Gemeindegründung – 11 – Geistliche Erneuerung

Das Werk der Gemeindegründung ist ein übernatürliches Werk. Nur der Geist Gottes kann Menschen mit Christus verbinden, sie erneuern, ihr Leben verändern und sie zu neuen Menschen machen und sie in einer Gemeinde sammeln. Dies gilt einmal für den Anfang der Gemeinde aber auch dann für jeden weiteren Tag. Um als Versammlung dynamisch zu sein und zu wachsen muss individuell und gemeinschaftlich Erneuerung erfahren werden. Dies geschieht wenn sich Christen durch den Heiligen Geist als vergebene Sünder die in Christus gerechtfertigt sind sehen. Darin liegt die Kraft die den einzelnen und die Gemeinde erweckt und attraktiv macht.

Erneuerung oder Erweckung ist ein Werk Gottes durch das er die Kirche schön macht und bevollmächtigt in dem er die normalen Wirkungen des Geistes intensiviert in:

  1. Überführung von Sünde
  2. Freude und Sicherheit in der Gnade und Liebe des Vaters
  3. Zugang zur Gegenwart Gottes

Voraussetzung dafür sind die reine Lehre des Evangeliums und ein Gebetsleben das Gott und sein Reich sucht. Dies bedeutet nicht, dass eine absolute Reinheit in allen Punkten der Lehre nötig ist damit Gott Erweckung schenkt, denn sonst würde er nie Erweckung schenken. Aber der grundlegende christliche Glaube wie er im apostolischen Glaubensbekenntnis zusammengefasst ist und fundiertes Verständnis des Evangeliums selbst sind Voraussetzung dafür. Man kann dies auch in der Geschichte sehen wie z.B. irrlehrerische Gruppen wie die Zeugen Jehovas, Unitarier, liberale Protestanten oder Mormonen von diesen Erweckungen ausgeschlossen sind während christliche Kirchen die Zeiten der Erneuerung erleben egal ob es die lutherische Reformation war, die walisische Erweckung, Erweckung bei den Methodisten oder die große Erweckung bei den Puritanern in der neuen Welt.

Es geht bei der Reinheit der Lehre nicht nur um die intellektuelle Zustimmung und Korrektheit sondern auch um das schmerzliche Bewusstsein, das Wahrheit alleine nicht reicht sondern die Augen des Herzens durch den heiligen Geist geöffnet werden müssen, damit die Lehre lebendig und herrlich erscheint. Es geht um lebendige Orthodoxie (Rechtgläubigkeit).

Folgen davon sind:

  1. Begeisterung und Freiheit in der Anbetung
  2. theologischer Tiefgang
  3. sichtbare Liebe zueinander
  4. Menschen ständig auf Gott hinweisen
  5. evangelistischer Eifer
  6. Menschen die sich sozial einsetzen

Zeichen von toter Orthodoxie (Rechtgläubigkeit) auf der anderen Seite sind nach Tim Keller (CPM 2002 p. 203):

  1. Mehr Betonung auf die Verteidigung der Wahrheit als auf die Verkündigung der Wahrheit. Mehr Angriffe auf falsche Ansichten als darauf Sünder für Christus zu gewinnen. Selbstgefälligkeit denen gegenüber die nicht die „richtigen“ Ansichten haben.
  2. Starker Widerstand dagegen Dienste oder den Gottesdienst zu verändern.
  3. Inspirierende allgemein gehaltene Predigten, die niemanden herausfordern oder verärgern. Der Prediger muss entweder nett sein und darf niemanden beleidigen oder er wird kontrollierend.
  4. Tendenz zu Tratsch und Zensur.
  5. Bedürfnis nach Kontrolle und Sicherheit. „Es darf sich nichts ändern.“
  6. Pessimismus in Planung und Erwartung des Einflusses der Gemeinde.
  7. Skepsis gegenüber geistlichen Erfahrungen, Rechenschaft und Selbstprüfung.
  8. Totaler Fokus auf die bestehenden Mitglieder und den Erhalt der Institution.
  9. Fehlende Beteiligung der Laien am Dienst der Gemeinde.
  10. Ungeschrieben Gesetze über Verhalten und kulturelle Formen.

Es geht um ein Wiederentdecken oder neu Entdecken des Evangeliums. Genauer gesagt geht es um eine ausgewogene Sicht des Evangeliums. Wir müssen sowohl Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit als auch seine Güte und Liebe betonen. Nur so wird das Paradoxon der Gnade auch wirklich wunderbar hervorleuchten.

Zweitens wird Erweckung ausbleiben wenn wir oberflächlich in unserer Theologie des Evangeliums bleiben oder oberflächlich in unserer geistlichen Hingabe. Das Evangelium ist eine Wahrheit aber diese Wahrheit will nicht nur in ihrer tiefe studiert werden sondern auch im Leben durch den Heiligen Geist erfahren werden.

Es geht um Ausgewogenheit. Wo würdest du deine Gemeinde einordnen? Wo steht ihr? Vgl Timothy Keller CPM

Persönliche Erneuerung

Die Dynamik der individuellen Erneuerung beginnt mit Buße. Buße kommt vom griechischen Metanoia was umdenken bedeutet. Der Punkt in dem wir umdenken müssen ist unser falsches Verständnis von freier Gnade. Sünde kommt von der Rebellion gegen die freie Gnade (Sehe ich warum ich bestimmte Sünden begehe?). Wir glauben nicht wirklich, dass Gott so gut ist und es wirklich gut mit uns meint, uns gnädig ist. Wenn wir das sehen kommen wir zum zweiten Schritt. Wir bekommen einen neuen Glauben und eine neue Freude am Evangelium und eine tiefere Gemeinschaft mit ihm (1. Johannes 1,3).

Gemeinschaftliche Erneuerung

Das Evangelium auf eine Gemeinde anzuwenden ist im Prinzip nicht anders als im persönlichen Leben. Zum einen gehört auf Gottesreich zentriertes Gebet dazu das uns Appetit macht auf das was Gemeinde sein könnte. Es soll eine Vision setzen für eine tiefere Gemeinschaft voll von Gottes Gegenwart. Das andere ist tiefgehende Evangeliumsverkündigung. Damit ist nicht nur die Predigt gemeint sondern auch persönliche Gespräche, Hauskreise, Seelsorge und Familienandacht. Es geht in der Verkündigung darum die richtige Balance zwischen Gottes Heiligkeit und seiner Liebe zu finden. Diese Ausgewogenheit wird zu einer Gemeinde führen die:

  • Tiefe Lehre und enge Beziehungen,
  • Wortverkündigung und gute Taten,
  • ordentlicher Gottesdienst und kreative Freiheit,
  • Geist und Wahrheit zusammenhält.

Arbeitsblatt: Geistliche Erneuerung evaluieren

im Keller CPM 2002 p. 185 Bewerte dich und deine Gemeinde auf einer Skala von 1 bis 5.

Voraussetzungen:

  • Gesetz-Liebe-Achse: Ich wachse im Verständnis der Gnade Gottes in ihrer ganzen Tiefe.
  • Theologie-Spiritualität-Achse: Wahrheit führt mich in eine Begegnung mit dem lebendigen Gott.

Individuelle Erneuerung:

  • Buße: Ich sehe warum ich bestimmte Sünden tue.
  • Glaube: Gott gibt mir Zuversicht und ein tiefes Bewusstsein seiner Liebe.

Gemeinschaftliche Erneuerung:

Ansaugen/Verdichtung:

  • Ich bin fokussiert auf Gebet das Gottesreich im Zentrum hat und seine Ehre sucht.
  • I predige die reine Lehre und persönliche Anwendung der Wahrheit auf Herz und Leben.

Verbrennung:

  • Gottes Volk zeigt die Schönheit Christi in Demut und mit Freimütigkeit.
  • Die Gemeinde wächst durch ständigen Zustrom von Neubekehrten.

Antriebstakt

  • Christen geben sich für den Dienst in der Nachbarschaft und in allen Bereichen (Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst, etc.) werden die Werte des Reichs hochgehalten.

Kennzeichen

  1. Dogmatisch und starke Beziehungen: Wir erfahren tiefe Lehre und wachsende Beziehungen.
  2. Wort und Tat: Wir betonen Evangelisation und Dienste der Barmherzigkeit.
  3. Predigt von Lehre mit Anwendung, Gesetz und Evangelium, Wärme und Autorität.
  4. Geordnet und doch frei: Während wir an der biblischen Wahrheit festhalten sind wir kulturell flexibel.
  5. Anbetung in Geist und Wahrheit: Unsere Anbetung ist sowohl erwartungsvoll als auch dynamisch.

Bei allem gesagten ist uns bewusst, dass wir nur das Brennholz auf dem Altar sammeln können und das Feuer der Erweckung schließlich von Gott kommen muss. Das Gebet führ uns in diese Abhängigkeit von Gott. Besonders das Gebt das auf sein Reich fokussiert ist, das nicht auf Erhaltung des Status Quo’s abzielt sondern freimütig Gott bestürmt und seine Verheißungen von ihm einfordert zu seiner Ehre und zum Heil der Menschen (Apostelgeschichte 4, 2.Mose 33, Nehemia 1). Jack Miller charakterisiert dieses Gebet durch die folgenden 3 Punkte:

  1. Bitte um Gnade unsere Sünde zu sehen und bekennen zu können.
  2. Eine Leidenschaft und Eifer für das Gedeihen der Gemeinde und für die Verlorenen.
  3. Eine Sehnsucht nach Gott danach ihn wirklich zu kennen, sein Angesicht und seine Herrlichkeit zu sehen.

Diese Art von Gebet muss andauernd und in der Gemeinschaft stattfinden damit es uns verändert. Es wird uns von der Freudlosigkeit zur Buße rufen. Sowohl als Individuen, als Gemeinde und auch als Nation. Diese Art von Gebet sollte Gebetserhörungen feiern und dafür müssen die Anliegen aufgeschrieben werden. Die Leitung muss um dieses Gebet zu befeuern der Gemeinde eine Vision davon vor Augen malen, was die Gemeinde sein könnte, wie die Nachbarschaft sein könnte wie das Land und die Welt sein könnten wenn Gott Erweckung schenkt.

Das Gebet im Gottesdienst soll Vorbild und Beispiel für diese Art von Gebet sein aber der Brennpunkt wo dieses Gebet praktiziert werden soll sind die Kleingruppen und Familien. Dort kann freudig mit geistlichem Ernst, Sünde bekannt werden, Gewissheit der nähe Gottes erfahren werden und mit Freimütigkeit der Thron der Gnade bestürmt werden. Und wenn die Kirche feuer fängt wird die Welt kommen um sie brennen zu sehen (Apostelgeschichte 2,42-47, 1. Korinther 14,24-25). Dann kann von innen nach außen Wachstum geschehen. Zuerst persönliches Wachstum in der Sündenerkenntnis und der Gotteserkenntnis, dann als Gemeinde, dann als Anziehungspunkt für die Welt und dann die Gesellschaft.

Die Erweckung kann sich dann verfestigen und zur Reformation werden wenn aus diesem Wirken Gottes Strukturen entstehen. Aus der tiefen Theologie heraus Schulen, soziale Dienste, Gemeinden, Bibelschulen, Universitäten usw.

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