Rechtfertigung 400 ad Ambrosiaster
Paulus sagt niemals, dass sie vor Gott nicht gerechtfertigt werden, weil sie das Gesetz der Gerechtigkeit in den Geboten nicht gehalten haben, sondern weil sie sich geweigert haben, an das Sakrament des Geheimnisses Gottes zu glauben, das in Christus ist. Denn Gott hat verkündet, dass sie durch Christus gerechtfertigt werden sollen und nicht durch das Gesetz, das zwar für eine gewisse Zeit rechtfertigen mag, aber nicht vor Gott. Darum werden diejenigen, die das Gesetz halten, zeitlich gerechtfertigt, nicht vor Gott, denn der Glaube, durch den sie vor Gott gerechtfertigt werden, ist nicht in ihnen. Denn der Glaube ist größer als das Gesetz. Das Gesetz betrifft uns, der Glaube aber betrifft Gott. Das Gesetz hat eine zeitliche Gerechtigkeit, der Glaube aber eine ewige. Wenn Paulus „alles Fleisch“ sagt, meint er jeden Menschen … aber wenn er „im Fleisch“ sagt, meint er diejenigen, die an die Sünde gebunden sind. Denn so wie die Gerechtigkeit sie geistlich macht, so machen auch die Sünden sie fleischlich, und sie nehmen den Namen von der Tat. Durch den Glauben wird das Gesetz aufgehoben, und der Glaube folgt dann. Was ist nun dieses Gesetz, durch das, wie er sagt, die Sünde offenbar wird? Wie wird sie offenbar? Es ist offensichtlich, dass die Patriarchen lange vor Mose die Sünde nicht kannten. Josef wurde ins Gefängnis geworfen, wenn auch durch die Bosheit anderer, und sowohl der Mundschenk als auch der Bäcker des Pharaos waren wegen ihrer Sünden im Gefängnis. In welcher Weise schlummerte die Sünde also? Tatsächlich hat das Gesetz drei Aspekte. Der erste betrifft das Geheimnis der Göttlichkeit Gottes. Der zweite ist das, was nach dem Naturgesetz angemessen ist, welches die Sünde verbietet. Und der dritte sind die Werke des Gesetzes, z. B. Sabbate, Neumonde, Beschneidung usw. Hier bezieht sich Paulus auf das Naturgesetz, das von Mose teils reformiert und teils bestätigt wurde, welches allen, die in Bosheit gefangen waren, die Sünde offenbarte…. Das Gesetz zeigt das kommende Gericht Gottes und dass kein Sünder der Strafe entkommen wird, falls jemand, der eine Zeit lang entkommen ist, denkt, das Gesetz sei eine Illusion. Das ist es, was das Gesetz zeigt: dass die Sünde von Gott geahndet wird. Kommentar zu den Paulusbriefen. Ambrosiaster 400 n. Chr.
