Der Großinquisitor – Dostojewski
The Grand Inquisitor – John Gielgud
Die Tragödie des Großinquisitors besteht darin, dass er neunzig Jahre damit verbracht hat, Christi Werk aus Liebe zur Schwäche der Menschheit zu korrigieren. Er klagt den schweigenden Christus an, zu viel verlangt zu haben—freie Wahl zu fordern, wenn die Menschen Sicherheit begehren, Brot nur denen anzubieten, die ihm frei folgen, Wunder und Spektakel abzulehnen. Also hat der Inquisitor übernommen, was Christus zurückwies: Schwert, Mysterium und Wunder, um die Massen zu führen, die das schreckliche Gewicht der Freiheit nicht ertragen können. Doch Christi einzige Antwort ist ein Kuss auf jene uralten Lippen, und er brennt. Der Inquisitor lässt ihn trotzdem frei, zurück in die dunklen Gassen. Freiheit kann nicht widerrufen werden, selbst von jenen nicht, die behaupten, sie zu unserem eigenen Wohl abzuschaffen. Die Kirche, die Menschen vor der Wahl bewahrt, hat selbst gewählt, und Christi Schweigen spricht das Urteil: Liebe, die zwingt, ist überhaupt keine Liebe.
Claude
