Linksammlung zu Johannes Hartl

Der charismatisch-katholische Theologe Johannes Hartl erfreut sich als Gründer des Augsburger Gebetshaus und als Leiter der „MEHR Konferenz“ gerade auch unter evangelikalen Christen immer größerer Beliebtheit.  Darum wollen wir hier einige Ressourcen zu seinen Lehren sammeln um eine differenzierte Auseinandersetzung zu erleichtern.

Beginnen wir mit einigen positiven Beiträgen. In der Auseinandersetzung mit Hans Zimmer zum Thema Homosexualität und liberaler Theologie können wir als reformatorische Christen Johannes Hartl geradezu auf ganzer Linie zustimmen.

Bleibt nur der von Zimmer aufgezeigte Ausweg, mit beinahe verzweifelter Berufung auf irgendeine „aktuelle Bibelforschung“, die angeblich all das zweifelsfrei bewiesen hätte, alle nun doch so eindeutigen Bibelstellen mit Biegen und Brechen so lange herumzudrehen, bis sie am Schluss endlich nicht mehr das sagen, was wir sie auf gar keinen Fall sagen hören wollen? Wenig überzeugend. Bekehrung zur Empathie auf hanniel.ch

Auch seine Kritik der Postmodernen Theologie teilen wir gerne. Wie schon J. Gresham Machen in seinem Buch „Christentum und Liberalismus“ sagte, haben wir mit den Katholiken eine gemeinsame Front gegen diese Bewegungen.

  1. Die gemeinsame Kultur ist das, was uns mit einer Personengruppe verbindet.
  2. Christlicher Glaube hat sich in jeder Epoche neu definiert.
  3. Wir leben in der Postmoderne.
  4. In der Postmoderne wird »absolute Wahrheit« unglaubwürdig.
  5. Religiöser (auch christlicher) Fundamentalismus führt zu Intoleranz.
  6. Das Evangelium muss so übersetzt werden, dass es eine gute Nachricht für alle ist.
  7. Das Neue Testament zeichnet unterschiedliche Bilder von Jesus und muss nicht wörtlich genommen werden. Aus Sieben Dogmen postmoderner Theologie verlinkt auf theoblog.de plus die neue europäische Ethik

Bei allen Gemeinsamkeiten und der Freude an einem christlichen Intellektuellen in unserer Zeit bleibt für uns Protestanten doch eine noch unüberbrückbare Kluft. Die Frage „was ist das Evangelium?“ Und genauer: „was ist die Rechtfertigung aus Glauben allein?“ Wird uns Christi Gerechtigkeit angerechnet (Imputation) oder macht er uns gerecht (Infusion)? Die Popularität von Johannes Hartl erklärt sich meiner Meinung nach durch die Entlehrung des evangelikalen Glaubens. Das Evangelium ist aus dem Zentrum des Glaubens gerückt und eine emotional schwärmerisches Bekehrungserlebnis an seine Stelle getreten.

Eine ausführliche Analyse liefert Uwe Brinkmann (via hanniel.ch) mit „Kathpop – und die evangelikale Krise am Beispiel der Mehrheitsmeinung zur MEHR2018„.

Als dogmatisch konservativer Katholik benutzt Hartl in seinen Ansprachen auch zentrale biblische Begriffe wie Kreuz, Glaube, Gnade, Erlösung oder Gebet. Allerdings füllt er sie in vielen Fällen anders als evangelikale Christen das gewöhnlich machen. Kathpop – und die evangelikale Krise am Beispiel der Mehrheitsmeinung zur MEHR2018

Hanniel schreibt weiter: Der Theologe Ron Kubsch hat in die aktuellen Vorträge hineingehört und gibt zu bedenken:

Wenn Du den Gottesdienst am Sonntag nicht als katholisch identifizieren konntest, muss ich mir wirklich Sorgen machen. Der Gottesdienst war eine komplett katholische Veranstaltung, mit geweihtem Wasser, Gebet für die Verstorbenen, Taufwiedergeburt, einer katholischen Messe etc. Das ist ja verständlich, da eben ein katholischer Gottesdienst. Was nicht geht: Ein Einebnen der Lehrunterschiede mittels Lobpreis und guter Stimmung. Die Unterschiede sind da, sie können auch nicht weggebetet werden.

Robin Dammer und Jochen Klautke haben sich in der „Bekennende Kirche“ unter dem Titel „War die Reformation Sünde?“ mit der Rechtfertigungslehre und Johannes Hartl auseinandergesetzt.

Wer seine Begeisterung für die Ökumene nicht teile, der habe vielleicht nur Angst, dass anderen das Bier woanders besser schmecke als im eigenen Lager, schreibt Hartl. Was der römisch-katholische Theologe nicht sieht oder vielleicht auch gar nicht sehen will: Es geht nicht um Bier – auch nicht im übertragenen Sinne, sondern um sehr viel mehr. Es geht um das Zentrum unseres Glaubens und damit um die Frage, wer Jesus ist, was er getan hat und wo Menschen die Ewigkeit verbringen werden. Initiativen wie das Gebetshaus Augsburgkönnen deshalb auch nicht als Fortschritt zur konfessionellen Wiedervereinigung betrachtet werden, denn sie verschleiern die Grundlage wahrer geistlicher Gemeinschaft. Sie versuchen ohne Evangelium etwas zu stiften, was biblisch betrachtet eine direkte Frucht des Evangeliums ist.

Hans-Werner Deppe vom Betanien Verlag hat sich kritisch mit der MEHR Konferenz auseinandergesetzt.

Unsere biblische Lehre – besonders das Evangelium der Errettung allein durch Jesus, allein durch Glauben, allein aus Gnade, allein aufgrund der Schrift – ist unser kostbarster Schatz. Lasst uns diesen Schatz nicht wie Ballast über Bord werfen, um besser auf den Wellen reiten zu können. Dann werden wir Schiffbruch im Glauben erleiden. Lasst uns Katholiken lieben, indem wir ihnen diesen Schatz zeigen, und nicht, indem wir uns ihnen auf dem Irrweg ihrer Institution anschließen.

Wir hoffen, dass mit dieser ausführlichen Sammlung ein einigermaßen objektives Bild von Johannes Hartl gezeichnet wird und dies eine gute Einschätzung von seiner Person und Lehre erlaubt.

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