Jugendarbeit eine kurze Einführung

Als der ehemaliger Jugendleiter in meiner ersten Gemeinde sich das erste Mal bei den Ältesten vorstellte, endete er mit der scherzhaften Bemerkung: „Ich möchte noch anfügen, dass ich absolut gegen Kinderarbeit bin!“.  Der gut gemeinte Witz traf auf betroffene Stille. Die Stimmung war dafür einfach nicht entspannt genug, weil wie ich denke, ein grundsätzliches Verständnis für Jugendarbeit fehlte.

Hält Jugendarbeit nicht die Kinder und Jugendlichen vom Gottesdienst fern? Bleiben die Jugendlichen nicht Kinder, wenn sie nur unter sich sind? Wird damit nicht eine Parallel-Gesellschaft in der Gemeinde aufgebaut? Werden sie dadurch nicht von der richtigen Kirche abgehalten bzw. gegen sie aufgebracht?

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Diese und ähnliche Kritiken treffen sicher auf die ein oder andere Jugendarbeit zu, was aber nicht heißt, dass dies eine automatische Folge von Jugendarbeit ist. Im besten Fall ist Kinder- und Jugendarbeit in das Gesamt-Jüngerschaftskonzept von persönlichem Studium und Gebet, Familienandacht, Hauskreisen, Freundschaften (inkl. Mentoring), diakonischen Diensten und am wichtigsten dem Gottesdienst eingebettet. Im Idealfall trifft der Jugendpastor auf bereits von den Eltern in der Jüngerschaft angeleitete Jugendliche und baut darauf auf wovon dann der Jugendliche, die Eltern, die Gemeinde und die ganze Welt profitiert.

Meine Definition für Jugendarbeit ist die zielgruppenorientierte Jüngerschaft und Evangelisation von jungen Menschen.

Wir finden in der Bibel dieses Prinzip wenn Paulus den Frauen gebietet die anderen Frauen zu lehren (Titus 2,3.4). Die Bibel hat also kein prinzipielles Problem damit Teile der Gemeinde, die ähnliche Herausforderungen und Pflichten haben, als Gruppe zu lehren. So gesehen ist Jugendarbeit nichts besonderes.

Auf der anderen Seite ist Jugendarbeit etwas unfassbar besonderes, nämlich wenn man bedenkt, dass 70% aller Christen sich vor ihrem 18. Lebensjahr bekehren und zweitens sie ein unglaubliches Potential haben, da noch ihr ganzes Leben vor ihnen liegt. Drittens sind Jugendliche noch leichter zu lehren als Erwachsene, die schon viele einzementierte Meinungen haben. Viertens hat Gott durch die gesamte Geschichte hindurch besonders junge Menschen verwendet. Neben den üblichen Verdächtigen Josua, Kaleb, David und Timotheus waren aber zum Beispiel auch die zwölf Jünger sicher keine alten Männer, wie in vielen Jesus Filmen dargestellt. Wenn man bedenkt das z.B. Petrus und Johannes in der Mitte der 60er-Jahre des ersten Jahrhunderts noch fleißig und aktiv waren und Briefe schrieben, kann man sich bei der damaligen Lebenserwartung leicht ausrechnen wie jung sie in etwa waren als Jesus sie berief. Außerdem waren zumindest einige der Jünger nicht verheiratet und bei einem durchschnittlichen Heiratsalter von 21-22 Jahren zur damaligen Zeit auch sicher auf der jüngeren Seite.  Der große Vorteil der Jugend ist die Leidenschaft etwas ändern zu wollen und die Willigkeit Dinge zu hinterfragen und genau das ist es, was Gott schon immer verwendet hat.

Ich denke die größte Herausforderung für die Jugendarbeit in unserer Zeit ist Desinteresse. Frühere Generationen von Jugendlichen waren vielleicht noch ablehnend dem christlichen Glauben gegenüber aber für die heutigen Jugendlichen ist er einfach nur irrelevant. Was in erster Linie die Schuld der Gemeinden und Kirchen ist, die den Jugendlichen keinen lebendigen Glauben und keine innige Gemeinschaft vorleben und anbieten.

Photo by Jaco Pretorius on Unsplash

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