Leitung durch Älteste (Buchrezension)

In seinem Buch Leitung durch Älteste: Wie man Gottes Volk wie Jesus als Hirte leitet (Betanien Verlag, 2017) gelingt es Jeramie Rinne dem Leser vor Augen zu führen, worin die Berufung eines Ältesten liegt: Hirten der Gemeinde zu sein—mit Jesus Christus ihrem Oberhirten als Vorbild.

Dieses Buch ist herausfordernd. Schon gleich das erste Kapitel („Nimm nichts als gegeben an”) ist ein sehr herausforderndes Kapitel, das zur Selbstreflexion einlädt: In wiefern steuert man als Ältester nicht nur in der Gemeinde das bei, was die Welt von einer Person in Führung erwarten würde, sondern lebt man tatsächlich das treu aus, was Jesus als Hirte vorgelebt hat und was das Neue Testament als Qualifikation vorgibt (1. Tim. 3, 1-7)?

Dieses Buch ist klar biblisch fundiert. Rinne bringt Licht in einige der Missverständnisse und Verwirrungen darüber, was eigentlich die Aufgaben eines Ältesten sind und was sie zu tun haben. Häufig werden die weltlichen Vorstellungen von Leiterschaft aus der Wirtschaft und anderen Führungspositionen als das Profil für einen Ältesten übernommen. Als Rinne anfing sich mit dem Thema zu beschäftigen, musste er überraschend feststellen, wieviel zum Thema Ältesten und Hirten das Neue Testament enthält (fast jeder der Autoren des NT sagt etwas zu dem Thema) und was für eine zentrale Rolle dieses Amt der Ältesten in Gottes Plan für seine Gemeinde spielt. Er zeigt dann auf, wie häufig unsere Vorstellungen davon, wer qualifiziert ist, eine Gemeinde zu leiten, von den biblischen Vorgaben und Vorstellungen abweichen und betont, dass letztendlich Gottes Wort der Standard sein muss, anhand dessen wir überprüfen, ob dieser oder jener Kandidat für die Aufgabe der Gemeindeleitung in Frage kommt. In Kapitel 1 bespricht Rinne dann sechs Qualifikationen für einen Ältesten, die sich aus über zehn Bibelstellen ergeben.

Dieses Buch ist aufschlussreich. Kapitel zwei trägt die Überschrift: „Rieche nach Schaf”. In diesem Kapitel spricht Rinne das Problem an, wenn die Vorstellung aus der Geschäftswelt auf die Gemeinde übertragen wird. Rinne geht auf den Begriff „Pastor“ ein, was ja letztendlich nichts anderes bedeutet als „Hirte”. Hirte zu sein ist das Herzstück des Ältestendienstes—egal ob als Vollzeitler oder als Ehrenamtlicher. Diese Vorstellung vom Ältestendienst als Hirte Sein—statt z.B. als Vorstandsmitglieder des leitenden Gremiums der Gemeinde—bringt zwei klare Implikationen mit sich: Erstens stehen Älteste in enger Beziehungen zu den Gemeindemitgliedern und leben und wirken unter den Gemeindemitgliedern—selbst wenn sie sich dabei die Hände schmutzig machen müssen! Denn einem Hirten geht es mit seinen Schafen nicht anders. Zweitens dienen die Ältesten der Gemeinde mit dem Ziel, Gemeindeglieder in Christus reifen zu sehen. Genauso wie auch ein Hirte letztendlich das große Ziel verfolgt, gesunde Schafe zu hüten und heranwachsen zu sehen. Dabei ist die Versuchung groß, sich auf Programme zu konzentrieren und die Gemeinde als eine gut geölte Maschine am Laufen zu halten, statt um das geistliche Wachstum jedes einzelnen Mitglieds bekümmert zu sein.

Dieses Buch ist Segen spendend für jede Gemeinde, deren Ältesten sich die Stoßrichtung dieses Buch zu Herzen nehmen. In Kapitel vier („Den Streunern nachgehen”) geht Rinne auf interessante Verbindungen zwischen Gemeindezugehörigkeit und der Aufgabe von Ältesten ein. Mitglieder fallen nicht durch die Ritzen sondern trennen sich von der Herde, denn jedes Mitglied selbst hat die Verantwortung, bei der Herde zu bleiben. Aber gleichzeitig haben insbesondere die Ältesten als Hirten der Gemeinde die Aufgabe den irrenden Schafen nachzugehen. In diesem Kapitel spricht Rinne auch das Konzept der Gemeindemitgliedschaft an. Wenn es Christen gibt, die der Herr—als der Oberhirte—der Obsorge von Ältesten/Hirten anvertraut hat, dann muss es auch verbindliche Mitgliedschaft geben, um deutlich zu machen, für wen diese Ältesten/Hirten verantwortlich sind.

Gleichzeitig fordert Rinne in Kapitel fünf („Leiten ohne zu herrschen”) jede Gemeinde dazu auf, die Ältesten auch wirklich leiten zu lassen. Auch wenn es schon fast selbstverständlich ist: die Ältesten haben die Aufgabe zu leiten! Jeder der drei Titel für Älteste (Presbyter, Hirte, Bischof) deutet an, dass sie von Gott eingesetzt wurden um zu leiten. Und Rinne kommt zu dem Schluss:

„Autorität, ausgeübt von gottesfürchtigen, liebevollen Männern, bringt örtlichen Gemeinden Leben, Einheit und Wachstum. Und Gemeinden profitieren, wenn sie diese Autorität achten (Hebr 13, 17)” (S. 70).

Dieses Buch ist ermutigend. Als Einzelner dieser Verantwortung, Hirte der Gemeinde zu sein, gerecht zu werden muss erdrückend sein. Deshalb betont Rinne in Kapitel sechs („Hirtendienst im Team”) die Pluralität von Ältesten in einer örtlichen Gemeinde. Er erklärt, „Hirtenarbeit ist möglich, weil sie als Teamarbeit gedacht ist” (S. 80). Im Laufe des Kapitels geht er dann auf die Vorteile einer Pluralität von Ältesten ein: (1) Arbeitsteilung, (2) jeder Älteste dient entsprechend seinen Stärken, (3) die Ältesten sorgen gegenseitig geistlich für einander und (4) die Ältesten gleichen sich gegenseitig aus—Eisen schärft Eisen. Aber dieses Buch ist auch ermutigend, weil es in dem Leser den Wunsch erweckt, als noch besserer Hirte die eigene Familie und Gemeinde zu führen, zu begleiten und um sie besorgt zu sein.

Dieses Buch ist nicht nur für Älteste oder angehende Älteste zu empfehlen sondern auch für jeden einzelnen in der Gemeinde, der besser verstehen will, was der herrliche Plan Gottes für die Gemeinde ist und welche Rolle die Ältesten dabei spielen.

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