versteht kann er verständlich kommunizieren und zum Beispiel beim Skeptiker, Zweifel am Zweifel streuen. Damit sind die Prediger auch Vorbild für die Versammlung und diese lernen wie man die Nöte seiner Freunde und Familie angeht und das Evangelium darauf anwendet. Die Predigt muss ständig evaluiert werden ob Christen und Nichtchristen herausgefordert werden.
Gebetstreffen und das öffentliche Gebet sollte einen starken evangelistischen Fokus haben damit auch so klar wird, was uns wirklich wichtig ist. In Apostelgeschichte 4, 2. Mose 33 und Nehemia 1 haben wir Beispiele wie Gebet mit dieser Absicht aussehen kann. Es ist fokussiert auf das Wachstum des Reich Gottes und nicht nur die Erhaltung des Status quo.
- Sündenbekenntnis – persönlich, als Gemeinde und als Nation.
- Leidenschaft – Gemeindewachstum, Verlorene erreichen, Gott kennen.
Andere evangelistische Aktivitäten Büchertisch, Traktate, Straßenevangelisation, Vorträge oder Veranstaltungen können ergänzend eingesetzt werden und sollten regelmäßig evaluiert werden.
Evangelisation sollte als ein Prozess und nicht als ein Event verstanden werden. Die meisten Menschen brauchen immer wieder Kontakt mit dem Evangelium bis sie soweit kommen es anzunehmen. Die Evangelisation hat eine starke apologetische Komponente. Alle Gemeindeglieder müssen darin ausgebildet sein damit sie wissen wie sie auf Einwende antworten sollen und ihren Glauben rational verdeitigen können.
Kleingruppen sind besonders gut geeignet die Bibel ins Leben der Menschen zu bringen und dann in der Gemeinschaft anzuwenden.
Start-Team
Um eine Insider-Outsider-Dynamik zu vermeiden empfiehlt es sich nicht ein Kernteam zu gründen das für immer bestehen wird sondern ein Start-Team das aufgelöst wird sobald die Gemeinde gegründet ist. Durch die Auflösung können die Mitglieder des Teams Kleingruppen bilden und ihr Wissen und ihre Fähigkeiten weitergeben.
Himmelreich zentriertes Gebet
In Apostelgeschichte 4, Exodus 33 und Nehemia 1 finden wir Beispiele für eine Art von Gebet die nicht primär auf uns selbst und unsere Bedürfnisse sieht sondern auf Gott und sein Reich. Es geht dabei nicht nur darum den Status quo zu erhalten sondern leidenschaftlich Gott für die Bekehrung der Welt zu bestürmen.
- Beginne mit Sündenbekenntnis – Was steht seinem Reich im Weg?
- Leidenschaftliche Fürbitte – Das Gemeinden wachsen und Verlorene erreicht werden und sich bekehren.
- Verlangen Gott tiefer zu kennen – Das seine Gegenwart in der Gemeinde offenbar ist.
Wir wollen konstant und freimütig vor den Thron Gottes treten und ihm seine eigenen Verheißungen vorlegen. Solches Gebet hat als Nebeneffekt, dass es der Gemeinde kommuniziert was uns wichtig ist und hilft diesen Fokus zu halten.
Bemühe dich auch z.B. 100 Gebetspartner zu finden die auf dem Laufenden gehalten werden und für die junge Gemeinde beten.
Evangelistische Anbetung
Doxologische Evangelisation passiert wenn wir in unseren Gottesdiensten primär auf Gott sehen. Wenn wir uns auf ihn sein Wesen, sein Evangelium ausrichten dann werden Christen erbaut und Nichtchristen werden herausgefordert. Wenn die Kirche Feuer fängt wird die Welt kommen um sie brennen zu sehen. Es geht nicht darum sich wie es in der Seeker-Friendly-Church üblich ist sich ganz an die Ungläubigen und ihre Erwartungen anzupassen damit sie sich wohlfühlen, denn dadurch werden sie nicht verändert. Sondern es geht darum sie herauszufordern in ihren Denkmustern und Lebensstil und dadurch lernen auch die Gemeindemitglieder wie man das macht. Zum einen heißt das für die Predigt, dass man sich schon bei der Vorbereitung die Vorannahmen und Denkmuster der Menschen vor Augen halten muss. Die säkularen Prämissen müssen angesprochen und widerlegt werden. Gottesdienst und Predigt sollen so gehalten werden als ob 100 Skeptiker im Raum sitzen würden. Denn nur so werden einmal 100 Skeptiker im Raum sitzen. Nichtchristen werden nur in unseren Gottesdiensten sein wenn sie mitgebracht werden und sie werden nur mitgebracht wenn sich die Mitglieder denken: „Das sollte mein Nachbar einmal hören!“. (1.Korinther 14,24-25 Apostelgeschichte 2,12+37 1.Korinther 14,25) Unverständlicher religiöser Jargon und Klischees müssen vermieden werden. Grundlegende theologische Konzepte und Wörter wie Sündenbekenntnis, Lobpreis, Dankbarkeit, Sühne müssen einfach erklärt werden. Nach 1. Petrus 3 sollte all dies mit Respekt und Ernsthaftigkeit dem Ungläubigen und seiner Weltanschauung gegenüber passieren. Dies sollte geschehen in dem mögliche Einwände artikuliert werden. Zum Beispiel: „Du bist dir nicht sicher ob du das glauben kannst….“ oder “ Vielleicht sagst du dir …..“. Unser Werben um die Verlorenen sollte mit Mitgefühl über ihre Nöte geschehen und die nötige Ermahnung über ihre Selbstsüchtigkeit mit Tränen dargebracht werden.
Für den Gottesdienstablauf die Liturgie bedeutet das dass alles was wir tun verständlich und klar kommuniziert werden muss. Jeder Teil der Liturgie sollte in 1-2 Sätzen erklärt werden. Tim Keller bringt als Beispiel das Sündenbekenntnis: „Wir Christen verdrängen unsere Schuld nicht und rechtfertigen sie auch nicht sondern wir bekennen sie. Wenn du deine Schuld verleugnest wirst du nie davon frei werden.“ Ein geregelter Ablauf der offen kommuniziert wird (z.B. in einem Handzettel) hilft das sich Besucher zurecht finden. Spontanität oder „Freiheit“ im Gottesdienst machen es schwer für Außenstehende und Kinder zu folgen.
Ein weiterer Punkt ist die Qualität mit der alles gemacht wird. Wenn die Anbetung Gottes das höchste und wichtigste in unserem Leben ist dann sollte unser Gottesdienst in allen Bereichen dies ausdrücken. Dies gilt besonders auch für die Musik und das Ambiente. Kunst spricht die Fantasie der Menschen an und auch wenn sie auf der intellektuellen Ebene ganz verhärtet sind können sie dafür offen sein. Auch die Dienste der Barmherzigkeit die die Gemeinde vollbringt sollten gewürdigt und gefeiert werden, dies zeigt den Außenstehenden auch, dass wir auch umsetzen was wir predigen.
Die Sakramente Taufe und Abendmahl sollen verwendet werden um das Evangelium klar zu machen. Sie sind sozusagen dramatische Darstellungen des Evangeliums oder fleischgewordenes Evangelium. Dazu müssen sie erklärt werden. Das Abendmahl stellt allen Menschen jeden Sonntag die Frage bist du im Reinen mit Gott? Dies ist ein natürlicher Platz um die Besucher aufzufordern Christus anzunehmen (1.Korinther 14, 24-25). Zum Beispiel: „Nimm Christus, nicht das Brot – wenn du ihn noch nicht kennst.“
Gnade allein soll der immer wiederkehrende Kern der Predigten sein. Das Evangelium von der reinen Gnade wird Gläubige erbauen und demütig halten (Titus 2,11-13) und Ungläubige herausfordern und überraschen. Insofern sollte jede Predigt auch für sich allein stehen können.
Einige Menschen werden so im Gottesdienst zum Glauben kommen aber viele werden Nachsorge brauchen. Eine gute Möglichkeit ist nach dem Gottesdienst in einem kleinerem Rahmen Raum für Fragen zu geben. Außerdem sollten die Besucher zum Essen eingeladen werden. Dadurch kann eine Beziehung entstehen und die Außenstehenden den Glauben in Aktion sehen. Sie sollte auch zur Kleingruppe eingeladen werden wo in der Gemeinschaft Jesus Christus erfahrbar wird.
Diese Kleingruppen haben den Zweck alle Mitglieder mit pastoraler Fürsorge zu erreichen damit sie im Glauben wachsen können. In der Anbetung, dem Bibelstudium und dem persönlichem Austausch kann dies geschehen. Dabei werden die Gaben aller Gläubigen zum Einsatz kommen und jeder kann dem anderen hier dienen und auch lernen zu dienen. Dies entspricht auch dem biblischen Muster, das wir in Apostelgeschichte 2 sehen. Neben dem Tempeltreffen, gab es Treffen in „Hauskirchen“ wo jeder Diener war (1.Korinther 14 + 16,19; Römer 16,5; Apostelgeschichte 2,24ff; 20,20). Was kann ich beitragen zum Bau der Gemeinschaft? Zwei Extreme die vermieden werden müssen sind Pietismus, dass wir uns nur um uns selbst unsere Erfahrung unser „geistlichsein“ drehen und auf der anderen Seite der Aktionismus, dass wir uns in der Arbeit für Gott in Evangelisation, Diensten den Barmherzigkeit oder politischem Engagement verlieren.
Diese Kleingruppen haben nicht nur eine evangelistische Funktion sondern stellen auch den Übergang zur Jüngerschaft dar und sind der organische Kontext in dem Leiter heranwachsen sollen. Damit geht es im nächsten Artikel weiter.
Vergleiche Tim Keller – Churchplanter Manual.
