Calvin über klassische Bildung
Wenn wir also profane Autoren lesen, sollte uns das bewundernswerte Licht der Wahrheit, das in ihren Werken zum Vorschein kommt, daran erinnern, dass der menschliche Verstand, so sehr er auch von seiner ursprünglichen Unversehrtheit abgefallen und verdorben sein mag, dennoch mit bewundernswerten Gaben seines Schöpfers geschmückt und ausgestattet ist.
Wenn wir bedenken, dass der Geist Gottes die einzige Quelle der Wahrheit ist, werden wir darauf bedacht sein – da wir es vermeiden wollen, ihn zu beleidigen –, die Wahrheit nicht abzulehnen oder zu verurteilen, wo immer sie auch erscheinen mag.
Indem wir die Gaben verachten, beleidigen wir den Geber.
Wie können wir dann leugnen, dass die Wahrheit auf jene alten Gesetzgeber gestrahlt haben muss, die die zivile Ordnung und Disziplin mit so viel Gerechtigkeit geregelt haben? Sollen wir behaupten, dass die Philosophen in ihren ausgefeilten Forschungen und ihrer gekonnten Beschreibung der Natur blind waren? Sollen wir denen, die Regeln für den Diskurs aufstellten und uns lehrten, im Einklang mit der Vernunft zu sprechen, den Besitz des Verstandes absprechen? Sollen wir behaupten, dass jene, die durch die Pflege der Heilkunst ihren Eifer zu unserem Wohl einsetzten, nur im Wahn schwelgten? Was sollen wir von den mathematischen Wissenschaften sagen? Sollen wir sie als Träume von Wahnsinnigen betrachten? Nein, wir können die Schriften der Alten zu diesen Themen nicht lesen, ohne höchste Bewunderung zu empfinden; eine Bewunderung, die uns ihre Vortrefflichkeit nicht vorenthalten lässt.
Aber sollen wir irgendetwas als edel und lobenswert erachten, ohne es auf die Hand Gottes zurückzuführen? Fern sei uns solche Undankbarkeit; eine Undankbarkeit, die man nicht einmal den heidnischen Dichtern vorwerfen kann, die anerkannten, dass Philosophie und Gesetze sowie alle nützlichen Künste Erfindungen der Götter waren.
Da es also offensichtlich ist, dass Menschen, die die Heilige Schrift als „fleischlich“ bezeichnet, bei der Erforschung niederer Dinge so scharfsinnig und klarsichtig sind, sollte ihr Beispiel uns lehren, wie viele Gaben der Herr der menschlichen Natur belassen hat, obwohl ihr das wahre Gute entzogen wurde.
Institut 2.2.15 DeepL Übersetzung

