Der singende Gott – Peter Leithart

Die Musik bewegt uns, weil sie Gott bewegt. Sie bewegt uns, weil Gott musikalisch ist, und Musik führt uns an die Grenzen der Schöpfung und gewährt uns Einblicke in das, was hinter dem Schleier liegt.

Der Vater singt Sein ewiges Wort in der Musik Seines Geistes. Das Lied der Dreifaltigkeit begann nicht erst, als der Vater das erste „Es werde Licht“ sang.

Der dreieinige Gott singt seit Ewigkeit und wird bis in alle Ewigkeit singen. Wir könnten sogar noch einen Schritt weiter gehen: Das Leben Gottes ist musikalisches Leben. Und da Gott Sein Leben ist, ist Gott Musik.

Wir müssen uns Gott immer anhand geschaffener Dinge vorstellen. Das ist völlig in Ordnung. Geschaffene Dinge existieren, um die Herrlichkeit Gottes zu offenbaren. Wir verwenden kosmomorphe Sprache für Gott, gerade weil die Schöpfung theomorph ist. Aber wir stoßen auf Probleme, wenn wir versuchen, visuelle oder räumliche Metaphern für die Dreifaltigkeit zu finden. Sind Vater, Sohn und Heiliger Geist wie Wasser, Eis und Dampf? Nein, Patrick; das ist Modalismus. Drei tanzende Personen? Nein; das ist Tritheismus. Ein dreiblättriges Kleeblatt? Wieder Modalismus, Patrick.

Was passiert, wenn wir statt visueller Metaphern musikalische Metaphern ausprobieren? Denk an einen Akkord. Verschmelzen die Töne zu einem einzigen Klang? Nein; sie bleiben unterscheidbar. Zieht ein Ton die Aufmerksamkeit auf sich und raubt den anderen Tönen ihre Lebendigkeit? Nein; jeder Klang erklingt durch die anderen Klänge hindurch; jeder verstärkt jeden anderen; jeder ist, was er ist, jeder ist mehr als er ist, weil er mit den anderen verbunden ist. Kämpfen die Töne um Raum? Nein; sie harmonieren friedlich miteinander. Musik ist ein Tanz der Klänge, ein Tanz, bei dem man den Tänzer nicht vom Tanz unterscheiden kann. Alle drei Klänge nehmen genau denselben Raum ein. Alle drei Töne füllen den gesamten Raum aus. Anders als feste Objekte nehmen sie denselben Raum ein, ohne sich gegenseitig zu verdrängen.

Stell dir drei Menschen vor, die gleichzeitig verschiedene Dinge sagen. Das nennt man Chaos. Dann stell dir drei Menschen vor, die gleichzeitig verschiedene Dinge singen. Das nennt man Oper. Peter Leithart